Neustadt Mit Gedanken lenken

Neustadter Schülerteams haben sich bei den Regional-Wettbewerben „Jugend forscht“ für den Landesentscheid qualifiziert (wir berichteten). Die Talentschmiede für die jungen Forscher steht in Neustadt. Sergej Buragin, Lehrer der Neustadter Berufsbildenden Schule (BBS), arbeitet regelmäßig in Räumen der Volkshochschule und der BBS mit verschiedenen Teams an der Weiterentwicklung der Ideen.
Das Besondere daran: Die Projekte laufen schulübergreifend. Die Jungforscher finden sich nach Interessenlage in den Teams zusammen. „Dabei bin ich vor allem Aufsichtsperson bei der Handhabung verschiedener Materialien und Geräte. Alles andere machen die Schüler weitgehend selbstständig. Bei der Präsentation bei den Wettbewerben darf der betreuende Lehrer gar nicht dabei sein“, erklärt Buragin. Unterstützt wird er an der BBS durch seinen Kollegen Christof Huber, am Gymnasium Edenkoben ist Antje Jarschke Ansprechpartnerin. Johannes Falkenstein, Jonas Koch (beide Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium) und Frank Hund (Gymnasium Edenkoben) arbeiteten rund 80 Stunden an ihrem Projekt „Gedanken, die bewegen“. Sie verblüffen bei der Demonstration ihres Rollstuhls, der alleine durch Gedanken gelenkt werden kann. Jonas Koch erklärt die Wirkungsweise: „Zunächst wurden mit einem speziellen Kopfhörer die Gehirnströme gemessen, um die Frequenzen für angespannt und entspannt zu ermitteln. Diese Frequenzen werden in ein Programm umgerechnet und eingespeist.“ Der Laptop ist mit einem Elektromagneten verbunden, der wiederum das Signal an den Rollstuhlmotor gibt. Angespannte Gehirnströme bedeuten losfahren. Das Stopp-Signal gibt es wiederum mit einem Anspannen des „Lenkers“ und einem energischen Stopp-Gedanken. Dass es funktioniert demonstriert der 15-jährige Johannes. „Bei ihm sind die Werte und die Umsetzung am deutlichsten“, erklärt Teamkollege Frank Hund. Jetzt tüfteln die Jugendlichen an einer Ausweitung der Technik, mit der auch eine Bewegung nach rechts und links ermöglicht wird. Für die drei Forscher war wichtig: „Wir sind technisch und biologisch interessiert, aber wir haben uns beim Fach Biologie angemeldet, weil wir vor allem etwas für die Menschen tun wollen, die darauf angewiesen sind“, so Frank Hund, in dessen Verwandtschaft ein Rollstuhlfahrer lebt. Dass es ausgerechnet beim Regionalwettbewerb zunächst nicht vorwärts ging, lag an einer simplen Panne. Die Batterien des Elektrorollstuhls hatten sich entladen, weil die Geräte über Nacht in der Kälte standen. Die Schüler überbrückten die Zwangspause gekonnt. Während einer der Jungs der Jury die Wirkungsweise erklärte, überprüften seine Mitschüler die Verbindungen und schafften es, das Gefährt betriebsbereit zu machen. Auch das Siegerteam der Geruchskiste, im Wettbewerb „Smellbox“ genannt, widmet sich vor allem den Menschen, die die Erfindung nutzen können. Bei dem Projekt der drei BBS-Schüler Sebastian Fleißig, Leon Dean und Nils Schäfer (alle Technisches Gymnasium der BBS) geht es um eine Geruchstherapie. „Das kann hilfreich bei Depressionen sein“, erklärt Leon Dean. Rund 60 Arbeitsstunden stecken in ihrer Entwicklung. Bei Knopfdruck können verschiedene Düfte über die Lüftung eingespeist werden. Im aktuellen Gerät sind es die Düfte nach Orange, Apfel-Zimt, Zitrone, Schokolade oder Vanille. Die jungen Forscher stellen sich vor, dass damit beispielsweise auch das Kinopublikum noch stärker in einen Film „hineingezogen“ werden kann, wenn die passenden Gerüche den Raum fluten. In Buragins Forscherwerkstatt beteiligen sich rund 40 Schüler. „Alle Interessenten sind willkommen“, betont er und lädt zum Mitmachen ein. Unterstützt wird er von einzelnen Sponsoren, denn die Materialkosten beziffert er bei einigen Projekten jeweils mit rund 1000 Euro. Auch die Stadt Neustadt kümmert sich um die jungen Forscher und spendierte jetzt T-Shirts für einen gemeinsamen Auftritt bei dem Landesentscheid und ein großes Frühstück für die Jugendlichen.