Neustadt Mal Bäcker, mal Gärtner, mal Redner

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Um Vorurteile gegenüber dem Waldorfschulkonzept und Erfahrungen ehemaliger Schüler ging es bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Waldorfschule Neustadt, Freie Goetheschule, am Freitag in der Aula der Berufsbildenden Schule (BBS).

„Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen“, so hat es Rudolf Steiner, Anthroposoph und Gründer des Waldorfschulkonzepts einmal formuliert, und genau das ist auch heute noch das pädagogische Prinzip der Waldorfschulen. „Viele Eltern machen sich Sorgen, Schüler der Waldorfschulen könnten schlechtere Berufschancen haben als Absolventen einer Regelschule“, sagt Tamara Eichhorn, eine ehemalige Schülerin. Sie selbst habe diese Erfahrung nicht gemacht. Als eine der Besten an der BBS bekam sie ein Stipendium, studiert jetzt Lehramt und möchte bald selbst Waldorf-Lehrerin werden. Ob er als Waldorfschüler Nachteile bei der Berufswahl haben könnte, damit hat sich Aurel Trujillo nie befasst. Er wollte schon immer zur Polizei gehen, erzählt der sichtlich durchtrainierte junge Mann, ist dort auch problemlos angenommen worden und wird nun zum Personenschützer ausgebildet. „Die Eurythmie und die musischen Fächer haben mir viel gebracht“, berichtet er, „ich habe nie das Gefühl gehabt, damit meine Zeit zu verschwenden.“ Nils Schinko grinst, als er sagt, er habe viele Dinge als „etwas schräg“ empfunden. Auch heute noch sehe er nicht den Sinn hinter allem. Er sei in einer Problemklasse gewesen und habe nicht viel Lust zum Lernen gehabt und leider habe man ihn auch nicht genug zum Lernen gezwungen. „Es ist wichtig, auch die Basis (damit meint er die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen) nicht aus den Augen zu lassen“, gab er zu bedenken. Irgendwie scheint er aber doch ganz anständig gelernt zu haben, denn, so berichtet er: „Eigentlich wollte ich ja nicht so angeben, aber uns Waldorfschülern wird ja nachgesagt, wir hätten Lernprobleme, und deshalb erzähle ich jetzt doch, dass ich meine Ausbildung zum Physiotherapeuten als Jahrgangsbester abgeschlossen habe.“ Das Vorurteil, die Waldorfschule sei eine Förderschule, hatte auch Lehrer Matthias Heck, der schon seit gut zwanzig Jahren an der Waldorfschule unterrichtet, in seiner Festrede angesprochen. „Natürlich nehmen wir auch Kinder auf, die Schwierigkeiten haben und versuchen sie, soweit es geht, mitzunehmen. Aber für Kinder, die den hier gebotenen Lernstoff nicht bewältigen, haben wir spezielle Förderschulen. Dass alle Waldorfschulen Förderschulen sind, ist einfach Unsinn“, erklärte er. Was den ehemaligen Schülerinnen und Schülern besonders gefallen hat und in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit. Das Miteinander, auch das gute Verhältnis zu den Lehrerinnen und Lehrern sei deutlich angenehmer gewesen als an den Regelschulen, die alle Waldorfschüler im Anschluss an die achte Klasse besuchen mussten. Auch die junge Lehrerin Hannah Martin und ihre beiden Kollegen, die sich den gut 150 Gästen vorstellten, sind von der Vielseitigkeit des pädagogischen Konzepts und vom guten Miteinander von Lehrern, Kindern und Eltern begeistert. „Ich bin mal Bäcker, mal Gärtner, mal Redner, aber vor allem pädagogische Begleitung, und ich freue mich jeden Tag auf die Begegnungen mit Kindern und Eltern“, erzählt Martin begeistert. Am Samstag hatten dann auch die Kinder bei der Ostermonatsfeier zum 25-jährigen Jubiläum ihren großen Auftritt und durften den Besuchern die Ergebnisse ihrer kreativen Arbeit vorführen. (plk)

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