Neustadt Mehr Licht

Die Freimaurer gehen auf die mittelalterlichen Bauhütten zurück.
Die Freimaurer gehen auf die mittelalterlichen Bauhütten zurück.

Nach etwas mehr als 200 Jahren gibt es in Landau wieder eine Freimaurer-Loge. In einem feierlichen Akt überreicht der Großmeister der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Stephan Roth-Kleyer, dem Leiter der Loge „Pfalz zur Philanthropie“, Christian Mohr, das Patent und trug die Loge unter der Nummer 1048 ins Logenverzeichnis ein. Männer in schwarzen Anzügen eilten am Samstag zur Landauer Festhalle. Dort folgten sie Schildern, die den Weg zur „Lichteinbringung“ wiesen. Licht, das bedeutet in der Symbolik der Freimaurer Erkenntnis. Die symbolische Flamme wird, ähnlich dem olympischen Feuer, weitergegeben. Erst wenn das Licht in die Landauer Loge gebracht wurde, ist sie offiziell gegründet und anerkannt. Es sind Freimaurer aus Neustadt, Ludwigshafen, Worms, Zweibrücken, Karlsruhe und weiteren Orten. Wo die Logen eigene Logenhäuser besitzen, weisen Tafeln auf die Benutzer hin, meist sind es mehrere Logen, die sich ein Gebäude teilen. In Landau gibt es kein Logenhaus. Hier werden die Freimaurer im Nebenzimmer einer Gastwirtschaft ihre Treffen abhalten und ihre Rituale pflegen. Genau so war es jahrhundertelang üblich. Mindestens sieben Freimaurer-Meister müssen es sein, wenn eine neue Loge entstehen soll, die Landauer waren schon neun. „Es gab hier einen Kreis von Brüdern aus der Südpfalz, die Mitglieder in Ludwigshafen, Worms, Mannheim und Neustadt sind und nicht immer die weiten Wege fahren wollten“, erklärt Mohr. In diesem Kreis haben die Teilnehmer das gemacht, was Freimaurer auch bei ihren Logen-Abenden machen: Einer referiert über ein Thema, dann wird diskutiert. Themen solcher Abende kommen aus Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft, und sehr oft geht es um Fragen der Ethik und Lebensführung. Nur eines konnte der Landauer Kreis nicht: die Rituale der Freimaurer halten, die sogenannten Tempelarbeiten. In den Ritualen geht es um die alten symbolischen Werkzeuge: Jeder Freimaurer ist selbst der Stein, an dem er arbeitet. Mit dem Hammer arbeitet er an seinen eigenen Ecken und Kanten, der rechte Winkel erinnert ihn an Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit, das Senkblei lehrt ihn Wahrhaftigkeit, und so gibt es viele weitere Symbole aus der Welt der Steinmetzen, mit denen Freimaurer geistig arbeiten. Die Rituale sollen die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit anschaulich und sinnlich erfahrbar machen. Also stellten die Landauer an den Dachverband den Antrag, sich als Loge gründen zu dürfen. Anzahl und Qualifikation der Gründer waren gegeben, und so reisten der Großmeister und der Großzeremonienmeister nach Landau. Höhepunkt der Zeremonie war das oben erwähnte Einbringen des Lichtes in Form einer Kerze. An der wurden die Lichter entzündet, die künftig die Tempelarbeiten der Landauer Loge erleuchten. „Ich freue mich sehr, dass wir nach 200 Jahren das freimaurerische Licht zurück nach Landau bringen konnten“, sagte Großmeister Roth-Kleyer. Mohr, der Meister vom Stuhl, bekam vom Großmeister als Zeichen seiner Amtswürde einen Hammer, dessen Klopfen die Brüder zur Tempelarbeit ruft. Es ist üblich, dass Freimaurer soziale und kulturelle Arbeit unterstützen: „Wir werden uns in Zukunft auch in das Stadtleben einbringen“, sagt Mohr, „allerdings sind wir derzeit noch in der Gründungsphase und noch dabei, unser Logenleben aufzubauen.“ Der Autor Der Autor Gereon Hoffmann (52) ist Freimaurer seit 2004 und Meister in der Loge „Pylon zur Leuchte am Rhein“ in Ludwigshafen. Hoffmann arbeitet seit 1998 als freier Journalist in der Kurpfalz.

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