Neustadt
Mahnwache der Pflegekräfte: „Rote Karte“ für die Politik
Rund 35 Kranken- und Altenpflegekräfte haben am Mittwoch auf dem Marktplatz gegen die Arbeitsbedingungen in der Pflege demonstriert. Zum Internationalen Tag der Pflegenden zeigten sie der Gesundheitspolitik symbolisch die „Rote Karte“.
„Die Corona-Krise hat die Probleme, die wir davor schon hatten, noch verschärft“, sagte Mirjam Alberti vom Stadtverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Der DGB hatte gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu der Mahnwache aufgerufen.
Applaus allein hilft nicht
Zu Beginn der Pandemie vor einem Jahr habe man noch für die Pflegekräfte geklatscht – aber „was ist vom Klatschen übrig geblieben? Leider nichts“, sagte Verdi-Bezirkssekretärin Agathe Hohmann. Ein Ziel müsse sein, die Flucht aus dem Beruf zu stoppen. „Jede zweite Pflegekraft überlegt, den Beruf zu wechseln“, sagte Hohmann. Und diejenigen, die während der Pandemie neu in den Pflegeberuf gekommen sind, hätten ein Recht auf gute Arbeitsbedingungen.
Schon 2016 habe man darauf hingewiesen, dass deutschlandweit Pflegekräfte fehlen, „aber Gesundheitsminister Jens Spahn spielt auf Zeit“, sagte Hohmann. Deshalb benötige man verbindliche und bedarfsorientierte Personalvorgaben.
Bessere Tarifverträge
Hohmann forderte ebenfalls bessere Tarifverträge mit Gehältern, von denen die Beschäftigten leben können: „Viele Kolleginnen, die in Teilzeit arbeiten, müssen ihre Löhne mit Sozialleistungen aufstocken.“ In der Altenpflege hätten erst kürzlich die kirchlichen Träger Diakonie und Caritas einem Tarifvertrag widersprochen.
Die Krankenpflegerinnen Yvonne Steil und Johanna Bender, die von der Unfallklinik Ludwigshafen zur Mahnwache gekommen waren, konnten dem, was ihre Vorrednerinnen zu den Arbeitsbedingungen sagten, nur zustimmen: „Man kommt kaum zur Pause, und vieles, was an Pflege und Gesprächen notwendig ist, kann ich nicht leisten“, sagt Steil. Und Bender ergänzt: „Der Leidtragende ist am Ende der Patient.“