Neustadt Mit Sarkasmus gegen Untätigkeit
Ein Schreiben hat in den vergangenen Tagen im Gimmeldinger Tal für Verblüffung gesorgt. Der „Tatort“: ein Baum neben einem Holzsteg über den Mußbach, gelegen am Weg zwischen dem Parkplatz beim Forsthaus Benjental und dem Forsthaus Silbertal. Seit Sommer 2015 ist der Steg kaputt; mancher Wanderer behilft sich mit Steinen im Bach, statt einen Umweg zu machen.
Weil sich die Instandsetzung in die Länge zieht und sich offenbar nicht jeder für die vom Forstamt Bad Dürkheim vorgeschlagene Umleitung erwärmen kann, formulierte ein anonymer Autor sarkastisch: „Beim Überqueren des Mußbachs besteht Rutschgefahr. Ein Sturz kann mit Schädelbasisbruch bzw. bei Bewusstlosigkeit durch Ertrinken tödlich verlaufen.“ Und: „Wie uns das Forstamt verbindlich mitteilte, erfolgt die Wiedererrichtung der Brücke binnen weniger Jahre, spätestens jedoch 2021.“ Gezeichnet: „Pfälzerwald-Verein e.V.“ Es folgt ein Postscriptum, das dem Forstamt andichtet, es könne wegen Überbeanspruchung keine genaueren Angaben machen. Dieter Neuwald, Pressesprecher des Gimmeldinger Pfälzerwald-Vereins, schloss aus, dass dieses Schreiben vom Verein verfasst wurde. „Solche Aussagen treffen wir nicht. Dennoch ist es eine Schande, dass der Weg solange nicht begehbar ist“, erklärt er. Zwischenzeitlich ist das Schreiben vom Baum entfernt worden, wie Gimmeldingens Ortsvorsteherin Claudia Albrecht informiert. „Solch ein anonymes Schreiben dient der Sache gar nicht. Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch, darunter der Deidesheimer Bürgermeister Manfred Dörr und das Forstamt Bad Dürkheim, damit wir das Problem schnell und unbürokratisch lösen“, sagte sie. Forstamtsleiter Frank Stipp bestätigt, dass für nächste Woche ein weiterer Ortstermin angesetzt ist. Er ist erst seit Dezember im Amt und weiß, dass die Brücke angeblich durch einen Reiter mit Pferd zerstört wurde. Bislang habe der Forst keinen Bedarf gesehen, den Steg instand zu setzen. Denn als reine Fußgängerbrücke habe er keine forstwirtschaftliche Bedeutung. Zudem sei eine Umleitung ausgewiesen. Stipp zufolge geht es jetzt darum, dass mit Deidesheim und Gimmeldingen zwei offizielle „Paten“ gefunden werden, die für Unterhalt und Pflege verantwortlich zeichnen. Für die bevorstehenden Osterspaziergänge muss nun also noch die vorgeschlagene Umleitung genommen werden. Oder man entscheidet sich, den etwas halsbrecherischen Weg über die provisorisch von Naturfreunden in den kleinen Bach gelegten Steine zu wählen, um eine sonnige Lichtung zu erreichen. Dort tummeln sich derzeit in den Teichen Dutzende von Kröten. (kle)