Neustadt Mit geballter Celli-Kraft

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Deidesheim. Der Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge hatte am Sonntag zu einer Adventsmatinee mit Werken für Violoncelli eingeladen und hatte dafür sechs Studenten der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim unter der Leitung von Professor Michael Flaksman gewonnen. Das facettenreiche Programm und die leidenschaftlich aufspielenden jungen Musiker begeisterten die Zuhörer.

Für Überraschung sorgte bereits der Auftakt: Ein Ensemble aus vier Celli interpretierte das „Schlummerlied“ von Theo Mackeben. Er war ein deutscher Pianist und Komponist vieler bekannter Bühnen- und Filmmusiken, der in der Zeit des Nationalsozialismus auch Filmmusik für Propagandafilme schrieb. Doch für den 1946 in Amerika geborenen Michael Flaksman stand bei der Musikauswahl, die er gemeinsam mit seinen Studenten getroffen hat, in erster Linie der musikalische Aspekt im Vordergrund, um die Vielseitigkeit der Interpretation von Cellokompositionen aufzuzeigen. Von den sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, die an die Spieler hohe Anforderungen stellen, standen vier auf dem Programm. Die Studenten hatten so die Möglichkeit, einzeln ihr Können zu präsentieren. Den Anfang machte die Koreanerin Jooyun Choi mit dem „Prelude“ der Suite Nr. 2 BWV 1008. Dieser Satz in d-Moll lässt in stilisierter Form die Grundzüge einer Sarabande erkennen. Der Italiener Domenico Milone hatte sich für das „Prelude“ in C-Dur der Suite Nr. 3 BWV 1009 entschieden, das von lebhaften Arpeggio-Mustern durchsetzt ist. Ebenfalls aus Italien stammt Marcello Cassese, der aus der Suite Nr. 4, BWV 1010 in Es-Dur die Sätze „Prelude“, „Sarabande“ und „Gigue“ ausgewählt hatte. Das Präludium ist mit seinen mehrstimmigen Akkorden wegen der Tonart und der schnellen Läufe schwierig zu spielen. Der Koreaner Jimyeong Yoo interpretierte gekonnt anschließend das „Prelude“ der Suite Nr. 6 BWV 1012 in D-Dur, das ebenfalls hohe spieltechnische Anforderungen aufweist. In eine andere Welt entführte das Werk von György Ligeti. Der 1923 in Siebenbürgen geborene Komponist gilt als einer der Altmeister der Neuen Musik Ungarns. Sein Stil orientierte sich zunächst an Béla Bartók mit folkloristisch geprägten Stücken, zu denen auch die zwischen 1948 und 1953 entstandene Solosonate für Cello gehört. Die Koreanerin Sungbin Lee spielte den mit „Dialogo“ bezeichneten ersten Satz der Solosonate mit großem Einfühlungsvermögen. Ebenso überzeugend geriet der Vortrag der Koreanerin Seonhwa Lee, die sich für die Matinee die Cellosolosonate op. 25 Nr. 3 von Paul Hindemith ausgesucht hatte. Der bedeutende deutsche Komponist der Moderne widmete die Sonate dem Cellisten Maurits Frank, seinem musikalischen Partner im Rebner- und im Amar-Quartett. Mit hörbarer Spielfreude nutzt Seonhwa Lee in den Variationen die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instruments. Als Ensemble stellten jeweils vier der Studenten ein romantisches Lied von Theo Mackeben aus dem Film „Wer bist Du, den ich liebe“ vor. Mit dem Walter Jurmann-Titel „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo“ vermittelten sie den Zuhörern den Eindruck eines Tanzorchesters der 1930er Jahre . In diesem damals populären Schlager kam die Politikverdrossenheit der 20er Jahre zum Ausdruck. Wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierte Jurmann 1933 nach Paris, wo ihm ein Siebenjahresvertrag in Hollywood angeboten wurde. Geballte Celli-Kraft gab es zum Abschluss mit der „Polonaise de concert für vier Celli“ von David Popper, einem der großen Cellovirtuosen des 19. Jahrhunderts. Sie ist ein Beispiel für die in der Virtuosenliteratur besonders beliebte Form der „Polonaise brillante“, in der sich schon im Rhythmus das strahlende Wesen offenbart. Mit anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum für ein außergewöhnliches Adventskonzert. (dox)

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