Neustadt Metalltechnik statt Latein

Expertenwissen rund um die Motortechnik: Marco Glas.
Expertenwissen rund um die Motortechnik: Marco Glas.

Yannik Mohmud trifft sich gern dort, wo sein berufliches Herz schlägt: in der Schreinerei von Thomas Grund in der Gerichtstraße. Dort hat der 26-Jährige aus Lachen-Speyerdorf, heute in Haßloch zuhause, nach dem Abitur gelernt, seine Gesellenprüfung abgelegt, den Meister gemacht. Jetzt bildet er sich als Restaurator weiter, in der Propstei Johannesberg in Fulda, die sich gezielt mit der Baudenkmalpflege beschäftigt. Am Ende will sich Mohmud selbstständig machen – am liebsten in Neustadt. Der junge Mann hat schon früh gewusst, was er einmal werden will. Ein Schulpraktikum im Antiquitätenhandel von Martin Denzinger gab den Ausschlag: „Danach hat mich dieses Handwerk nicht mehr losgelassen.“ Deshalb will er sich auch gezielt mit alten Techniken und Materialien befassen, handwerklich weiter aktiv bleiben. Soll heißen, kein Plattenschreiner sein, kein Alleskönner bei Altbausanierungen, sondern ein Restaurator. Dass sich sein Traum so problemlos erfüllt hat, macht Yannik Mohmud an zwei Dingen fest, wobei er kein Wort über die Zielstrebigkeit verliert, die ihm außerdem zu eigen sein dürfte: am Glück, einen Ausbilder wie Thomas Grund gefunden zu haben, und am begleitenden Unterricht an der Berufsbildenden Schule Neustadt. „Ich hatte und habe immer mit Leuten zu tun gehabt, die völlig begeistert sind von ihrem Beruf“, beschreibt es der 26-Jährige. Lehrmeister Grund habe ihm genug Freiraum gelassen, selbstständig zu arbeiten und kreativ zu sein, aber auch verantwortungsbewusst. Die Berufsbildende Schule wiederum „war relativ praktisch aufgebaut“. Was er im Betrieb lernte, war auch im Klassensaal Thema, „und wenn man hier wie dort ein bisschen aufpasste, dann wurde alles total greifbar“. Wer wollte, sei immer von den Lehrern unterstützt worden. Und das, so die Erfahrung Mohmuds, sei die halbe Miete. Das duale Bildungssystem sei eben perfekt für das Handwerk und international anerkannt. Außerdem biete es auch im Ausland viele Jobmöglichkeiten, „nicht nur in Europa, auch weiter weg wie bei Work-and-Travel, beispielsweise in Kanada oder Australien“, meint der Tischlermeister mit Blick auf die heutzutage beliebte Verbindung von reisen und arbeiten, um sich dabei die Urlaubskasse füllen. Schon ziemlich viel in der Welt herumgekommen ist Marco Glas aus Hambach. Das Herz des 26-Jährigen schlug schon als Kind für alles rund ums Auto. Schuld daran war sein Vater, Gründungsmitglied des Oldtimerclubs und mit einer eigenen Werkstatt samt Hebebühne ausgestattet. „Ich hab’ von klein auf mitgeschraubt“, beschreibt Glas sein frühes Faible. Nach der Realschule in Edenkoben wollte er deshalb „noch einen Schritt weiter gehen“. Seine Wahl fiel auf das Technische Gymnasium der Berufsbildenden Schule Neustadt. Für ihn sei das der „goldene Weg zum vollwertigen Abitur“ gewesen, „nur statt Latein eben Metalltechnik“. Es folgte ein Maschinenbau-Studium, wobei sich Glas für ein Duales Studium entschied und daher zwischen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim und der Tenneco GmbH in Edenkoben hin und her pendelte. Parallel dazu pflegte der Student sein Hobby – natürlich Motorsport. Als Rennmechaniker und technischer Leiter war er häufig im Einsatz, so für Callaway Competition Heilbronn, Gätmo Motorsport im französischen Hatten oder für Hyundai beim Rallyesport in Südamerika. Nach dem Bachelor-Abschluss verschrieb er sich ganz dem Motorsport, demnächst geht es aber zurück in ein Unternehmen als Ingenieur für Vorentwicklung mit dem Schwerpunkt Wärmeenergierückgewinnung. „Es gab für mich nichts Besseres“, sagt er auch heute noch über seine duale Ausbildung. „Ich wollte die Technik spüren“, also praxisbezogen arbeiten. Am Technischen Gymnasium sei ihm das ermöglicht worden, auch durch Abstecher in die Werkstätten der Berufsschule oder durch ein freiwilliges Praktikum zu Grundfertigkeiten in der Metallverarbeitung. „Ohne diesen Praxisbezug hätte ich auch nie studiert“, meint Glas – und wäre auch nie beim Motorsport gelandet. Am Technischen Gymnasium habe alles Hand und Fuß gehabt, „gut durchstrukturiert und viel Unterstützung“. Was ihn wundert: Dass viele nicht wüssten, dass es dieses Gymnasium gibt. Obwohl heutzutage neben der Technik auch der Bereich Gestaltungs- und Medientechnik dazugehöre. Wie gut es sei, praxisbezogen gelernt zu haben, verdeutlicht der junge Hambacher mit seinem Einsatz als Chef eines international besetzten Mechanikerteams in Südamerika: Weil er nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis gekannt habe, sei die Zusammenarbeit reibungslos gewesen.

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