Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Miguel Carvalho: Früherer Pokalheld drückt Portugal die Daumen

Zumindest beim Trikot hat in der Familie Carvalho Portugal die Übermacht: (von links) Eva Carvalho mit Tochter Leni, die Söhne M
Zumindest beim Trikot hat in der Familie Carvalho Portugal die Übermacht: (von links) Eva Carvalho mit Tochter Leni, die Söhne Miguel und Leonardo sowie Vater Miguel Carvalho.

Portugal will am Samstag gegen Deutschland den Schritt ins EM-Achtelfinale machen. Das hofft auch Miguel Carvalho für seine Landsleute. Wie sehr solche Spiele an den Nerven zerren, weiß der 38-jährige Portugiese aus eigener Erfahrung.

„Die Vorbereitungen laufen“, sagt Miguel Carvalho aus Maikammer und ist schon voller Vorfreude auf die Partie bei der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Portugal. Der 38 Jahre alte Familienvater ist im Herzen, Portugiese, auch, wenn er in Kaiserslautern geboren ist. Länderspiele seines Heimatlandes sind für ihn Festtage.

Dann ist auch Geselligkeit angesagt. Im Garten bei kühlen Getränken und dem Holzofengrill. Das Nationaltrikot liegt bereit. Nicht nur für ihn, sondern auch seine Söhne Luis (7) und Leonardo (5), die ebenso wie der Papa dem Team um Superstar Cristiano Ronaldo die Daumen drücken. Das drei Monate alte Töchterchen Leni trägt einen Strampler in den Farben Portugals. Nur seine Ehefrau Eva macht kein Geheimnis aus ihrer Bewunderung für das DFB-Team. Die Übermacht in ihrer Familie zugunsten Portugals lässt die 33-Jährige kalt.

Wie ein Public Viewing

Ohnehin denkt Carvalho nicht an einen 4:1 Sieg von Ronaldo und Co: „Das wird eine ganz enge Kiste, aber wir werden Deutschland 1:0 schlagen.“ Der Sieg gegen Ungarn werde die Mannschaft beflügeln, während Deutschland nach der Niederlage gegen Frankreich etwas unter Druck stehe. An die 0:4-Klatsche im ersten WM-Gruppenspiel vor fast genau sieben Jahren in Brasilien denkt er nicht mehr. Die damaligen Torschützen sind diesmal wieder dabei. In Südamerika traf Thomas Müller gleich drei Mal und Mats Hummel einmal. Das sollte sich aus Sicht von Miguel Carvalho nicht wiederholen.

Beruflich als Niederlassungsleiter einer Brandschutzfirma in Edenkoben beschäftigt, hat Carvalho in seiner Freizeit die Partie akribisch vorbereitet: „Das sind bei uns schon Grillfeste bei kleinem Public Viewing im eigenen Garten.“ Wegen der Pandemie nur mit der Familie, „vielleicht kommt mein Vater aus Kaiserslautern“, erzählt der Portugiese mit Pfälzer Zungenschlag, der auch gerne einen schönen Riesling genießt.

Großer Benfica-Fan

Miguel Carvalho ist seit Kindesbeinen mit dem Fußball-Virus infiziert. Bei den Bambini des VfR Kaiserslautern hat er das Kicken gelernt, ehe er in der D-Jugend den Weg zum 1. FC Kaiserslautern fand. Im B-Jugend-Alter wechselte er zum FK Pirmasens, wo er zwölf Jahre lang die Fußballschuhe schnürte. Bis heute ist er ein glühender Fan von Benfica Lissabon: Sein Vater stammt aus Porto, seine Mutter aus Lissabon. Beim Urlaub in der Heimat darf der Besuch einer Partie von Benefica nicht fehlen. Fußball ist eben seine ganz große Leidenschaft und wird es auch bleiben. Auch wenn er seine aktive Laufbahn vor zwei Jahren als Spielertrainer des SV Edenkoben mit dem Aufstieg in die A-Klasse beendet hat. Carvalho ist in der Region kein Unbekannter, denn auch beim VfL Neustadt war er vor dem Wechsel nach Edenkoben am Ball.

Und er hat in seiner aktiven Zeit auch Fußballgeschichte geschrieben. Als am 9. September 2006 der heutige Regionalligist FK Pirmasens in der ersten Runde des DFB-Pokals im Stadion an der Husterhöhe auf Bundesligist SV Werder Bremen traf, wurde er zum Helden. Der Mittelstürmer bewies Nerven, als er beim Elfmeterschießen vor 15.000 Zuschauern als letzter Spieler antrat und mit seinem Treffer zum 5:3 Endstand die Gäste aus dem hohen Norden aus dem Pokalwettbewerb „kegelte“. „Das vergisst man nicht“, sagt Carvalho. Und deshalb hat er auch ein Rat an seine Nationalmannschaft: „Die Aufgabe ist schwer genug. Tretet als Team auf und verlasst euch nicht auf Ronaldo.“

Info

Während der Fußball-Europameisterschaft wollen wir zu jedem Spiel der deutschen Nationalelf einen Menschen aus dem Gegnerland vorstellen. Also folgt auf alle Fälle noch Ungarn. Wenn Sie jemanden aus diesem Land kennen, der rund um Neustadt wohnt, schlagen Sie ihn gerne für unsere Reihe vor. Vorschläge bitte per E-Mail an redneu@rheinpfalz.de.

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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