Neustadt Mister Sesselbahn ist tot

Nach dem Tod von Heinz Alles geht es mit einem Führungsduo bei der Sesselbahn weiter.
Nach dem Tod von Heinz Alles geht es mit einem Führungsduo bei der Sesselbahn weiter.

„Er hat ganz stark gekämpft, aber seine Krankheit war stärker“, sagte Heinz Alles’ 74-jährige Frau Elvira im Gespräch mit der RHEINPFALZ (wir informierten kurz am Samstag). Die Beisetzung war bereits. Wie er es in seinem letzten Willen ausdrücklich vermerkt hat, im engsten Familien- und Freundeskreis. Ohne Ankündigung in der Presse, ohne Grabreden. Heinz Alles war nie ein Freund großer Worte. Nach dem Tod seines Vaters und Sesselbahn-Mitbegründers Hermann Alles übernahm er nahtlos und ohne großes Aufheben die Regie in dem Betrieb. Mit einem großen Herz für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Wann immer an das Traditionsunternehmen der Wunsch herangetragen wurde, sozial Schwachen eine kostenlose Fahrt zu gönnen, zeigte Heinz Alles ein offenes Ohr. Ungezählt sind die Fahrten, die er bei RHEINPFALZ-Sommeraktionen oder -Verlosungen Lesern spendiert hat. „So etwas mach’ ich doch immer, da müssen Sie mich nur rechtzeitig anrufen“, hat in all diesen Fällen die wohlwollende Antwort von Mister Sesselbahn gelautet. Heinz Alles war das Gesicht der Rietburg-Bahn. Aber nie im Vordergrund, sondern als Primus inter Pares, der Erste unter Gleichen seiner Mannschaft. Oft saß er selbst am Fahrkartenschalter oder teilte den Fahrgästen mit freundlicher Geste ihre Gondeln zu. In seinen letzten Jahren hat er sich allerdings im Hintergrund aufgehalten. Seine fortschreitende Erblindung hat ihren Tribut gefordert. Ein Gräuel waren ihm die bürokratischen Hindernisse, die sein Unternehmen zu überwinden hatte. Heinz Alles war ein Edenkobener durch und durch. Er wollte bei seinem beruflichen Werdegang nicht allein durch Vaters Gnaden seinen Weg machen. Nach einer Banklehre ging er nach München, um dort wichtige Erfahrungen zu sammeln. Doch schnell zog es den Pfälzer zurück in die Heimat, zur Volksbank Edenkoben. Dann lernte er seine Frau Elvira kennen. Aus der Ehe ging Tochter Tina hervor. Einige Zeit hieß es, sie würde einmal die Alles-Dynastie fortsetzen. Doch deren Weg führte auch wegen der Geburt von Zwillingen in eine andere Richtung. „Auch mit Alles ist mal alles vorbei“, sagt die Witwe. Als ob Heinz Alles sein baldiges Ableben geahnt hat, sind im Herbst 2018 an der Spitze der Sesselbahn die personellen Weichen neu gestellt worden. Seit Beginn des Jahres gibt es eine Doppelspitze: Ruth Gräber aus Speyer, als Betriebswirtin bisher in Speyer und im Badischen in der Finanzbuchhaltung tätig, verantwortet die kaufmännische Seite. Die 65-jährige, gebürtige Edenkobenerin ist dank ihres Vaters schon lange eine von sechs Gesellschaftern. Schon seit September habe sie regelmäßig in den Betrieb reingeschnuppert, „dabei auch die Kasse gemacht“, erzählt Ruth Gräber. Alle bisherigen Mitarbeiter würden übernommen. Gerhard Weickenmeier, aus Römerberg bei Speyer stammend und in Gaggenau lebend, soll sich um die Technik kümmern. Der 63-jährige Ingenieur machte in der Automobilbranche seinen Weg, war eigenen Worten zufolge leitender Angestellter bei Daimler. Derzeit ist der selbstständige Berater fieberhaft auf der Suche nach einem neuen Betriebsleiter, der alte ist Mitte November gegangen. Zudem gilt es, die Voraussetzungen für einen Sesselbahn-Betrieb von März bis November zu schaffen. Technische Revision, Tüv-Abnahme – das werden wichtige Stationen bis zur Saisoneröffnung der Sesselbahn sein. Weickenmeier sagte, dass derzeit der Bahnüberwachungsstelle in Koblenz ein Antrag vorliegt, um älteren oder behinderten Menschen den Ein- und Ausstieg zu erleichtern, indem die Gondel-Geschwindigkeit von 90 Zentimetern pro Stunde deutlich reduziert werden kann. Am Programm der Sesselbahn, auch an den vom verstorbenen Heinz Alles inszenierten Lampionfahrten im Sommer, soll sich nichts ändern. Seine Unternehmensphilosophie lebt weiter.

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