Handball
Mini-WM in Haßloch und ein tricksender Verband
Einlauf, Hymne, Siegerehrung. Die Haßlocher Pfalzhalle versprühte am Sonntag einen Hauch von Internationalem. Im Final-Four-Turnier der Handball-Mini-WM siegten am Ende die E-Jugendmannschaften von Frankreich (gemischt) und Serbien (weiblich). Und das klingt doch gleich viel spannender als Dansenberg und Bornheim, oder?
Bereits zum fünften Mal hat der Handball-Verband Rheinhessen-Pfalz seine Pokalrunde bei den Jüngsten als „Mini-WM“ verkleidet. Mit zwei Vorrunden und zwei Zwischenrunden und natürlich der großen Finalrunde auf beinahe heiligem Hallenboden. „Wo Kinderherzen höherschlagen und Handballträume wachsen“, versprach die Ankündigung des Verbandes großspurig.
Losen mit Pokal
Und tatsächlich hatten sich wirklich alle Beteiligten gewaltig ins Zeug gelegt. Die Spielerinnen und Spieler sowieso. Aber auch die Eltern waren mit Feuer und Flamme dabei, hatten sich oft genug schon mit ihrer Nation identifiziert. Dabei hatte der größte Pokal des Verbandes gute Arbeit geleistet. „Daraus haben wir den Vereinen ihre jeweilige Nation zugelost“, verriet Christl Laubersheimer aus dem Verbandspräsidium. Allerdings habe der Verband in diesem Jahr ein „kleines bisschen getrickst“, räumte sie ein. „Es haben sich 60 Mannschaften gemeldet“ – fast doppelt so viele, wie bei der Weltmeisterschaft der Frauen (32) im Einsatz waren. „Wir haben einigen Teams deshalb auch noch Nationen von den Europameisterschaften der Herren zugelost“, verriet Laubersheimer.
Tunesien glückliche Fügung
Nationen, die über die gesamte Veranstaltung an den Vereinen haften geblieben sind. Mit einem gewissen Nationalitätsstolz. „Tunesien war für uns eine glückliche Fügung“, sagte zum Beispiel Thomas Gössing, Trainer der JSG Mundenheim/Rheingönheim, die bei den Mädchen den dritten Platz belegte. „Wir haben nämlich sogar eine Spielerin in der Mannschaft, die ursprünglich von dort stammt.“ Mit der zweiten Nation, Österreich, sei man hingegen nicht ganz so erfolgreich gewesen. Und trotzdem freute er sich, stellvertretend für die Trainer, Betreuer und natürlich jede Menge Eltern, über die Turnierserie. „Immerhin kann man so mit den Kindern nicht nur um die Meisterschaft, sondern noch um einen weiteren Titel spielen.“
TV Wörth als Schweizer Team
Lediglich der „internationale“ Flair ging im Finalturnier ein wenig verloren. „In der Vorrunde muss sich jeder Verein mit der ihm zugelosten Nation befassen“, so Laubersheimer. Da werden Flyer erstellt, Fahnen gebastelt und Fakten über den Namensgeber gesammelt. Nur ein Teil davon hat es dann aber auch in die Pfalzhalle geschafft. Fahnen und Wimpelketten signalisierten zum Beispiel im Fanblock des TV Wörth die Identifikation mit der Schweiz – die charakteristischen Kuhglocken zur Anfeuerung fehlten allerdings. Zumindest darüber freute sich Christel Laubersheimer: „Wir hatten hier in der Halle schon häufiger Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft.“ So blieb es durch die Bank bei den Handball-typischen Trommeln und Klatschrhythmen auf den Rängen.
Und jeder Menge begeisterter Spielerinnen und Spieler auf dem Parkett. Auch wenn dabei die Trikotauswahl nicht immer ganz authentisch war. Ob Platz vier für Italien auch ein kleines bisschen an den ungewohnten grünen Trikots lag? Verbandspräsident Ulf Meyhöfer verwies auf die begrenzte Farbauswahl. Gelöst in der Regel von altbekannten Leibchen. „Aber es ist für den Verband trotzdem ein immenser finanzieller Aufwand.“ Immerhin haben alle 60 gemeldeten Mannschaften nach der Auslosung auch einen Trikotsatz erhalten. Und eine passende Flagge obendrein, denn wahrscheinlich lagern nicht in allen Vereinsarchiven alle internationalen Landesbanner.
2027 mit dem Elsass
Und am Ende freuten sich die Sieger TuS Kaiserslautern-Dansenberg (Frankreich) in der gemischten Jugend und SV Bornheim (Serbien) in der weiblichen Jugend, aber gewonnen hatten eigentlich alle: Die Kinder, die ausrichtenden und teilnehmenden Vereine, die Sportgemeinschaft und natürlich der Handball selbst. Wiederholung und Ausweitung des Konzeptes nicht ausgeschlossen, sondern schon angedacht: „Zur Handball WM 2027 planen wir für die Mini-WM eine Kooperation mit dem Verband im Elsass“, verriet Meyhöfer. Dann wird aus dem internationalen Flair eine wirklich grenzüberschreitende Erfahrung.