Neustadt
Maikammer: Historie erlebbar machen
Historie, Kultur und Anekdoten erhalten – das ist das Ziel einer Projektgruppe in Maikammer, die derzeit daran arbeitet, entsprechende Informationen zu sammeln und digital aufzubereiten.
In Maikammer hat sich eine Projektgruppe gebildet, um Historie, Kultur, aber auch unterhaltsam überlieferte Geschichten rund um Maikammer für unterschiedliche Interessengruppen digital aufzubereiten. Kulturwissenschaftler Michael Klemm, Jörn Schultheiß, Florian Weber und studentische Arbeitsgruppen, derzeit alle von der Universität Koblenz-Landau, kooperieren bei diesem Forschungsprojekt mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Daten sollen in seinem Internet-Informationssystem KuLaDig (Kultur.Landschaft.Digital) „barrierefrei“ abrufbar werden. In die Barrierefreiheit des Ortes soll ebenfalls investiert werden.
Der „Industrie-Rundgang“ führt durch Straßen und Gassen Maikammers, vorbei an historisch bedeutsamen Gebäuden und Arealen, zu denen Markus Hener vom „Club Sellemols“ detailliertes Wissen präsentiert. Der Club – entstanden anlässlich des Ortsjubiläums „750 Jahre Maikammer“ – ist eine Vereinigung historisch interessierter Bürger, die die Geschichte Maikammer-Alsterweilers lebendig erhalten wollen und nun mit weiteren Interessenten aus beispielsweise der Kommunalpolitik in der Maikammerer Projektgruppe einen vorläufigen Rundgang ausgearbeitet haben. „Hier also war das Geburtshaus der Gebrüder Ullrich, der Klappmetererfinder“, begeistert sich Hener und schildert die Entwicklung der Industriellenfamilie und ihrer Firmen.
Drei barrierefreie Projekte sind derzeit in Maikammer in Arbeit
Parallel dazu sollen Rundgänge zur Weinbaugeschichte, wie auch zu Kirchen und Bildstöcken Maikammers entstehen. „Überall gibt es kulturelles Erbe, es muss oft nur sichtbar gemacht werden“, ist Klemm überzeugt. Das Geschichtsbewusstsein der Bürger wolle KuLaDig stärken. Was man für einen Rundgang auswähle, hänge auch von der Zielgruppe ab. Einige Maikammerer Objekte sind bereits barrierefrei jederzeit abrufbar im Spezialsystem erfasst. Weiteres Bildmaterial soll hinterlegt, genau verortet und mit Informationen, auch zu aktuellen Themen, vernetzt werden, so dass Heimat dann in Texten, Fotos, Videos oder Hörspielepisoden auf jedem Smartphone, Tablet oder Computer mit und ohne Rundgängen vor Ort erlebbar wird.
„Das Forschungs-, Modell- und Förderprojekt KuLaDig mit Maikammer als einer der Modellkommunen kommt für uns zum idealen Zeitpunkt“, freut sich Bürgermeister Karl Schäfer. Denn im Ort seien derzeit drei weitere Projekte in Planung. „Wir wollen Marktplatz und Marktstraße barrierefrei umgestalten, eine digitale, barrierefreie Touristinfo in der Marktstraße 5 errichten und ein barrierefreies Fußgängerleitsystem mit integriertem Parkleitsystem anbieten“, fasst die Leiterin des Büros für Tourismus, Maria Bergold, zusammen. Die Förderanträge seien bereits gestellt, erklärt Schäfer. Nun stehe zuerst einmal die digitale Vernetzung der Touristinfo mit den touristisch bedeutsamen historischen Themen und Geschichten im Vordergrund, meint Matthias Dreyer von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, der in die Projektleitung für das vom Innenministerium geförderte KuLaDig Rheinland-Pfalz eingebunden, aber auch Mitglied des Club Sellemols ist. In der Marktstraße 5 hätten sich neue, historisch interessante, Erkenntnisse ergeben, denn das reich verzierte Haus sei einmal eine Gaststätte „Zum grünen Efeu“ gewesen. Solche neuen Informationen könne man zeitnah veröffentlichen, Archivar Andreas Imhoff der Projektgruppe des Ortes sei eine wertvolle Hilfe, analoges Material in digitales zu übertragen.
Ziel ist ein europaweites Informationssystem
Bereits vor dem Industrie-Rundgang, der sich letztlich in das geplante barrierefreie Fußgängerleitsystem integrieren soll, wurde im Rathaus intensiv über das Gesamtpaket KuLaDig diskutiert, da auf die teilnehmenden Kommunen viel ehrenamtliche Arbeit wartet. Nicht nur die in Vorarbeit entstandenen Rundgänge müssen auf ihre Tauglichkeit überprüft werden, auch auf die Art der Präsentation der historischen Informationen muss sich die Projektgruppe einigen. Denn Klemm und seine Mitarbeiter sähen ihre beratende Funktion vor allem in der „Hilfe zur Selbsthilfe“ beim Zusammenführen der Infos und in der technischen Umsetzung, meint Uni-Projektmitarbeiter Florian Weber. Unter www.kuladig.de sei auch ein Erhebungsbogen für Kulturlandschaftsobjekte für diejenigen hinterlegt, die sich mit fundiertem Wissen jenseits von Projektgruppen beteiligen wollten. Die LVR-Redaktion KuLaDig in Bonn, in der er mitgearbeitet habe, erfasse die Daten dann mit Namensnennung. „Die Redakteure überprüfen die Inhalte, es können auch Links gesetzt werden“, schildert Weber. Der Datenbestand soll sich so ständig erweitern, Netzwerke sollen gebildet und letztlich ein europaweites Informationssystem mit Suchfunktion entstehen, das Behörden, der Politik, Schul- und Bildungseinrichtungen ebenso wertvolle Dienste leisten könne, wie dem Urlauber vor Ort. „In diesem Jahr betreuen wir zehn Modellkommunen, die dann ihre Erfahrungen an spätere Teilnehmer weitergeben sollen“, wünscht sich Klemm. Für das nächste Jahr plane man eine Ausschreibung für weitere interessierte, pfälzische Gemeinden.
Zur Sache: Die Technik
Das Fachinformationssystem KuLaDig wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz betrieben. Damit der wachsende Datenbestand mit seinen unterschiedlichen Formaten vom einfachen Text bis zum geführten Rundgang in KuLaDig sicher abgespeichert und stetig erweitert werden kann, arbeiten zahlreiche Projektpartner mit. Allgemeingültige Standards werden länderübergreifend eingeführt. Es verzahnen sich unterschiedliche Techniken. Entwickelt und betrieben wird KuLaDig von Landschaftsverband Rheinland – InfoKom, einem IT-Dienstleister. Microsoft Technologien ermöglichen eine leicht bedienbare Anwendung. Damit die Darstellungen auf unterschiedlichen Geräten funktionieren, wird Twitter Bootstrap eingesetzt. Kartendienste und Kartendarstellungen basieren auf ESRI-Technologie. Durch Webdienste werden Bilddatenbanken möglich, und ein Thesaurus wird für geordnete Erfassung und Anfragen genutzt. Quelle: www.infokom.lvr.de