Neustadt „Men(n)opause“ auf dem Traumschiff

Was kann schon rauskommen, wenn die Produktionsfirma „XOX TV“ heißt? Sehr zur Freude der Zuschauer natürlich nur Komik und Chaos
Was kann schon rauskommen, wenn die Produktionsfirma »XOX TV« heißt? Sehr zur Freude der Zuschauer natürlich nur Komik und Chaos. Dafür sorgt hier der extrem empfindliche Showstar Menno (Dieter Ferckel, links), der mit seinen Eskapaden seinem Fernsehteam ((Karlheinz Mallrich und Lothar Kurz) den letzten Nerv raubt.

«Neustadt-Mussbach.» Katja Eb-steins Lied „Theater, Theater“ erklingt aus dem Lautsprecher, bevor die M.S. Aphrodite am Freitag im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs nach Jamaika in See sticht. Der Titel ist Erkennungssong der Schauspielgruppe „Die Groddegiexer“, die an diesem Abend die Premiere ihres Jubiläumsstücks „M.S. Aphrodite, Show-Stars-Stress“ feiert.

30 Jahre gibt es die „Groddegiexer“, und fast in jedem davon haben sie eine Aufführung auf die Beine gestellt, von deren Erfolgen Plakate und Fotowände vor dem Einlass zeugen. Hinter dem Vorhang herrscht noch Stille, denn zunächst begrüßt der Kapitän stilgerecht seine „Kreuzfahrtgäste“ im Zuschauerraum. Dann heißt es „Gängwä frei“ für „Aschtritt“ (Astrid) Wegener (Christel Klohr), ihre Groupie-Freundin Beate Reichenbach (Renate Sander), deren Mann Rüdiger (Dieter Ferckel) und den „Deckoffizier“, gespielt von Christoph Merckel. Hektik und nervöse Reiseanspannung lassen die an Bord gehenden Kreuzfahrer insbesondere über Astrids Ehemann Huppsi (Hubert) zetern, der nicht am vereinbarten Treffpunkt ist, und das Bordpersonal ahnt schon, dass chaotische Zeiten bevorstehen. Denn an Bord des „Traumschiffs“ werden auch noch die letzten Minuten der TV-Serie „Dahin schwimmende Liebe“ mit dem stress-anfälligen Showmaster Mennowinn Mennerich (ebenfalls Dieter Ferckel), genannt Menno, gedreht, der Beates Mann zum Verwechseln ähnlich sieht. Schon nach den ersten Szenen kommt Stimmung bei den Zuschauern auf. Ob die Reinigungskraft Berivan (Susanne Sander) temperamentvoll bauchtanzend zu arabischen Klängen mehr die Hüften als den Putzlappen schwingt und von Regieassistent Ivo (Karlheinz Mallrich) ordentlich zusammengestaucht wird oder „Aschtritt“ und Beate den Rüdiger zum speziellen Urlaubsfoto in „Mennopose“ knechten, der Klamauk wird mit viel Gelächter bedacht. Richtig Stimmung in die Bude bringt dann die extravagante Schlagersängerin Helene Berg (Susanne Böhnke), die ebenso energisch wie vergeblich gegen ihren Ruf als mannstolle „Schlagermatratze“ ankämpft. Ihr Song „Benutz mich“ schließt mit dem bejubelten Teilstrip ihrer ambitionierten Background-Tänzer. Einige „Groddegiexer“ spielen mehrere Nebenrollen. In zwei Hauptrollen glänzt Ferckel, der als Menno arbeitsunfähig werden muss, um als tollpatschiger Notfall-Rüdiger in den Dreh einzuspringen. In all dem Durcheinander, das auch noch bereichert wird um das zünftig streitende Volksmusikduo Michaela (Beate Hofen) und Manuel (Wolfgang Medart), versucht Regisseur Franz Bruddl (Lothar Kurz) von XOX TV (Gsocks ausgesprochen) die Yins und Yangs seiner zerstrittenen Darsteller der TV-Serie zu sortieren und durch meditative Atemübungen die Wogen zu glätten. Vergeblich, denn Menno fällt aus, macht „Men(n)opause“, und der erspähte Doppelgänger wird kurzerhand von Regisseur und Assistent „gecoacht“, damit er nicht mehr dasteht „wie Flipper auf Landgang“. Überzeugend und bestimmt auch zukünftig auf der „Groddegiexer“-Bühne zu Hause ist Newcomerin Dorothee Mallrich, die als „Nichte des Regisseurs“ mit einem „IQ unter den Abgaswerten eines Diesels“ den Job der Publikumseinheizerin ergattert, aber skurrile Probleme mit der Koordination ihrer riesigen Applaus-Schilder hat. Tatsächlich schafft es das Schauspielteam auch noch, den einen oder anderen Bezug zur Region zu knüpfen und Lokalkolorit etwa mit Witzen zum Lambrechter Geisbock oder über einige Zuschauer einzuflechten. „Wir haben eine Kamera bei den Besuchern stehen, so dass wir uns während des Stücks hinter der Bühne die Reaktionen anschauen können“, erklärt Klohr, die möchte, dass die Gäste „äfach mol die Seel baumle lossen“. In einer Lagebesprechung nach der Aufführung verbessere man dann, was eventuell störe. Für das stimmige Gesamtbild sorgen in der Maske Ursel Raidl und Bettina und Ilka Klohr, für Ton und Technik Bernd Schneider und Frank Henning und für die Textsicherheit Souffleuse Renate Müller. Auch, wenn Chefin Klohr am Ende erzählt, dass sie ursprünglich Angst hatte, dass das Stück vielleicht zu chaotisch ausfallen könnte, entpuppt sich die experimentierfreudige „Fahrt auf der Titanic mit Hein Blöd am Steuer“ als weiterer Erfolg der Laienschauspieler. So ist zum Schluss der Applaus lang und tosend für das von Chefin Klohr persönlich zum eigenen „Groddegiexer-Song“ vorgestellte Schauspiel-Team. Und danach wird in Feierlaune noch manch weiteres Fläschchen mit guten Tropfen geköpft und aus den gravierten Jubiläumsgläsern genossen, bevor, wie Klohr auf Nachfrage am nächsten Tag lachend erklärt, „donn um zwäe Schluss war“. Termine Die „Groddegiexer“ treten noch dreimal mit der M.S. Aphrodite im Festsaal des Herrenhofs auf. Ordentlich Karten (10/9 Euro) gibt es noch für Freitag, 9. Februar, 20 Uhr, nur noch wenige dagegen für Samstag, 10. Februar, um 20 Uhr und Sonntag, 11. Februar, um 16 Uhr. Vorverkaufsstelle ist die Papierschatulle in Mußbach (06321/60360).

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