Neustadt „Mehr Flüchtlinge in Gymnasien“
Neustadter Jugendliche interessieren sich nicht nur für eine neue Disko. Das demonstrierten am Dienstag acht Schülervertreter der drei Gymnasien im Gespräch mit Vertretern des SPD-Ortsverein Neustadt. Dieser hatte die Neustadter Schülervertretungen eingeladen, gemeinsam über Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen in der Stadt zu sprechen.
Es ärgere ihn, wenn ältere Stadträte darüber diskutierten, wie Jugendliche in den politischen Prozess eingebunden werden können, ohne die Jugendlichen selbst zu hören, sagt SPD-Ortsvorsitzender Andreas Böhringer. Dass er damit recht haben könnte, zeigte sich im Gespräch schnell. Von einem Jugend-Beirat oder Jugend-Parlament halten die Schülervertreter nichts. „Es gibt zu wenig interessante Themen für Schüler in der Politik der Stadt, um ein eigenes Gremium zu rechtfertigen. Man sollte die vorhandene Infrastruktur nutzen und die Jugendlichen themenbezogen nach ihrer Meinung fragen“, erklärt Jacob Jendro (15) vom Leibniz-Gymnasium (LG). Bestehende Infrastruktur, das sei vor allem die Stadtschülervertretung (SSV), so sind sich die Jugendlichen einig. Jede Neustadter Schule wählt Delegierte für die SSV. Aber auch die bestehende Infrastruktur brauche organisatorische Unterstützung der Stadt, stellen die Schüler fest: einen festen Ansprechpartner für ihre Vorschläge; vielleicht einen Jugend-Beauftragen im Stadtrat, der die Schülervertreter über aktuell diskutierte, jugend-relevante Themen aus dem Stadtrat informiert und bei der Planung der SSV-Sitzungen hilft. Die SSV könnte wiederum einen festen Vertreter in den Jugendhilfeausschuss entsenden und Fraktionsvertreter zu Gesprächen einladen. Konkrete Anliegen und Vorschläge haben die Schüler gleich zum SPD-Gespräch mitgebracht. Ein wichtiges Thema ist natürlich, dass es kaum Ausgehmöglichkeiten für Leute unter 18 Jahren in Neustadt gibt. Aber auch andere Themen bewegen die Jugendlichen – und sie haben sehr konkrete Meinungen und Vorschläge. Zum Beispiel zum Thema Flüchtlinge. Die Vertreter aller drei Gymnasien bedauern, dass im neuen Schuljahr keine Flüchtlinge auf ihre Schulen gekommen seien. Sie berichten von Erfahrungen mit asylsuchenden Mitschülern aus dem letzten Schuljahr und fordern einstimmig, asylsuchende Kinder auch an Gymnasien unterzubringen. „Wir können hier ein Hilfesystem aufbauen und ein gutes soziales Umfeld bieten“, sagt Moritz Schick (18) vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium (KRG). Judith Fischer (18) vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) erläutert, dass viele Schüler helfen wollen, zum Beispiel mit kostenloser Nachhilfe, Patenschaften oder wöchentlichen Treffen, „sodass Flüchtlingskinder mit Gleichaltrigen in Kontakt kommen können“. Zudem sprechen sich alle Schülervertreter gegen reine Flüchtlingsklassen aus. Für die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes wünschen sich die Schüler vor allem mehr Sicherheit durch mehr Licht und vielleicht sogar Videoüberwachung. Die autofahrenden Oberstufenschüler des KKG haben ein Problem mit dem Parkraumkonzept der Stadt. „Das kann für Schüler richtig teuer werden, weil es am Käthe keinen Schülerparkplatz gibt“, sagt Judith Fischer. Die Schülersprecher schlagen vor, die Stadt könne vergünstigte Schüler-Tickets einführen, die zusammen mit dem Schülerausweis im Auto platziert werden sollten. Eine Herausforderung sei für Oberstufenschüler auch die Finanzierung des Abiballs. „Rund 8000 Euro müssen wir in zweieinhalb Jahren auftreiben“, berichtet Hannah Glas (18, KRG). Das sei auch deshalb schwierig, weil es kaum Lokalitäten für Abi-Partys gäbe. Die Schüler wünschen sich von der Stadt, den Saalbau für die Abibälle an drei Abenden im Jahr kostenfrei oder vergünstigt nutzen zu können. „Es würde auch schon helfen, wenn wir selbst das Catering organisieren dürften“, stellt Moritz fest. Das könnten die kommenden Abiturjahrgänge übernehmen und so Geld für den eigenen Abiball einnehmen. (sba)