Bad Dürkheim
Limburg-Sommer: Die „Opernretter“ überzeugen mit ihrer kindgerechten Version der „Zauberflöte“
Mit der Kinderoper „Papageno & die Zauberflöte“ brachten die „Opernretter“ aus Schwetzingen am Mittwoch beim „Limburg-Sommer“ in Bad Dürkheim einem jungen Publikum eine der bekanntesten Opern Mozarts näher. Bei allen lustigen Elementen stellt die Aufführung mit ihren universellen Themen ein „Menschenbild“ vor, das sich dem Zeitgeist entzieht. Wunderbar!
Nicht erst seit „Harry Potter“ faszinieren Zauberkräfte jüngere wie ältere Menschen. Bereits zu Lebzeiten von Wolfgang Amadeus Mozart waren märchenhafte Stoffe mit magischen Gegenständen und zauberkräftigen Personen beliebt. In Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“, eine Art Oper und 1791 uraufgeführt, gibt es, klar, eine Zauberflöte – und außerdem ein magisches Glockenspiel sowie eigenartige Tiere wie zum Beispiel eine Riesenschlange.
Zwei Darsteller für alle Rollen
Die „Opernretter“ machen daraus eine verkürzte und auch sonst kindgerechtere Version. In der Klosterruine Limburg spielen dabei nur zwei Darsteller – die Sopranistin Lana Hartmann und der Bariton Lukas Eder – alle Rollen, und das sind viele. Ihre Kinder, die Papagenis, mimen freilich nicht sie selbst, das übernehmen kleine Besucher der Aufführung.
Bei „Papageno & die Zauberflöte“ erinnern sich eben jener Papageno, der frühere Vogelfänger der Königin der Nacht, und seine Frau Papagena an die abenteuerliche Geschichte, wie sie als Liebespaar zueinander fanden. Untrennbar mit dieser Erzählung verbunden ist das Kennenlernen von Prinz Tamino und Pamina, der Tochter der Königin der Nacht. Angeblich wurde Pamina von Fürst Sarastro entführt – und Tamino erklärt ihrer Mutter, dass er sie befreien werde. Begleitet wird er von Papageno. Vor ihrer Abreise erhält Tamino die titelgebende Zauberflöte und Papageno das erwähnte magisches Glockenspiel.
Wie war das mit der Mama und dem Papa?
Die Aufführung beginnt damit, dass die Papagenis als Gute-Nacht-Geschichte von ihrem Vater hören möchten, wie er seine spätere Frau, ihre Mutter, kennengelernt hat. Klar, da will Papageno (Lukas Eder) nicht nein sagen. Neben gesprochenen Szenen machen gesungene Passagen die Kinderoper aus. So wie die berühmte Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“, mit der die Königin der Nacht ihre Tochter zum Mord an Sarastro anstiften will.
Lana Hartmann singt die sogenannte Rache-Arie auch bei den schwierigen Passagen gut. Die junge Frau, die aus Böhl-Iggelheim im Rhein-Pfalz-Kreis stammt, hat Gesang in Rostock studiert und Engagements am Brandenburger Theater sowie am Pfalztheater Kaiserslautern. „Ich bin seit vier Jahren im Ensemble der Opernretter“, sagt die Pfälzerin. „Uns geht es darum zu zeigen, dass Oper nicht etwas Elitäres ist, sondern alle ansprechen kann“, erklärt sie auch noch.
„Stets lustig, heissa hopsasa“
Der Stuttgarter Lukas Eder überzeugt mit seinen Liedvorträgen ebenfalls, darunter das berühmte „Der Vogelfänger bin ich ja (stets lustig, heissa hopsasa)“. Eingespielt sind die Duette der Darsteller wie „Pa-Pa-Pa-Papageno“. Darin fragt Papageno: „Bist du mir nun ganz gegeben?“ Und Papagena antwortet: „Nun bin ich dir ganz gegeben.“ Weiter: „Nun so sey mein liebes Weibchen!“ (Papageno). „Nun so sey mein Herzenstäubchen!“ (Papagena). Die Moral der Geschichte: Durch ihren Glauben an höhere Mächte, das magische Glockenspiel und die Götter, finden sie zueinander und werden schließlich mit Kindern „beschenkt“.
Ein universelles Thema wie die Liebe ist offenbar auch für die Besucher im Kindesalter, einige Jugendliche sind auch darunter, interessant. Zumal sich das Publikum mehrfach zum Mitsingen und Mittanzen animieren lässt. Schwieriger ist es schon zu verstehen, welchen Weg Tamino und Pamino zurücklegen, bis sie zusammenkommen. So muss insbesondere der Prinz erst Mut, Klugheit und Standhaftigkeit zeigen, um sich ihrer würdig zu erweisen.
Kreativität statt Kontrolle
Womit eine weitere Erkenntnis für die Figuren wie das Publikum verbunden ist: Sarastro ist bei diesem Spiel nicht „der Böse“, diese Rolle übernimmt vielmehr die Königin der Nacht. Denn sie will den Tempel der Weisheit, der in Sarastros Reich liegt, zerstören. Und er ließ Pamina nur deshalb entführen, um sie vor dem schlechten Einfluss ihrer Mutter zu schützen.
Und was ist mit dem „Menschenbild“, das sich dem Zeitgeist entzieht? Na, statt den Technik-Gläubigen, die heutzutage vor allem gefragt sind, huldigt „Papageno & die Zauberflöte“ – wie Mozarts Vorlage – den Freunden der Weisheit, die wie der Dichter Friedrich Schiller überzeugt sind: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ In anderen Worten: Kreativität statt Kontrolle!