Neustadt Mimen mit Inbrunst

Die Proben des Verkehrsvereins für die Aufführung am Heimatabend laufen auf Hochtouren.
Die Proben des Verkehrsvereins für die Aufführung am Heimatabend laufen auf Hochtouren.

Das Programm für den Heimatabend am Pfingstsonntag im Hof der Grundschule ist festgezurrt. Der 614. Tributbock steht schon in den Startlöchern, um gemäß der Tradition am Dienstag nach Pfingsten von Lambrechts jüngst vermähltem Brautpaar nach Deidesheim zur Versteigerung geführt zu werden. Noch sind die Namen der Hochzeiter und die Vita des Vierbeiners ein streng gehütetes Geheimnis.

Das Stück, das beim Heimatabend aufgeführt wird und die Zuschauer mitnimmt in die historische Geschichte des seit 1404 dokumentierten Brauchtums, hat sich längst herumgesprochen. Die Schauspielgruppe des Verkehrsvereins zeigt zwei Akte aus dem Textbuch des Geißbockfestspiels von Ernst Schäfer. Die Proben laufen auf vollen Touren. Inhalt der beiden Szenen im siebten und achten Bild sind die Hochzeitsnacht des Brautpaars Lisbeth und Jakob – in den Rollen Tanja Frieß und Thomas Hanke – sowie die verspätete Lieferung des Tributbocks an die Stadt Deidesheim. Nach einem Vertrag musste Lambrecht einst die Nutzung einer Viehweide im Deidesheimer Hinterwald mit einem zuchtfähigen Geißbock bezahlen. Immer wieder kam es in jüngerer Geschichte zum Vertragsbruch, etwa als der damals noch jüngste Lambrechter Bürger – das jüngst vermählte Brautpaar übernimmt die Rolle erst seit den 1930er-Jahren – den Tributbock viel zu spät zu übergeben versuchte. Längst nutzt die Stadt die Weide nicht mehr. Die Geißbocklieferung aber hat sich zum Brauchtum zwischen Lambrecht und Deidesheim entwickelt. Bei der Probe am Mittwoch fliegen die Wortfetzen hin und her: Denn der Bräutigam muss, statt die Hochzeitsnacht mit seiner Braut zu verbringen, ja den Bock nach Deidesheim führen. Die Szene zeigt, mit welcher Inbrunst sich die Theatergruppe dem Stück verschrieben hat. Die Schauspieler sind so gut drauf, dass Regisseur Gregor Michmé sie nur mit einem Fingerzeig dirigiert. Der neue Spielführer ist froh. „Ich freue mich, dass ich als Regisseur ausgewählt wurde“, sagte der 51-Jährige Hobby-Schauspieler, der am Boulevardtheater Deidesheim spielt und bei diversen Aufführungen der Theatergruppe dabei war. „Ich hatte schon ein bissel Lampenfieber, ob sie mich auch als Regisseur akzeptieren würden“, gesteht er. Information Heimatabend im Hof der Grundschule Lambrecht am Sonntag, 4. Juni. Ab 17 Uhr musikalische Einstimmung vom Musikverein Königsbach, 18 Uhr Aufführung und danach Übergabe des Geißbocks an das Hochzeitspaar.

x