Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Markus Sell: Einer, der gern anpackt

Der Fußweg zwischen Markt- und Hauptstraße soll saniert werden.
Der Fußweg zwischen Markt- und Hauptstraße soll saniert werden.

Die neuen Bürgermeister: Markus Sell bezeichnet sich selbst als einen, der gerne anpackt und nach pragmatischen Lösungen sucht. Dass die SPD im Rat nur zweitstärkste Fraktion ist, bereitet ihm keine Sorgen. Einen Vorschlag für die Wahl der Beigeordneten hat er schon.

Ein „Roter“ erobert Maikammer: Der Sieg des SPD-Kandidaten Markus Sell in der „rabenschwarzen“ Südpfalz-Gemeinde hat bei der Kommunalwahl im Juni für Aufsehen gesorgt. Die Frage, ob er damit gerechnet habe, hat Sell seither schon oft gehört. Er hat deshalb eine Antwort parat, als er sie beim Ortsrundgang mit der RHEINPFALZ noch einmal beantworten muss: „Ich hab’ damit gerechnet, dass es ein knappes Ergebnis wird, aber nicht unbedingt damit, dass ich gewinne“, sagt er. Knapp war das Ergebnis dann tatsächlich, doch Sell lag mit 51,5 Prozent der Stimmen vor Volker Stephan, dem Kandidaten der CDU. Am 5. September wird der 56-Jährige, der seit 20 Jahren im Gemeinderat sitzt, nun zum ersten Mal die Sitzung leiten. Punkt drei der Tagesordnung: Wahl der Beigeordneten. Wer wird’s?

Die Sache ist die, dass die SPD im Gemeinderat mit fünf von 20 Sitzen für eine Mehrheit entweder die CDU (acht Sitze) als Partner braucht oder FWG (vier) und Grüne (zwei). Doch Sell bereitet das keine schlaflosen Nächte. Parteipolitik, so betont er, habe auf kommunaler Ebene keinen Platz. Das sei auch unter Karl Schäfer (CDU) als Bürgermeister so gewesen und habe dazu geführt, dass die meisten Beschlüsse einstimmig gefasst wurden. Er strebe auch keine feste Koalition an.

Beigeordneten-Posten sind vergeben

Dennoch: Für die Wahl der Beigeordneten sind Mehrheiten nötig. Gespräche seien mit allen Gruppen und Parteien geführt worden, und inzwischen könne er auch Namen nennen, berichtet Sell. Marion Buchenberger, SPD, soll Erste Beigeordnete werden, Johannes Kupper, FWG, Zweiter Beigeordneter. Kupper gehört dem neuen Rat nicht an, er ist Nachrücker auf der Liste der FWG. Sell erklärt, warum die Wahl auf ihn fiel: „Ich wollte wieder einen Ansprechpartner für die Winzer haben, und ich wollte eine Verjüngung auf dem Posten“, erklärt Sell. Dass ein Beigeordneter dem Rat nicht angehört, sei zwar eher unüblich, aber kein Problem.

Der Marktplatz müsse mehr „bespielt“ werden, findet der neue Bürgermeister.
Der Marktplatz müsse mehr »bespielt« werden, findet der neue Bürgermeister.

Der Ortsrundgang startet an diesem sonnigen Tag am Eiscafé Bellini, wo es sich gemütlich im Schatten plaudern lässt. Direkt davor liegt die Kita, deren Erweiterung derzeit das größte Projekt in der Gemeinde ist. „Das läuft aber schon“, sagt Sell. Die Erweiterung ist notwendig, weil das neue Kita-Gesetz eine durchgängige Betreuung von sieben Stunden vorsieht und deshalb eine bedarfsgerechte Mittagsverpflegung angeboten werden muss. Auch andere Projekte, die demnächst anstehen, sind bereits in die Wege geleitet. Etwa die Umgestaltung des Bolzplatzes und die Sanierung des DFB-Minispielfeldes auf dem Sportplatz.

Reibungsloser Übergang erwartet

„In den Themen bin ich drin“, verdeutlicht Sell, der seit 20 Jahren Mitglied im Gemeinderat ist. Er habe auch schon Gespräche mit Schäfer geführt, um sich überall auf den neuesten Stand bringen zu lassen. „Ich gehe davon aus, dass wir einen reibungslosen Übergang hinbekommen.“ Schließlich komme er mit allen Ratsmitgliedern gut aus.

Aber natürlich werde manches anders werden. „Ich bin Techniker und kenne viele Themen aus der Praxis“, sagt Sell, der Elektrotechnik studiert hat und bei der IT-Tochter der Bilfinger SE arbeitet. Im Ehrenamt ist er Beisitzer im Förderverein der Feuerwehr und seit vielen Jahren beim Förderverein Zeltlager Pfalz engagiert. Auch in diesem Jahr ist die Veranstaltung ein fester Termin in seinem Terminkalender. „Ich fahr’ als Einkäufer mit“, berichtet er. Sell nimmt dafür unbezahlten Urlaub, das Zeltlager ist eine Herzensangelegenheit für ihn. Träger ist der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), doch das ist für Sell nicht entscheidend. Das Zeltlager ist wichtiges Angebot, und es macht Sell einfach Spaß mitzuarbeiten. „Ich bin einer, der anpackt“, sagt er. Das Zeltlager ist sein wichtigstes Engagement, über die Feuerwehr ist er aber auch beim Maifest und bei der Kerwe als Helfer mit dabei. „Dadurch bin ich auch nahe an den Menschen dran“, erklärt er.

Den Weg in die Kommunalpolitik hat Sell über seine Mutter gefunden, die lange Mitglied im Rat war. Irgendwann sei er angesprochen worden, ob er sich nicht auch vorstellen könnte, sich zu engagieren. Er war Mitte 30 damals, „eine Superzeit um einzusteigen“, wie er findet. Zum Glück gebe es jetzt auch wieder ein paar jüngere Leute im Rat.

Anreize schaffen für Gewerbetreibende

Dass Lokalpolitik in Maikammer aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde ein vergleichsweise angenehmer Job ist, ist Sell bewusst. „Die Infrastruktur ist super“, sagt er auf dem Weg vom Eiscafé in die Marktstraße. Was jetzt noch anstehe, sei der dritte Abschnitt des Ausbaus der Fußwege, von der Marktstraße an der Kirche vorbei zur Weinstraße. Endpunkt ist am kleinen Parkplatz vor dem Geschenkehaus Ullrich.

Dass Maikammer noch etliche Läden habe, sei nicht selbstverständlich, sagt Sell. Wie überall steige aber auch hier die Anzahl der Leerstände. „Wir müssen uns überlegen, wie wir Anreize schaffen können für Gewerbetreibende.“ Sell räumt aber auch ein, dass er selbst noch nicht genau wisse, wie. Auf jeden Fall wolle er mit dem Handel im Gespräch bleiben.

Im Innenhof der Vinothek würde Markus Sell gerne einen kleinen Weihnachtsmarkt organisieren.
Im Innenhof der Vinothek würde Markus Sell gerne einen kleinen Weihnachtsmarkt organisieren.

Nach ein paar Metern ist der Marktplatz erreicht. Ganz glücklich ist Sell mit der neuen Gestaltung nicht. Das Blumengeschäft Kiefer schmücke die großen Pflanzenkübel sehr schön, dennoch wäre, im Nachhinein betrachtet, eine Öffnung des Pflasters zur Begrünung vielleicht nicht schlecht gewesen, überlegt er.

Der Vorteil der Kübel: „Man kann sie auf die Seite schieben, wenn man den Platz braucht.“ Doch der Platz müsse mehr „bespielt“ werden. Was dem SPDler auch nicht wirklich gefällt, ist die Parksituation am Marktplatz. „Der Rat war einstimmig dafür, nur noch wenige Plätze für Kurzzeitparker auf dem Platz zu lassen“, betont er. Doch die Folge sei, dass, besonders am Abend, „wild“ geparkt werde. Er werde darüber mit dem Ordnungsamt reden, kündigt Sell an.

Kleiner Weihnachtsmarkt soll etabliert werden

Und er hat noch weitere Ideen, um Maikammer weiter voranzubringen. Zum Beispiel will Sell versuchen, einen kleinen Weihnachtsmarkt zu etablieren. Vielleicht zunächst nur im Hof der Vinothek. „Mal sehen, wer bereit ist mitzumachen.“ Darüber hinaus will er einen Kinder- und Jugendrat gründen. Im Wahlkampf waren er und CDU-Kandidat Volker Stephan im Jugendtreff eingeladen, und Sell hat aus dem Besuch mitgenommen, dass die Jugendlichen „genaue Vorstellungen haben“, was sie gerne hätten. Deshalb sei es wichtig, ihnen ein Forum zu geben.

Zurück am Eiscafé schaut Sell auf die Uhr. Er hat noch einen weiteren Termin und außerdem fährt er am Abend zum Zeltlager. Ganz schön voll, der Terminkalender. Gestresst wirkt Sell deshalb aber nicht.

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