Hassloch
„Machtkämpfe und Unwahrheiten“: Pfälzer CDU-Beigeordneter tritt unfreiwillig zurück
Für viele in Haßloch kam die Nachricht unerwartet. Noch wenige Tage zuvor saß der CDU-Beigeordnete Marcel Wirdemann Seite an Seite mit Parteikollegen und Bürgermeister Tobias Meyer (CDU) in der Sitzung des Haßlocher Gemeinderats. Am Samstag dann machte Wirdemann seinen Rücktritt öffentlich.
Es sei kein freiwilliger Schritt, heißt es in der Stellungnahme, mit der er seinen Abschied aus dem Amt erklärt. Sein Rückzug sei vielmehr die Konsequenz eines zuvor geführten Vier-Augen-Gesprächs mit Tobias Meyer. In diesem Gespräch habe ihm der Bürgermeister mitgeteilt, „dass er sich eine weitere Zusammenarbeit mit mir als Beigeordneter im Team nicht mehr vorstellen kann“.
Konflikte hinter den Kulissen
In der Folge habe er den Rathauschef am Freitag schriftlich darum gebeten, ihn von seinen Aufgaben als Beigeordneter der Gemeinde Haßloch zu entpflichten. „Ich lege das Amt nicht freiwillig nieder“, betont Wirdemann. Als zentrale Ursache nennt der gebürtige Ostfriese „die Auswirkungen und Methoden parteiinterner Interessenkonflikte und Machtkämpfe“. Diese würden überwiegend hinter den Kulissen ausgetragen und seien teilweise von unwahren Behauptungen geprägt.
Die Konsequenzen dieser Auseinandersetzungen beträfen inzwischen nicht mehr nur ihn selbst, sondern auch das Leben seiner Ehefrau, schreibt Wirdemann. So hätten mehrere Haushalte anonyme Postwurfsendungen erhalten. Zudem seien „diverse vermeintlich vertrauliche Gespräche“ über ihn durch einzelne Personen weitergetragen worden. Auf dieser Grundlage hätten sich Stimmungsbilder verfestigt, die er nicht mehr habe einfangen können. „Selten entsprachen die Gesprächsinhalte den Tatsachen“, hält Wirdemann fest.
Zum Schutz der Familie
Dass in diesen Gesprächen auch sein Privatleben, insbesondere sein Liebesleben, sowie das Berufsleben seiner Frau thematisiert worden seien, sei dabei weniger der eigentliche Kern des Problems gewesen. Vielmehr seien diese Aspekte von einzelnen Personen genutzt worden, um seine Reputation, seinen angeblich „geschädigten Moralkompass“ sowie sein Frauenbild in Frage zu stellen.
Der Schritt, sein Amt niederzulegen, sei deshalb „dringend angezeigt und richtig“ gewesen. Er habe eine „tolle Familie“, der er derzeit nicht mehr schlüssig erklären könne, „für oder gegen wen ich eigentlich die ganze Zeit kämpfe“, sagt der Vater von vier Kindern.
Reaktion vom CDU-Ortsverband
Zu den inhaltlichen Hintergründen der Differenzen wollte sich Bürgermeister Meyer auf Nachfrage der RHEINPFALZ nicht äußern. „Ich habe die Arbeit des Beigeordneten sehr geschätzt. Seine Arbeit war der Sache dienlich und sehr gelungen“, sagte Meyer am Samstag, kurz nachdem der Rücktritt öffentlich bekanntgeworden war. Der Bitte Wirdemanns, ihn von seinen Aufgaben zu entpflichten, werde die Verwaltung nachkommen. „Ich akzeptiere und respektiere den Schritt und danke ihm für die Arbeit, die er für die Gemeinde Haßloch geleistet hat“, so Meyer.
Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Haßloch, Marcel Zahn, hätte sich eine andere Lösung gewünscht, „die sachdienlicher gewesen wäre“, sagt er auf Nachfrage. Wirdemann halte er für fachlich sehr qualifiziert. Von der Arbeit, die er geleistet habe, sei er persönlich überzeugt. Über den endgültigen Rücktritt sei er ebenfalls erst am Samstag informiert worden. Allerdings habe es in den vergangenen Wochen bereits Gespräche gegeben, „weil uns diverse Punkte zugetragen wurden, bei denen es an der einen oder anderen Stelle Gesprächsbedarf gibt“. Er sei davon ausgegangen, dass man sich im Januar erneut zusammensetze, um nach einer Lösung zu suchen, „mit der alle Beteiligten zufrieden“ seien.
Eine Spaltung innerhalb des Ortsverbands weist Zahn zurück. „Wir sind uns einig, dass wir auch weiter mit Marcel Wirdemann auf sachlicher Ebene zusammenarbeiten wollen und dass wir uns geschlossen als CDU Haßloch zum Wohle der Gemeinde einsetzen möchten.“
Reaktion vom Bürgermeister steht aus
Marcel Wirdemann ist seit 2023 Mitglied der CDU. Im November des Folgejahres wurde der hauptberufliche Polizeibeamte zum Beigeordneten gewählt. Zu seinem Zuständigkeitsbereich zählten das Feuerwehrwesen, die Bußgeldstelle sowie die öffentliche Sicherheit und Ordnung einschließlich des kommunalen Vollzugsdiensts und der Hilfspolizei. Darüber hinaus verantwortete er den Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz, das Fischereiwesen sowie das Gewerbeamt.
„Selbst den Versuch, den Wochenmarkt zu erhalten, habe ich klaglos in mein Aufgabenheft übernommen“, schreibt Wirdemann und ergänzt, dass er seine Aufgaben „mit viel Engagement und diversen Erfolgen“ bewältigt habe, ohne dabei „stets auf die dünne Personaldecke oder sonstige Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung in aller Öffentlichkeit hinzuweisen“.
Für ein mündliches Statement stand Marcel Wirdemann am Tag nach der Bekanntgabe seines Rücktritts noch nicht zur Verfügung. „Ich bitte um Verständnis, da ich noch nicht die Gelegenheit hatte, mit allen Beteiligten zu sprechen. Ich bedanke mich an dieser Stelle, aber für das Jahr als Beigeordneter und hoffe, etwas für Haßloch bewegt zu haben“, so Wirdemann. Auch eine Reaktion des Bürgermeisters habe der scheidende Beigeordnete bisher noch nicht erhalten, ergänzt er.
Neuwahl im kommenden Jahr
Bis zum Jahreswechsel werde er die notwendigsten Amtsgeschäfte weiterführen. Die beginnende Weihnachtspause sei dafür ein geeigneter Zeitpunkt, da die Amtsgeschäfte in dieser Zeit zumeist ruhen und keine Vorgänge „zu verrutschen drohen“. Auch Bürgermeister Meyer betonte: „Wir arbeiten an den Themen weiter. Dafür bin ich dem Beigeordneten Wirdemann sehr dankbar, dass er Dinge noch übergeben und abschließen will.“
Einen Rückzug aus der Partei schließt Wirdemann aus. „Das Parteibuch lege ich nicht nieder“, schreibt er. Künftig wolle er sich „aus der zweiten Reihe im Sinne der Sache“ einbringen – loyal und gemeinsam mit Mitstreitern, „denen es um Inhalte und nicht um Personen oder Posten geht“.
Bis zur Wahl eines neuen Beigeordneten in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen wird Bürgermeister Meyer den Geschäftsbereich übergangsweise übernehmen. Anschließend solle auch die Verteilung der Geschäftsbereiche erneut beraten werden, so der Rathauschef.