Neustadt „Müssen das Brauchtum modernisieren“

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Anne Felicitas Vogd lebt seit 20 Jahren in Deidesheim. In der Region ist so noch ein unbeschriebenes Blatt in Sachen Karneval. Dennoch gehört die 50 Jahre alte Mutter einer Tochter zur Crème de la Crème bei der Mainzer Fasnacht. Vogd, die ursprünglich aus Aachen stammt, sorgt mit einem Mix aus Kabarett und Comedy immer wieder für gute Stimmung.

Auch wenn sie aus dem Rheinland stammt, wo die Fasnacht im Vergleich zu ihrer pfälzischen Wahlheimat einen deutlich höheren Stellenwert genießt, war es doch ein Zufall, dass Anne Felicitas Vogd in der Bütt gelandet ist. Ihre Leidenschaft, etwa bei Geburtstagen ihrer Freunde aufzutreten, führte sie schließlich aber genau dorthin. Der erste Auftritt dieser Art ist mittlerweile vier Jahre her. Damals verkörperte Vogd bei einer Feier in Bensheim Liza Minnelli, und die dortigen Fasnachter wurden auf sie aufmerksam. Und traten an sie heran. Sie habe hin und her überlegt, zunächst gezögert, aber der enorme Zuspruch habe sie letztlich doch bewogen, sich beim Karneval auszuprobieren, erzählt die 50-Jährige. Es blieb nicht beim einmaligen Versuch. Inzwischen genießt Vogd Kultstatus. Renommierte Vereine in Mannheim, Frankfurt und Mainz verpflichten sie alljährlich zu ihren Prunksitzungen. Auch Hans-Peter Betz, bestens bekannt aus der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ als „Guddi Gutenberg“, holte sie nicht nur zu seinen Sitzungen nach Gonsenheim, sondern steht auch regelmäßig mit der Deidesheimerin auf der Bühne. Die in der Modebranche tätige Diplom-Kauffrau machte sich damit schnell einen Namen in der Fasnacht und eilt in der fünften Jahreszeit an manchen Abenden zu zwei bis drei Auftritten hintereinander. Insgesamt 16 Auftritte habe sie, trotz vielfältiger beruflicher Aufgaben, in dieser Kampagne bereits absolviert, erzählt Vogd. Zuletzt am Samstagabend vor ausverkaufter Kulisse in Bensheim als reiselustige Globetrotterin, die mit frech-frivolen Anekdötchen über die Spezies Mann den Zuhörern Lachtränen in die Augen trieb. Man spürt bei Anne Felicitas Vogd, dass sie mit Herzblut bei der Sache ist. Die Vielzahl ihrer Auftritte sei ihr nicht wichtig, versichert sie. Vielmehr habe sie eine klare Botschaft. Sie wolle den Ruf der Fasnacht zu verbessern helfen und auch wieder junge Leute für die Narretei begeistern. Wer meine, dass dies nur in Köln oder Düsseldorf möglich sei, liege daneben. „Auch an der Weinstraße wird die Fasnacht als Tradition und Brauchtum gefeiert. Aber: Die Pflege des Brauchtums reicht nicht. Wir müssen das Brauchtum auch modernisieren“, sagt Vogd. „Alt Herren-Witze“ etwa seien so gar nicht ihr Ding. Mit ihren Figuren wolle sie stattdessen den Nerv der Zeit treffen. „Ich thematisiere weniger das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Die damit einhergehenden Klischees mussten oft genug herhalten. Das sind für mich alte Themen, die selbst meine Generation nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken“, sagt Vogd. Ihre Themen seien stattdessen die Medienlandschaft, aber auch die Bildungspolitik. Dabei schlüpft Vogd in eine bestimmte Rolle und taucht darüber in das aktuelle Zeitgeschehen ein, das sie dann persifliert. Ihr Mix aus Comedy und Kabarett, der dabei herauskommt, sei es, was die Menschen begeistere. Dabei sei es ganz egal, ob sie eine Mutter zweier „Pubertiere“ spiele, die sich mit Schule, Partys und erster Liebe auseinandersetzen muss, oder ob sie in den Glamour der Welt eintauche und eine reiche, aber leicht beschränkte Ehefrau spiele, oder zum Thema Weinfeste eine Professorin für Önologie. Das gefalle dann auch einem jüngeren Publikum. „Denn sobald es in Richtung Comedy geht, erreichen wir diese Zielgruppe. Und genau das ist mein Anliegen“, sagt Vogd. Da sie sich dabei auf aktuelle Themen konzentriere, gebe sie im Prinzip nur das wieder, „was viele Menschen täglich selbst erleben, nur eben pointierter“, argumentiert die Fasnachterin aus Deidesheim. So könne sie sicherstellen, dass sich die Menschen, die sie mit ihren Vorträgen anspreche, in diesen auch wiederfänden.

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