Neustadt „Man sollte das Ganze sehen“

Die Zukunft im Blick: Alois Lageder.
Die Zukunft im Blick: Alois Lageder.

Über Nachhaltigkeit und die Zukunft des Weinbaus angesichts des Klimawandels und sich ständig ändernder Märkte spricht der Südtiroler Winzer Alois Lageder im Vorfeld der siebten Auflage der Weinfachmesse „Veritable“ in St. Martin am Sonntag, 2. Juli, um 14.30 Uhr im Neustadter Saalbau.

Lageder produziert im Familienweingut in Margreid in der sechsten Generation auf mittlerweile 50 Hektar Rebfläche seit Anfang der 1980er-Jahre nach biodynamischen Maßstäben Weine mit internationalem Renommee. Viognier und Lagrein kultiviert Lageder ebenso wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Müller-Thurgau, Vernatsch oder Sauvignon Blanc. Auch beim Neubau seines Kellertrakts hat Lageder auf Nachhaltigkeit gesetzt. So verbaute er unter anderem eine Photovoltaikanlage, legte Wert auf möglichst geringe CO2-Emissionen und installierte einen Kelterturm, der die mechanische Belastung der einzelnen Beeren minimiert. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich auch mit möglichen Klimaveränderungen und experimentierte unter anderem gemeinsam mit dem Agrarphilosophen Rainer Zierock mit dem versuchsweisen Anbau von Reben aus heißen Regionen in Europa. Bereits damals organisierte Lageder auch den Vertrieb seiner Weine in Europa neu, allein in Deutschland sind seine Produkte bei über 90 Partnerbetrieben erhältlich. Mittlerweile gehen zwei Drittel seiner Produktion in den Export. Das Marketing hat ihm beschert, dass Lageder-Weine zumindest beim weinaffinen Publikum sprichwörtlich in aller Munde sind. „Es zahlt sich aus, in die Zukunft zu investieren“, ist er überzeugt: „Man sollte das Ganze sehen, nicht nur Details.“ Im Weinbau dauere es eine Generation, bis man wisse, ob eine einmal getroffene Entscheidung gut war. Er sehe, dass seine Weichenstellungen aus den 1980er-Jahren nun Früchte tragen. Unkonventionelle Wege ging Lageder auch im Hinblick auf die Präsenz beim Fachpublikum: Bereits vor 20 Jahren verzichtete er auf die Teilnahme an der „Vinitaly“, einer mit der deutschen „ProWein“ vergleichbaren Weinmesse, weil ihm der Ansturm zu groß geworden war. Stattdessen lud er Sommeliers, Fachhändler und Gastronomen in sein Weingut ein und etablierte seine eigene Messe, die „Summa“, auf der auch der Kontakt zu Uwe Warnecke zustande kam. Im vergangenen Jahr war Alois Lageders Sohn Clemens Alois dann zu Gast auf der von Warnecke, früherer Sommelier im Schwarzen Hahn des Deidesheimer Hofs, und Philipp Kiefer, Mitbetreiber des gastgebenden Weinguts „Aloisiushof“ in St. Martin, organisierten Fachmesse, die ebenso auf den direkten Kontakt von Produzenten und Wiederverkäufern setzt. „Deutschland ist ein prestigeträchtiger Markt für Südtiroler Produzenten“, sagt Lageder. Deutscher Wein spiele in Südtirol jedoch eine eher untergeordnete Rolle, doch wachse das Interesse an deutschen Produkten in Insiderkreisen seit einigen Jahren kontinuierlich. Termin Vortrag von Alois Lageder am Sonntag, 2. Juli, 14.30 Uhr, im Saalbau. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich unter info@pfalz.de.

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