Neustadt Lose fürs Altersheim, Körbe für Afrika

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Mehr als Essen, Trinken und Kommerz bietet der Deidesheimer Weihnachtsmarkt mit seinen Anbietern, die für gemeinnützige Zwecke Artikel verkaufen. Insgesamt acht Stände gibt es dieses Jahr, deren Betreiber jeder auf seine Art für soziale Einrichtungen arbeiten und spenden. Stefan Wemhoener, Leiter der organisierenden Deidesheimer Tourist-Info GmbH, kündigt für nächstes Jahr weitere Projekte an, mit denen er dieses Angebot auf dem Weihnachtsmarkt noch ausbauen möchte.

Gerade an Weihnachten wolle man damit in „unruhigen Zeiten“ ein Zeichen nach außen setzen, findet Wemhoener. Am längsten dabei, nämlich seit 1975 ist der Deidesheimer Lions-Club mit seiner Bude am Marktplatz. Der 38-Mitglieder starke Verein verkauft Lose und Glühwein, deren Erlöse in die SOS-Kinderdörfer und das Altersheim St. Elisabeth fließen. Diese Einnahmen seien eine nicht zu unterschätzende Quelle für den Club. Auch die Kolpingfamilie mit ihrem Stand an der Bahnhofstraße schenkt Getränke aus und hilft unter anderem der Tsunami-Hilfe für Sri Lanka und anderen örtlichen Vereinen. Die christliche Vereinigung mit 230 Mitgliedern sei von Beginn an am Deidesheimer Advent beteiligt und habe vor vier Jahrzehnten mit zu seiner Entstehung beigetragen, erläutert Vorsitzender Wolfgang Weber. Zum zweiten Mal auf dem Deidesheimer Weihnachtsmarkt ist das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus aus Kaiserslautern. Mara Eichmann und Klaus Pahlke verkaufen handgefertigte Holzarbeiten von wohnungslosen Jugendlichen, die unter Leitung von Stefan Welter in ihren Werkstätten Schränkchen, Laubsägearbeiten und vieles mehr produzieren. Der Verkauf gestalte sich noch mäßig und könnte besser werden. „Best of Africa“ bietet die Kamerunerin Elise Burckhardt-Lawson aus Heidelberg mit traditioneller afrikanischer Kunst aus neun Ländern. Sie unterstützt sozial schwache Frauen und Mütter, die krank oder verwitwet sind und teilweise in Heimarbeit Unikate in Form von Korbwaren, Kunst und Schmuck aus Naturmaterialien herstellen. Burckhardt-Lawson leistet Vorkasse für das Material. Sie möchte damit den Menschen in Afrika helfen, und besonders junge Arbeitslose von der Straße holen. Die Landauer Wichernwerkstätten verkaufen zum ersten Mal in Deidesheim an der Bahnhofstraße Produkte unter dem Label „La Wi“. Sie werden von Menschen mit psychischer Behinderung kreiert, die täglich in den Werkstätten arbeiten. Sie stellen vornehmlich Taschen unterschiedlicher Art und Farben aus Lodenstoff her. Die Mitarbeiter zeigten sich mit der Nachfrage nach dem ersten Wochenende sehr zufrieden. Im dritten Jahr verkaufen Birgitt Kaufmann und Barbara Meuser an ihrem Magnetschmuckstand im Deidesheimer Hof neben ihrem „Magnetix“-Produkten noch Stoffkissen für gemeinnützige Zwecke. Die beiden Damen führen jede ihr eigenes Geschäft mit Magnetschmuck in Deidesheim, haben sich aber für den Weihnachtsmarkt zusammengeschlossen. Die Kissen werden von zwei Krankenschwestern in ihrer Freizeit genäht. Der Verkauf laufe gut mit einem Erlös von 1300 Euro für das Kinderhospiz Sterntaler. Ebenfalls für das Hospiz spenden die Betreiber des „Germanenspießes“. Ein Glühweinstand vor der Tourist-Information spendet Einnahmen aus Sammeldosen für das Pfandrückgeld an verschiedene Projekte. Am ersten Adventswochenende habe die sogenannte „Wichtelwerkstatt“ - eine offene Einrichtung des Weihnachtsmarktes unter Leitung von ehrenamtlichen Betreuern am Stadtplatz - Stoffgeißböcke verkauft und die Einnahmen für den Deidesheimer Jugendtreff gespendet, berichtet Wemhoener. Ein Stammgast auf dem Deidesheimer Advent ist der Syrier Hassan Kharat, der seit elf Jahren zusammen mit Jalal Metwally in orientalischer Atmosphäre am Marktplatz Produkte aus Syrien verkauft. Kharat ist aus Syrien geflüchtet und lebt nun mit seiner Familie in Schweden (wir haben am 17.12.2015 berichtet). Kharat bietet Kunsthandwerk, Schmuck, Seifen und Stoffe von syrischen Handwerkern an. Er leistet als Vermittler und Dolmetscher für Flüchtlinge einen großen Beitrag zur deutsch-syrischen Verständigung. Dafür wurde er zusammen mit anderen Standbetreibern letztes Jahr von der Stadt Deidesheim geehrt. |piw

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