Neustadt Mehr Artenvielfalt auf Brachflächen
„Eh da-Flächen“ sind Areale, die „eh da“ sind, aber weder landwirtschaftlich noch naturschutzfachlich beziehungsweise ökologisch genutzt werden. Das können Straßensäume, Böschungen, Verkehrsinseln, Bahndämme, Geländestufen, Grasflächen oder innerörtliche Grünanlagen sein. Das „Eh da-Konzept“, das Umweltdezernent Dieter Schuhmacher (SPD) in der Gemeinde umsetzen will, wurde in der Sitzung des Feld-, Wald- und Umweltschutzausschusses (FWU) vorgestellt. Er sei über das Umweltforum darauf aufmerksam geworden und habe an der Veranstaltung zum ersten „Eh da“-Projekt, das in Bornheim umgesetzt wurde, teilgenommen, so Schuhmacher. Schon häufig habe man Themen wie Begrünung, Bepflanzung der Kreisel, Artenvielfalt auf Brachflächen oder auf Friedhöfen in den Gremien besprochen. Das „Eh da“-Konzept geht auf die Initiative „Innovation & Naturhaushalt“ des Forums „Moderne Landwirtschaft“ zurück. Die Initiative will die Vielfalt der heimischen Flora und Fauna in den Agrarräumen erhalten. Dazu sollen auf den genannten Flächen geeignete Lebensräume eingerichtet und vernetzt werden. Durch die gezielte ökologische Aufwertung sollen so insbesondere für Bestäuber-Insekten wie Hummeln, Honig- oder die rund 550 Wildbienenarten Lebensräume und Nahrungsquellen geschaffen werden. Im Auftrag von „Innovation & Naturhaushalt“ arbeiten unter anderem Wissenschaftler des Instituts für Agrarökologie - RLP Agro Science mit Sitz in Neustadt-Mußbach an der Umsetzung des Projekts. Seit Anfang 2012 wurden in Rheinland-Pfalz in Betracht kommende Flächen erfasst. Ein „Eh da“-Flächenpotenzial von durchschnittlich 5 Prozent an der Gesamtfläche wurde dabei ermittelt. Laut Schuhmacher wurde in Bornheim Kontakt mit den Vertretern von RLP Agro Science aufgenommen und danach der Auftrag für die Gestaltung und Umsetzung eines „Eh da“-Projekts in der Gemeinde erteilt. Mittlerweile liege der Entwurf für einen Projektplan, der die Umsetzung für Frühjahr und Sommer 2016 vorsieht, vor. Laut Matthias Trapp (Agro Science), der über das Projekt im FWU-Ausschuss referierte, stelle Haßloch die bisher größte beplante Fläche dar. Auch hier sei der Rückgang der Artenvielfalt festzustellen, unter anderem zurückzuführen auf den Flächenverbrauch und die -zerschneidung. Insbesondere Lebensraum für die Wildbienenarten sollen geschaffen werden. Mehrere Flächen seien ermittelt, aber noch keine konkreten Maßnahmen beschlossen worden. Das könnten sein: Aussaat von mehrjährigen Blühsaatmischungen, Totholz- oder Lesesteinhaufen, Insektenhotels, Pflegemaßnahmen wie Staffelmahd, Rohbodenpflege oder Gehölzfreischnitt mit Totholzerhalt. Kosten seien bisher nicht angefallen, da das Konzept für Haßloch im Rahmen des Projekts von AgroScience entwickelt werde, so Schuhmacher auf Nachfrage aus dem Ausschuss. Zunächst wolle man das Projekt vorstellen und „neugierig machen“. Ziel seien „kostenneutrale Maßnahmen“. Beispielsweise seien Kosten des Bauhofs für Pflegemaßnahmen „eh da“, und wenn zukünftig weniger häufig oder nur teilweise gemäht werde, könnten sogar Kosten gespart werden. Ob eine Förderung von Maßnahmen möglich sei, könne man derzeit noch nicht sagen. Falls Kosten durch die Umsetzung von Maßnahmen entstehen, soll dies in den zuständigen Gremien diskutiert werden. Franz-Josef Jochem (Grüne) verwies auf die Notwendigkeit der Vernetzung von Biotopen, beispielsweise über Ackerrandstreifen. Barbara Schuster (Grüne) kritisierte, dass einerseits „Eh da“-Flächen entstehen sollen, andererseits auf den Friedhöfen Wildkräuter immer noch mit Herbiziden bekämpft würden – bisher mit dem umstrittenen Glyphosat und nach dessen Verbot im kommenden Jahr mit dem Pflanzenvernichtungsmittel Nozomi. Die in der jüngsten FWU-Sitzung angeregte Bildung einer AG Friedhöfe sei noch nicht umgesetzt. Schuhmacher betonte, dass der Friedhof ein „Eh da“-Projekt sein soll. Derzeit prüfe man die Anschaffung einer Maschine, die 90 Prozent der Fläche (hauptsächlich Wege) bearbeite und den Einsatz von Herbiziden vermeide. Darüber hinaus strebe man die „sanfte Umgestaltung“ an, um Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Fünf bis sechs Teilprojekte sollen 2016 realisiert werden, bei denen beispielsweise auch die Streuobstwiesen des BUND einbezogen werden sollen. Mit einer Auftaktveranstaltung soll am 10. Dezember über das „Eh da“-Konzept informiert werden. Auch das Umweltforum, Vereine und die Bürger sollen einbezogen und zum Mitmachen bewegt werden. (uhk) Noch Fragen? www.eh-da-flaechen.de