Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Messe „Design und Gestaltung“ lädt zum Stöbern und Shoppen in den Herrenhof ein

Ein Plüsch-Alpaka macht Werbung für die peruanischen Woll-Accessoires von Washington Zapata.
Ein Plüsch-Alpaka macht Werbung für die peruanischen Woll-Accessoires von Washington Zapata.

Kunsthandwerker aus dem In- und Ausland waren am Wochenende bei der Messe „Design und Gestaltung“ im Mußbacher Herrenhof zu Gast. Sie zeigten ihre kreativen Ideen und wussten auch manch spannende Geschichte zu erzählen.

Will Schropp aus den Niederlanden hat jahrhundertealtes Eichenholz bearbeitet. Schiffsplanken seien dies einst gewesen, erzählt er. Kleine, schwarze Holzexponate, aber auch größere Skulpturen sind daraus nun geworden. Da fährt zum Beispiel ein Fährmann auf seinem Boot „Die Fahrt des Lebens von Alpha bis Omega“. „Die Planken wurden von einem Bauern gefunden, als er sein Feld gepflügt hat“, erklärt der Künstler dazu. Dort habe es früher ein Meer gegeben. So sind um die geschmiedeten Nägel teilweise sogar noch die Fraßspuren von Meeresgetier zu sehen.

Nur einmal in über 20 Jahren nicht dabei

Über 20 Jahre gibt es die alljährliche Ausstellung im Herrenhof nun schon. Und nur ein Jahr davon sei er nicht dabei gewesen, berichtet Jürgen Stellwagen aus Idar-Oberstein. Er hat handgefertigte Schmuckunikate in seinen Vitrinen und schon erste morgendliche Geschäfte gemacht. „Ich habe Stammkunden, die jedes Jahr auf mich warten.“ Seine verarbeiteten Steine seien in der Regel aus Idar-Oberstein. Außerdem verwende er Sterling-Silber und 18-karätiges Gold, erklärt der Schmuckfachmann.

„Neu in Mußbach, sonst aber markterfahren“, ist dagegen die Diplom-Designerin Doris Zwingelberg aus dem bayerischen Parsberg-Darshofen. Sie führt einen der von ihr entworfenen Wendemäntel aus handgewebter Schurwolle vor. „Maßarbeit“ könne sie ihren Kunden anbieten und auf persönliche Vorlieben eingehen, erklärt sie stolz. Die Textildesignerin modernisiert Anregungen aus der Trachtenforschung und produziert ihre Entwürfe dann in warm leuchtenden Farben im Atelier. Mit der Veranstaltungsorganisation und dem Ambiente sei sie sehr zufrieden, erklärt Zwingelberg. Allerdings hoffe sie, dass es das Publikum nicht beim Flanieren belasse, sondern auch kaufe.

Mehrere Heimspiele

Neben Keramiker Martin Schubert, der vom Bodensee angereist ist und von seiner bekannten Frankenthaler Künstlerfamilie erzählt, plätschert malerisch Wasser aus keramischen Fischmäulern, oberflächenbeschichtet mit Salzglasur. Tonrohlinge entstehen vor den Augen der Besucher. „In der Zeit, in der ich ausstelle, arbeite ich weiter“, meint Schubert, der seinen Stand direkt neben seiner langjährigen Galeristin Christiane Wettmann von der Neustadter „Ladengalerie Kunstwerk“ hat, die weiteres Kunsthandwerk anbietet.

Ebenfalls ein Heimspiel haben Bernd Stürze mit Holz- und Steinarbeiten sowie Janine Köckerling aus Neustadt mit „Upcycling“. Köckerlings „JK Redesign Manufaktur“ in der Marktstraße arbeitet nicht nur mit aufgewerteten, gereinigten Altmaterialien, sondern denkt sie auch neu. So wird Couchleder zu Handtaschen, alte Flaschen und Geschirr zu Lampen oder Schallplatten zu Wanduhren. Dass es bisweilen auch dramatisch zugehen kann, schildert Hans Werner Müller von „Facett Art“ mit eigener Bernsteinschleiferei. „Bernstein ist nur ab und zu Strandgut. Wir dagegen finden ihn bereits seit den 70er Jahren in 25 Metern Tiefe.“ Im Bitterfelder Bergbaurevier gebe es unter der Braunkohle Bernsteinlager. Hierfür komme eine Fräse zum Einsatz. Bei Reparaturarbeiten sei es dabei leider auch bereits zu einem Unfall mit Todesfolge gekommen.

Eine der leuchtenden Inseln auf dem Herrenhofgelände ist der Stand von Marcin Wichlinski und seiner Frau, die den weiten Weg von Polen gekommen sind. Für ihre mehrschichtigen Glasobjekte sei Fensterglas ausgeschnitten, dann mit Einlagen von Farbpulvern für das grafische Design geschichtet und anschließend in einer Schamott-Form Stunden bei 850 Grad Celsius miteinander verschmolzen worden. Auch die Alpaka-Unikatstrick-Accessoires, die Washington Zapata (Freiburg) aus Peru importiert, und die alte Glasblaskunst von Michael Greiner aus Esslingen locken zahlreiche Besucher an die Stände und laden zum Stöbern ein.

Marcin Wichlinski aus Polen zeigte Glaskunst.
Marcin Wichlinski aus Polen zeigte Glaskunst.
Textile Kreationen lockten auch im Kelterhaus.
Textile Kreationen lockten auch im Kelterhaus.
Glasobjekte von Anne Hein.
Glasobjekte von Anne Hein.
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