Neustadt Max hat Bock aufs Feiern
Die Brunnen im alten Tuchmacherstädtchen Lambrecht sind gerade an heißen Tagen willkommene Wasserspender, um Hände und Schläfen zu kühlen. Dass zehn der vielen Brünnlein in der Stadt sprudeln, dafür sorgt der Verkehrsverein Lambrecht zusammen mit dem städtischen Bauhof. Um die Pflege, Instandhaltung und Reparaturen mitzufinanzieren, initiiert der Verein alljährlich Brunnenfeste. Das 40. Brunnenfest findet am Samstag und Sonntag statt. Im Mittelpunkt steht dabei der Geißbockbrunnen auf dem Herzog-Otto-Platz.
Der Geißbockbrunnen symbolisiert das traditionelle Tributbockbrauchtum zwischen den Partnerstädten Lambrecht und Deidesheim. Mitten im Brunnen steht ein steinerner Geißbock unter der Silhouette eines Geißbockführerpaars. Das Ensemble geschaffen hat der Bildhauer Theo Rörig aus Hettenleidelheim im Jahr 2000. Für die Tierplastik stand dem Künstler der Tributbock Max Modell, der, gut im Saft, die Anforderungen an einen Tributbock „gut gebeutelt und gut gehörnt“ erfüllte. Schließlich musste die Figur authentisch sein. Wie hinreichend bekannt, gab es bei diversen Geißbocklieferungen bis in die jüngste Zeit immer mal wieder „Dischbedieres“ um die Beschaffenheit des Bocks als Tribut für von den Lambrechtern genutzte Weiderechte auf Deidesheimer Gemarkung. Ob das Deidesheimer Stadtgericht Max als Tributbock heute noch annehmen würde, darüber kann man nur spekulieren. An der Bronzefigur ist zwar noch alles faltenlos, aber mit grauem Bart und Silbersträhnen im Fell ist Max doch stark gealtert. Schuld daran sind nach Meinung von Experten Umwelteinflüsse. Sicher könnte der so ergraute Geißbock manchen Autoren zu einer neuen Geißbock-Geschichte inspirieren. Denn Stoffe rund um das Brauchtum für die alljährlichen Aufführungen an Pfingsten sind doch einigermaßen rar. Dass auch die Lambrechter einen Geißbockbrunnen bekommen haben, wie ihn die Deidesheimer längst haben, geht auf eine Initiative der damaligen Stadtbürgermeisterin Erna Merkel zurück. Sie sammelte seinerzeit 30.000 Mark an Spenden, die für den Bau des 135.000 Mark teuren Brunnens verwendet wurden. Mit erst 16 Jahren ist der Geißbockbrunnen der jüngste unter den historischen, meist schlichten Brunnenanlagen in Lambrecht. Sie waren einst die einzige Wasserquelle für die Haushalte in der Stadt, bis die Versorgung mit dem Bau von Wasserleitungen in den damals zwei Gemeinden St. Lambrecht und Grevenhausen im frühen 19. Jahrhundert begann. Termin Eröffnet wird das Brunnenfest in Lambrecht am Samstag, 3. September, 18.30 Uhr, mit einem Umtrunk am Geißbockbrunnen auf dem Herzog-Otto-Platz. Am Sonntag, 4. September, geht es ab 11 Uhr am Haus des Verkehrsvereins mit Grumbeersupp und Dambnudle, Bratwurst und Geißbockburgern weiter, ab 13.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. |awk