Neustadt Mehr Kinder als Plätze

Feierte 2015 ihr 50-Jähriges und wird nun ausgebaut: die Eichendorffschule in Branchweiler.
Feierte 2015 ihr 50-Jähriges und wird nun ausgebaut: die Eichendorffschule in Branchweiler.

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte Mitte Juli für eine Schlagzeile gesorgt: Schüler-Boom in Deutschland erwartet. Bis 2030 soll die Anzahl der Schülerinnen und Schüler viel stärker steigen als bisher angenommen. Was Lehrer- und Raummangel nach sich ziehen kann, zuallererst an Grundschulen. Das Bildungsministerium in Mainz wiegelte zwar ab: Die Tendenzen der Studie seien nicht eins zu eins auf Rheinland-Pfalz übertragbar, und bis 2030 werde trotz allem mit 2,4 Prozent weniger Schülern gerechnet als im Jahr 2016. Neustadt aber stellt sich durchaus auf mehr Kinder ein, als bisher prognostiziert. Denn dabei nicht berücksichtigt wurden Neubaugebiete und Flüchtlinge, die eventuell hier bleiben. Gemäß der sogenannten mittleren Prognosevariante des Statistischen Landesamts für das Jahr 2035 würde sich die Anzahl der unter 20-Jährigen in Neustadt im Vergleich zu 2013 um 8,2 Prozent verringern. Das würde einen Rückgang bei den unter Dreijährigen von 1215 auf 1132 bedeuten, bei Sechs- bis Zehnjährigen von 1308 auf 1181, bei Zehn- bis 16-Jährigen von 1737 auf 1658 und bei 16- bis 20-Jährigen von 2813 auf 2583. Insoweit würden die Zahlen in etwa den Aussagen des Bildungsministeriums entsprechen. Aber: Darin nicht berücksichtigt sind Zuzüge. Bedingt beispielsweise durch neue Baugebiete wie der Jahnplatz Lachen-Speyerdorf oder Sulo- und Ibag-Gelände in der Kernstadt. Hinzu kommen könnten Flüchtlinge, die bleiben wollen und ihre Familien nachholen. Aktuell leben knapp 650 Flüchtlinge in der Stadt, die Verwaltung kalkuliert mit im Schnitt 15 weiteren Zuweisungen pro Monat. All das hat bekanntlich Auswirkungen – auf den sozialen Wohnungsbau, den öffentlichen Personennahverkehr und eben auf die Planungen von Kindertagesstätten und Schulen. Für die Kitas zuständig ist Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) als Sozialdezernent. Ihm zufolge wurden für Neustadt schon früher rückläufige Zahlen prognostiziert, die sich nicht bewahrheitet hätten. Zudem sei die sich abzeichnende Bautätigkeit nicht eingepreist, wie er bestätigt. Im Bereich der Kindertagesstätten verzeichne die Stadt schon seit Jahren eine steigende Nachfrage. Sprich: Selbst wenn die Anzahl der Kinder zurückgehen würde, müssten sowohl die Plätze als auch der Betreuungsumfang ausgebaut werden. Aktuell sollen etwa 300 Plätze fehlen, unter anderem soll die Löhe-Kita um eine Gruppe erweitert werden, auch über Neubauten wird nachgedacht. Dieser Raumbedarf werde sich fortsetzen, so Röthlingshöfer, als erstes bei den Grundschulen. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass die Schülerzahlen nur kurz- bis mittelfristig zurückgehen und dann wieder ansteigen“, sagt Schulddezernentin und Beigeordnete Waltraud Blarr (Grüne) und verweist ebenfalls auf mögliche neue Baugebiete. Geplant sei der Ausbau der Eichendorffschule in Branchweiler. Blarr: „Ob das reicht, bleibt abzuwarten.“ Noch sei beispielsweise politisch nicht geklärt, welche Erwartungen der Stadtrat an den Privatinvestor fürs Sulo-Gelände habe. Wie berichtet, geht es darum, ob die Brache ausschließlich der Wohnbebauung dient oder auch gewerblich genutzt wird. Um sich anzupassen, werde der Schulentwicklungsplan alle zwei Jahre fortgeschrieben. All das ist auch immer eine finanzielle Frage. Zumal, wie Blarr verweist, das Projekt Realschule plus anstehe – ob das Gebäude saniert oder neu gebaut wird, eine Investition von vielen Millionen. Daher begrüßt es Blarr, dass die Stadtplaner bei Sulo eine Kostenbeteiligung des Investors für Infrastruktur wie Schule oder Kita vereinbart haben. Darüber hinaus sei das Schulamt stets mit den Schulen über deren Raumbedarf im Gespräch, so die Beigeordnete. Als nicht so günstig bewertet sie, dass das Land die Messzahlen für die Ausstattung mit Klassenräumen sehr knapp berechnet. Schließlich brauche jede Schule auch Platz für ein differenziertes Unterrichtsangebot, wie es Eltern heute voraussetzten. Hassloch

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