Hassloch
Misshandelt: Was eine junge Katze bereits ertragen musste
Katze Julchen wird von den Mitarbeitern und Helfern im Haßlocher Tierheim „unser Weihnachtswunder 2021“ genannt. Die geschätzt erst acht Monate alte schwarze Katze hatte sehr viel Glück im Unglück, obwohl sie wirklich schlimm zugerichtet worden ist. Ihr Schwanz ist nur noch fünf Zentimeter lang. Julchens linke Vorderpfote fehlt fast zur Hälfte, und an der rechten Vorderpfote wurden einige Zehen abgetrennt.
„Aufgrund ihrer Verletzungen gehen unsere behandelnden Tierärzte darum von einer Misshandlung aus“, sagt Nicole Fützenreiter, Tierheimleiterin und zugleich Vorsitzende im „1. Haßlocher Tierschutzverein und Umgebung“. Einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember 2021, wurde die junge Katze in einer Kleintierfachpraxis Haßloch als verletztes Fundkätzchen abgegeben, berichtet Fützenreiter. Die Tierschützer gehen „stark davon aus, dass es sich bei dem Kätzchen um eine Streunerkatze handelt“. Die Finderin habe das „zunächst noch scheue und augenscheinlich verletzte“ Tier über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen „mit Futter und viel Geduld anlocken und sie glücklicherweise zum Tierarzt bringen können“, berichten die Tierheim-Mitglieder auch auf ihrem Facebook-Auftritt: „Julchen, wie wir sie nennen, war beim Auffinden sehr schwer verletzt.“ Die ehrenamtlichen Helfer sind, obwohl sie schon viel gesehen haben, schockiert: „Wer macht denn bloß sowas?“
Folgeoperationen möglich
Dass die kleine Kämpferin nicht sofort verblutet ist oder sich durch die Art der Misshandlung – die Retter gehen von in voller Absicht herbeigeführten Schnittverletzungen aus – keine Blutvergiftung zugezogen hat, ist laut Nicole Fützenreiter „wohl ihr großes Glück“. Die erfahrene Katzenexpertin führt das rein auf die kühle Außentemperatur zurück: „Wäre es draußen warm gewesen, gar nicht auszudenken.“ Julchen hätte dann einfach sterben können, macht die Fachfrau ohne Umschweife klar.
„Was muss dieses arme Seelchen schon mitgemacht haben?“ Das fragen die Tierheim-Helfer entsetzt, als sie im Internet rasch nach Tierpaten suchen. Obwohl sich schon vier Interessenten gemeldet haben, muss Fützenreiter vorsichtig sagen: „Das ist natürlich richtig toll. Aber falls es doch noch zu Operationen oder im schlimmsten Fall zu einer Amputation und einer späteren Prothese kommen würde, wären erst weitere, sehr hohe Kosten zu stemmen.“
25 Tiere im Katzenhaus
Bislang mussten schon zwei Tierarztpraxen tätig werden, um die Fachbereiche Orthopädie und Neurologie sowie Augenheilkunde abzudecken. Denn: „Leider hat sich das arme Julchen zu allem Übel einen schweren Katzenschnupfen zugezogen“, sagt Fützenreiter. Dazu gehört auch noch eine Augenentzündung, da sie sich mit der entzündeten Pfote gekratzt habe. Statt der bei Katzen noch üblichen 39 Grad Celsius an Körperwärme habe Julchen fünf Tage lang Fieber von über 41 Grad Celsius gehabt – eine weitere gefährliche Situation. Julchen habe zwar sofort Infusionen und ein Antibiotikum gegen mögliche Bakterien bekommen: „Da wusste ganz zu Beginn aber natürlich noch niemand, dass das nicht anschlagen würde, weil es sich um Viren handelt“, erläutert Fützenreiter.
Inzwischen darf sich Julchen aber „derzeit zumindest auf dem Weg der Besserung“ in einer Quarantänebox im Katzenhaus des Haßlocher Tierheims erholen, in dem derzeit 25 hilfsbedürftige Katzen untergebracht sind.
Dennoch bekomme Julchen, obwohl sie aktuell noch weit entfernt von einer Vermittlung ist, „trotz dieser schrecklichen Erfahrungen durch Menschenhand“ jetzt viel Liebe und Zuneigung, erklären ihre Retter. Leider liege vor der Jungkatze „immer noch ein langer Weg, der mit Tierarztbesuchen, Medikamenten und Kosten verbunden sein wird“, macht Nicole Fützenreiter klar. Darum hoffen die Helfer auf weitere Spenden und Patenschaften – für Julchen und alle anderen Tiere, die akute oder weitere Hilfe benötigen.
Info
- Patenschaften für alle Tiere, nicht nur für ein einzelnes wie Katze Julchen, sind jederzeit möglich und helfen dem Haßlocher Tierschutzverein bei der Versorgung aller Tierheim-Bewohner: www.tierschutzverein-hassloch.de/verein/downloads oder Anfragen per Telefon 06324 4944.
- Spendenkonto: 1. Tierschutzverein Haßloch und Umgebung, Sparkasse Rhein-Haardt, IBAN DE25 5465 1240 0001 0108 00.