Neustadt
Liebenstein: Spatenstich für Neubau
Mit Bäckermützen auf dem Kopf, einem Spaten in der Hand, den zum Loslegen bereiten Bagger im Hintergrund, setzten Peter Liebenstein, seine Mutter Herta, seine Schwester Eva und sein Neffe Max, gemeinsam mit Vertretern der Stadt und weiteren Beteiligten den ersten Spatenstich für die Bauarbeiten der neuen Bäckerei Liebenstein in der Eugenie-Abresch-Straße 1. Die Tiefbauarbeiten sollen direkt nach Pfingsten beginnen. Der Projektstart wurde mit den etwa fünfzig Beschäftigten und zahlreichen weiteren Gästen auf der Baustelle mit Kostproben aus der Backstube gefeiert. Unter anderem hatten sich die kreativen Liebenstein-Bäcker für den Spatenstich eine besondere Spezialität einfallen lassen: Eine Pfälzer Brezel, gefüllt mit „Lewwerworscht“ und abgedeckt mit Röstkartoffelstreuseln.
Auf dem Gelände des früheren „Gäu-Bähnel“-Bahnhofs entsteht ein Neubau, der künftig unter anderem die Backstube mit 1000 Quadratmetern beherbergen wird. Ein Verkaufsraum und ein angeschlossenes Café werden Einblick geben in eine Erlebnis-Backstube, die es den Kunden ermöglicht, bei der Zubereitung von speziellem Backwerk quasi direkt dabei zu sein.
Büroräume für die Verwaltung und vier Appartements für Mitarbeiter finden sich im Obergeschoß. Gerade im Hinblick auf die Personalgewinnung, die generell für Handwerksberufe nicht ganz einfach ist, sind diese Appartements ein wichtiger Aspekt für den Bauherrn. Dass auf dem Gelände etwa vierzig Parkplätze geplant sind, wird sicher auch viele Liebenstein-Kunden freuen.
Den Wurzeln treu bleiben
Peter Liebenstein, Geschäftsführer und Inhaber der Bäckerei Liebenstein, bedankte sich für die Unterstützung der Stadt. „Vor neun Jahren zeigte mir Bernhard Adams zum ersten Mal dieses Grundstück und gab dadurch sozusagen den Anstoß dazu, über das jetzt hier entstehende Projekt nachzudenken“ erinnerte sich Liebenstein. Sein Neffe Max Bialek, der die Bauleitung für das Projekt innehat, führte aus, welche Maxime dem Neubau zugrunde liegt: „Wir wollen uns neu aufstellen, dabei aber unseren Wurzeln treu bleiben und weiterhin auf regionale Verbundenheit setzen – mit einem Wort, eine moderne Handwerksbäckerei.“ Die beiden freuen sich, „ein neues und aufregendes Kapitel für unsere Familie aufzuschlagen“.
Auch Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) signalisierte seine Freude darüber, dass mit dem Neubau einer der bekanntesten und angesehensten Handwerksbetriebe Neustadts einen mutigen Schritt in die Zukunft geht. „In der aktuellen Zeit, die eher durch Rezession geprägt ist, ist die Bereitschaft zu investieren und ein unternehmerisches Risiko einzugehen, besonders hoch zu bewerten.“
Liebenstein führt die alteingesessene Bäckerei in dritter Generation. Der aktive Mittfünfziger sieht der Veränderung voller Freude entgegen: „Mein Beruf macht mir immer noch Spaß und in meiner täglichen Arbeit in der Backstube finde ich nach wie vor große Befriedigung.“ Mit seinem Neffen und dessen Frau ist mittlerweile die nächste Generation in die Firma eingestiegen. Die Kontinuität ist für den Familienbetrieb also gesichert. Und mit dem Neubau soll auch die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens gewährleistet werden.
Arbeitsabläufe effizienter
Vor allem für die Mitarbeiter der Bäckerei wird der Neubau immense Verbesserungen bringen. „Die Arbeitsabläufe können viel effizienter gestaltet werden, als das in unserem verwinkelten Altbau bisher möglich war“, führt Liebenstein aus. „Auch die Temperatur in der Backstube lässt sich im neuen Gebäude viel besser regulieren und so für unsere Bäcker am Ofen angenehmer gestalten. Die bessere Temperatursteuerung wird auch unseren Backwaren zu Gute kommen und so noch eine weitere Qualitätssteigerung ermöglichen.“ Generell dienen die technischen Neuerungen im Neubau nicht der Rationalisierung, sondern der Qualitätsverbesserung.
Die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sich nicht nur neue Mitarbeiter davon ansprechen lassen, sondern dass auch die jetzigen Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen – und das auch noch nach 20 oder 30 Jahren – das ist der Anspruch der Familie Liebenstein.
Neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist die Nachhaltigkeit ein zweiter Punkt, der der Familie am Herzen liegt. Durch Wärme-Rückgewinnung soll ein Großteil des Wärmebedarfs durch die eigene Abwärme gedeckt werden. Auf dem Dach des Gebäudes wird eine Photovoltaik-Anlage mit 150 kW/Peak für erneuerbare Energie sorgen. Beim Dach handelt es sich um ein begrüntes Flachdach.
Die Fertigstellung und Inbetriebnahme soll im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Der bisherige Standort wird danach aufgegeben. Die Bäckerei Liebenstein bleibt auch am neuen Standort ein Familienbetrieb ohne zusätzliche Filialen.