Neustadt Maler und Tourismus-Pionier
Er ist noch heute ein Großer in seinem Heimatort: In diesem Jahr erinnert St. Martin an den Kunst- und Theatermaler Richard Platz (1886 bis 1932). Er hat sich stark dafür engagiert, dass St. Martin als Fremdenverkehrsort bekannt worden ist.
Der St. Martiner zählt zu den bekannten Talenten aus dem Dorf der Künstler und Musikanten. Den Absolventen der Kunstakademie Karlsruhe zog es nach Lehr- und Wanderjahren zurück in den Heimatort, wo er ein Atelier für Theatermalerei begründete. Den Beruf des Grafikdesigners gab es zu seiner Zeit so noch nicht. Doch wirkte er auch in dem Sinne. Richard Platz malte Theaterkulissen und Porträts, Alltagsszenen und Landschaften. Er entwarf und illustrierte ebenso Werbeprospekte, Plakate, Weinkarten und Vereinsfahnen. Seine Talente kamen auch St. Martin und hier den Vereinen zugute. Im Pfälzerwald-Verein wie im Verkehrs- und Verschönerungsverein wirkte Platz als ein Motor. Schließlich entwickelte er zusammen mit Franz Christmann, seinem Jugendfreund, eine Strategie für den Fremdenverkehr. Richard Platz, mit seiner intelligenten Werbung, machte den „Wein und Kirschenkurort St. Martin“ zum Vorreiter im Pfalztourismus. Seine Kontakte weithin nützten dabei. St.-Martin-Plakate hingen bald in deutschen Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen. Faltblätter fanden sogar den Weg nach Übersee. Im Jahr 1927 erschien ein von ihm gestalteter Ortsprospekt für St. Martin. Die Wiederauflage ist ein nostalgisches Replik wie aus dem Bilderbuch. Dem örtlichen Gästeführer folgte ein Werbeblatt für „Das Pfälzer Rebendreieck“. Darunter firmierten damals Edenkoben, St. Martin und Maikammer. Übrigens war es auch Richard Platz, der ein Panorama der pfälzischen Weinlandes schuf, das unter anderem beeindruckend den Wartesaal im alten Neustadter Bahnhof zierte. Bemerkenswert: Sein vorzeitiger Entwurf war identisch mit dem späteren Verlauf der Deutschen Weinstraße. Weshalb man den früh vollendeten St. Martiner auch als den Ideengeber der Weinstraße betrachtet. Seine dankbaren St. Martiner setzten ihm ein Denkmal nahe der Kropsburg. Das erste Mai-Wochenende steht in St. Martin unter dem Motto „St. Martin, das sind wir – wie wir wurden, was wir sind“. Erinnert wird an das Dorf der Künstler und Musikanten wie an die Anfänge des Tourismus’. Dabei natürlich auch an Richard Platz. Der St. Martiner Kunsthistoriker und Heimatforscher Franz Josef Ziegler widmet seine nächste Ausstellung im Heimatmuseum St. Martin insbesondere Richard Platz. Ziegler, der das Lebenswerk seiner Mutter, St. Martins Ortschronistin und Ehrenbürgerin Cäcilie Ziegler, heute weiterführt, gründete noch mit ihr zusammen aus privaten Mitteln das örtliche Heimatmuseum in der Bergstraße. Das virtuelle Heimatmuseum St. Martin ist Ebenso sein Werk. Zudem hat er schon mehrere Ausstellungen konzipiert und durchgeführt. Wobei Franz Josef Ziegler sich hier auf einen Förderverein Heimatmuseum, unter Vorsitz von Hobby-Historiker Markus Hener, stützen kann. Die Ausstellungen dauern immer an von der „Mademer Kerwe“ (erstes Augustwochenende) bis zum örtlichen Feiertag Martini, 11. November. Zur Gedächtnisausstellung für den Kunstmaler Richard Platz erbittet der Förderverein Heimatmuseum St. Martin jetzt auch die Unterstützung der Bevölkerung. Fotos, Plakate, Flyer, Zeichnungen und anderes aus Privatbesitz werden digitalisiert, und die Besitzer erhalten ihre Originale zurück. Wer mit Leihgaben oder Exponaten zur geplanten Ausstellung beitragen kann und möchte, wird gebeten, sich zu melden (über das Internet www.sankt-martin-pfalz.de) oder bei Markus Hener (Telefon 06321/952035) oder Franz Josef Ziegler (Telefon 06323/2854). (jzs) Im Netz Eine große Bildergalerie zu Richard Platz ist im Internet zu sehen unter der Adresse des Heimatmuseums St. Martin, sankt-martin-pfalz.de/richardplatz/