Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwig Burgdörfers neues Buch „Menschenkinder“

Pfarrer Ludwig Burgdörfer legt mit „Menschenkinder – Gute Leute zu allen Zeiten“ sein bislang persönlichstes Buch vor und will d
Pfarrer Ludwig Burgdörfer legt mit »Menschenkinder – Gute Leute zu allen Zeiten« sein bislang persönlichstes Buch vor und will die Leser zugleich dazu animieren, nach den Lichtpunkten, den »Engeln« in ihrem eigenen Leben Ausschau zu halten.

Der Landauer Pfarrer Ludwig Burgdörfer hat schon viele erfolgreiche Bücher über Gott und die Welt geschrieben. Sein neuestes heißt „Menschenkinder – Gute Leute zu allen Zeiten“ und versteht sich als Dank an seine persönlichen Wegbereiter.

„Im Anfang steht das Wort“, heißt es im Johannes-Evangelium, und das hat sich im (Berufs-)Alltag Ludwig Burgdörfers besonders munter vervielfältigt. Wortreich, mit sehr viel Sinn für lebendige Inhalte und symbolische Bilder predigt der evangelische Theologe nämlich nicht nur von der Kanzel – er spricht auch Morgenandachten im Radio und schreibt Bücher. Das jüngste hat eines seiner Lieblingswörter gleich im Titel: „Menschenkinder – Gute Leute zu allen Zeiten“.

„Menschenkinder“ haben es dem 1956 in Breunigweiler am Donnersberg geborenen zweifachen Vater und fünffachen Opa nämlich schon immer angetan. Sonst wäre er ja – gestärkt durch den festen Glauben, dass alle Menschen Kinder Gottes sind – nicht ausgerechnet Pfarrer geworden. Von 1981 bis 2019 stand er im Dienst der evangelischen Kirche der Pfalz, erst als Vikar in Neustadt, dann als Pfarrer in Gundersweiler, schließlich als Dekan in Landau und zuletzt als „Wanderprediger“ und Leiter des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes. Und dann kam der Ruhestand, und mit ihm die innere Unruhe, auch mal über das eigene Seelenleben nachdenken zu müssen.

Es geht um die Guten, denn die Schurken haben schon genug Energie gekostet

„Plötzlich war sie da, die Idee, mich ganz bewusst an die Menschen zu erinnern, die mich geprägt, beeindruckt und gefördert haben“, erzählt Burgdörfer bei einer Tasse Cappuccino im Schatten der Stiftskirchentürme seiner Heimatstadt Landau. Schnell sei ihm dabei klar geworden, dass er „ein Kind vieler Menschen“ sei, und all denen wollte er nun mit dem neuen Buch einmal ganz persönlich Danke sagen. „Wichtig war es mir dabei, nur die guten Erinnerungen zu sammeln und die Schurken, die man ja auch kennt, bewusst wegzulassen.“ Die hätten einem ja schon genug Energie geraubt. Nein, ganz im Sinne des Untertitels „Gute Leute zu allen Zeiten“ soll dieses Buch – sein „bislang persönlichstes“, so Burgdörfer – auch die Leser dazu ermutigen, nach den Lichtpunkten, den „Engeln“ in ihrem Leben Ausschau zu halten.

Wer sich darauf einlasse, könne erstaunt feststellen, „dass das Positive viel gegenwärtiger ist, als man denkt“. Für Burgdörfer jedenfalls wurde die Suche nach seinen Wegbereitern, die er, sofern sie noch lebten, tatsächlich besuchte, zu einer wertvollen Erfahrung, die ihn nun selbst mit Dankbarkeit erfüllt. Etwa 50 Menschenkinder hat er nach mitunter „detektivischer Spurensicherung“ auf 168 Seiten versammelt und chronologisch in seinen eigenen Werdegang eingeflochten, den er mit alten Fotos bereichert. Entstanden ist so nicht nur eine kaleidoskopische Biografie, sondern auch ein facettenreicher Spiegel der Gesellschaft, gesprenkelt mit viel Zeitgeschichte und noch mehr Heimatkolorit.

Denn auch an einem (werdenden) Pfarrer sind Woodstock und die erste Mondlandung, der „Fernseh-Kommissar“ und der 1. FCK , der „Jahrhundert-Boxkampf zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali oder das erste Kinoerlebnis („Spiel mir das Lied vom Tod“) mitsamt den damit verbundenen Diskussionen in der Familie oder der Internatsgemeinschaft nicht spurlos vorbeigegangen. Burgdörfers gesammelte Menschenkinder sind also nicht nur geistige und geistliche Größen, die den theologischen Berufsweg begleiteten. Es geht ganz maßgeblich auch um Onkel Oskar und Tante Guste, die bei Besuchen einen bleibenden Eindruck hinterließen, um die „Bäckersfrau, die von der Last der Arbeiten in Stall, Feld, Hof und Backstube so dermaßen vornübergebeugt“ war, dass man ihr „kleines Gesicht“ nicht sehen konnte, um die Klavierlehrerin, die den Blick ihres Schülers auf verschiedene Schuhmodelle – vor allem die vorher niemals gesehenen Stöckelabsätze – lenkte, oder um jene einsame Dame, die den obligatorischen Geburtstagsbesuch des Pfarrers zu einem jährlich wiederkehrenden Dampfnudelfest für die Nachbarn ausweitete.

Ein Kapitel gehört dem Neustadter Mentor

Natürlich findet auch der charismatische Geistliche seinen Platz, der in dem damals zehnjährigen Burgdörfer bei einer einzigen Begegnung an einem einzigen Tag den Wunsch weckte, selbst Pfarrer zu werden. Vergessen wurde auch nicht der „gutwillige, aber strenge“ Doktorvater, der die Promotion erst dann erteilte, als sein Schützling das Thema „symbolische Kommunikation“ endlich anhand eines Teddybären und eines Matchboxautos (den Lieblingsspielzeugen seiner Kinder) erklären konnte. Und ein Kapitel gehört Hans Jürgen Grimm, Burgdörfers Mentor zu Vikarszeiten an der Neustadter Stiftskirche. Der habe ihn bei der allerersten Beerdigung, die man ihm anvertraute, so gut gecoacht, dass ihm die Trauerbegleitung zeitlebens zur besonders wichtigen seelsorgerischen Aufgabe wurde. Burgdörfer ist sehr froh darüber, dass er sich dafür bei seinem Vikariatsvater, dem das gar nicht bewusst war, noch bedanken konnte, bevor er ihn letztes Jahr selbst beerdigte.

Termin/Lesezeichen

Ludwig Burgdörfer stellt sein Buch „Menschenkinder – Gute Leute zu allen Zeiten“ zum ersten Mal am Dienstag, 5. Oktober, bei einer Benefizlesung im protestantischen Teil der Neustadter Stiftskirche vor – die Veranstaltung ist allerdings bereits ausverkauft. Das Buch selbst ist als Hardcover im Verlagshaus Speyer erschienen, hat 168 Seiten und kostet 14,90 Euro.

x