Neustadt Mehr Sicherheit mit Logo und Marke

Mit einer neuen Betrugsmasche wurden zuletzt die Winzer in Rheinhessen bei den Weinfesten konfrontiert. Auf mehreren Veranstaltungen kassierten die Täter Pfand für fremde Sekt- und Weingläser, die zuvor billig eingekauft worden waren. Die RHEINPFALZ hat sich bei der Deidesheimer Weinkerwe umgesehen. Bisher konnte kein Fall von Pfandbetrug nachgewiesen werden. Dennoch ist die Handhabung beim Glaspfand sehr unterschiedlich.
Er wisse um das Thema, aber die Frage nach dem Pfand stelle sich für ihn nicht, sagt Winzermeister Alfred Kaub. Das Deidesheimer Weingut Dick-Kaub in der Weinstraße gehört ebenso wie das Weingut Julius Ferdinand Kimich zu jenen Betrieben, die auch in diesem Jahr kein Pfand für den Schoppen verlangt hatten. Die einzige Ausnahme ist beim Stielglas. „Da erheben wir ein Pfand, und wir nehmen auch nur die Gläser mit unserem Logo zurück“, ergänzt Kaub. „Ansonsten vertrauen wir unser ehrlichen Kundschaft“, ergänzt er. Die Vorfälle in Rheinhessen sind den hiesigen Betrieben inzwischen bekannt. Dennoch wollte man das Thema nicht zu hoch hängen. „Dieser Aufwand mit den Pfandmarken lohnt sich für uns nicht, denn der Verlust ist bei uns minimal. Und wir haben auch das Publikum, das fast ausschließlich seine Weine und die Schorle bei uns im Hof genießt“, sagt Franz Arnold vom Weingut Kimich. Dass es beim Pfand Probleme geben kann, räumt der Winzermeister ein. Allerdings sieht er die Problematik viel eher in dem Bereich der „Woigass“, wo man es gewohnt ist, mit dem Schoppen durch die Straße zu ziehen. In der zur „Woigass“ umfunktionierten Bahnhofstraße erheben alle Betriebe inzwischen Pfand. Dennoch ist man auch dort mit der Rücknahme von Gläsern etwas vorsichtiger geworden. So nahmen die Fußballer der TSG Deidesheim nur noch die Schoppengläser von dem Weingut, von dem sie ihre Weine beziehen. Nicht anders ist die Situation beim Weinland Meckenheim. Dort gibt es auf der Getränkekarte einen Hinweis auf die Rücknahme der Gläser mit dem eigenen Logo. Während bei vielen Weinfesten in der Pfalz die Rückgabe nach freier Wahl an einem der beteiligten Weingüter erfolgen kann, ist dies in Deidesheim inzwischen Vergangenheit. Es gibt keine einheitliche Handhabung mehr. Das Weingut von Winning, das seit Jahrzehnten kein Pfand, weder für das Stielglas noch für den Schoppen erhob, geht diesmal einen anderen Weg. Beim Kauf eines Weines oder einer Schorle erhält der Käufer ein grüne Kunststoffmarke, die er zusammen mit dem Glas abgibt und dafür sein Geld zurückerhält. „Wir haben es nicht gerne gemacht, aber wir hatten keine andere Wahl, da im vergangenen Jahr mehr als das übliche Maß an Gläsern bei uns abhanden gekommen sind“, sagt Betriebsleiter Stephan Attmann. Während die meisten Betriebe ein Pfand von zwei Euro erhoben, ging das Weingut Reichsrat von Buhl einen Schritt weiter. Beim Stielgas verlangte man fünf Euro. Da wunderte sich so mancher Weingenießer, aber die beiden Verantwortlichen Richard Grosche und Matthieu Kaufmann setzen auch auf hochwertige Gläser einer bekannten Glasmanufaktur. Fazit: Letztendlich spielt es keine Rolle, ob man zwei oder fünf Euro bezahlt. Hauptsache, das Glas geht am Ende wieder an seinen Besitzer und das Geld an den Kunden zurück. (wij)