Neustadt Licht, Natur, Ruhe, Kraft
Deidesheim. Seine Ausstellung „Home-Land“ aus dem Jahr 2014/15 ist die erfolgreichste, die je im Kunsthaus seiner Heimatstadt Frankenthal abgehalten wurde. Mit über 2000 Besuchern in gerade mal einem Monat hat der 1965 in Ludwigshafen geborene Fotograf Hardy Müller eine bis heute nicht geknackte Rekordmarke gesetzt. Eine Art Fortsetzung gibt es nun ab Samstag unter dem Titel „Homelandscape“ in der neuen Deidesheimer Galerie „Backhaus“. Im Vordergrund stehen dabei Landschaftsporträts.
So etwas nennt man wohl „auf dem Sprung sein“: Drei Wochen hat Hardy Müller für „National Geographic“ in Spanien fotografiert, gegen drei Uhr morgens ist er am Interviewtag nach Hause gekommen, sechs Stunden später schon ist das Gespräch angesetzt, weil er danach gleich wieder weiter muss nach Lugano zum nächsten Shooting. Der Mann ist eben vielgebucht und zählt nicht umsonst zu den Edel-Fotografen im Lande – mit doppelseitigen Fotostrecken in „Geo“, „Stern“, „Merian“ oder dem „Zeit-Magazin“, zweimal ausgezeichnet mit dem renommierten Hansel-Mieth-Preis, der herausragende Text- und Bild-Reportagen würdigt. An dem Deidesheimer Projekt ist auch Alice Anna Klaassen wieder beteiligt, Kunsthistorikerin und ehemalige Leiterin des Frankenthaler Kunsthauses, mit der Müller seinerzeit die Ausstellung „Home-Land“ konzipiert hatte. Schon damals war beiden klar, dass Müllers umfangreiches Œuvre „gerade im Bereich der Landschaftsfotografie noch mehr hergibt, auch unter dem Aspekt Heimat“, wie Klaassen erläutert. Und der ist für Müller nun mal „definitiv nichts, was in irgendeiner Form an einen Ort gebunden ist“. Heimat sei vielmehr – gerade auch in Verbindung mit Landschaftsfotografie – „ein Sehnsuchtsort, etwas das Gefühle auslöst, meist nur in einem flüchtigen Moment, und der kann überall stattfinden, ob in Afrika oder an der Donau“. Gerade wenn man diese Momente so einfängt, wie Müller das tut. Ein Art-Director vom „Stern“ hat ihm zu Beginn seiner Karriere in den 90er Jahren den lapidaren Satz vor den Latz geknallt, dass er, Müller, sich schöne Bilder sparen könne, man wolle Bilder, „an denen sich das Auge weidet“. Das scheint er sich zu Herzen genommen zu haben, denn seine Landschaftsaufnahmen sind emotionale Naturschauspiele in Cinemascope: Sie sehen aus wie perfekt inszenierte Arrangements aus Licht und Natur, atmen Ruhe und Kraft und gemahnen in ihren majestätischsten Momenten an Gemälde von Caspar David Friedrich oder William Turner. Und dementsprechend habe man die Bilder zur „Homelandscape“-Ausstellung auch ausgesucht, so Klaassen. Bilder nämlich, „die man mit den Augen regelrecht durchwandern kann“. Dabei haben die beiden Wert auf ein bewusst internationales Spektrum gelegt. Von Neufundland, dem norwegischen Laerdalfjord und der schottischen Isle of Skye über die Weglenburg in der Südwestpfalz bis ins Herz Afrikas – Müllers Motive sind von überall, „weil Heimat eben nicht auf regionale Enge begrenzt ist“, sondern ein Gefühl, das eine Landschaft beim Betrachter hervorrufe. Und diese Emotionen spiegeln Müllers Panorama-Porträts perfekt wider. Sie beziehen ihre Faszination aus dem ideal eingefangenen Augenblick, dessen Flüchtigkeit sich gerade wegen seiner lyrischen Perfektion erst beim zweiten Hinsehen erschließt. Nichts deutet dabei auf die Umstände hin, unter denen diese Bilder entstanden sind: Die sind nämlich meist recht prosaisch und am besten mit dem Begriff Knochenarbeit zu umschreiben. Müller spricht vom „Ringen um den Moment“. „Du bist vor Sonnenaufgang da, hast nur eine Viertelstunde, in der das Licht und die Wolken perfekt sind, hinter dir nörgelt der Journalist, weil er weiter will, und du weißt, wenn es jetzt nicht klappt, wird aus dem wunderschönen Panorama eine dröge Suppe.“ Hardy Müller ist so einer von der Sorte, deren Wesen man in ihrer Arbeit zu erkennen meint, sobald man ihm gegenübersitzt. Spontan, agil und dennoch völlig im Moment ruhend. Ausgestattet mit einer nicht enden wollenden Geduld, die sogar nicht davor haltmacht, einem technisch gänzlich unbedarften Interviewer die Vorteile einer Mittelformat-Kamera nahezubringen, sein bevorzugtes Equipment bei Landschaftsporträts, weil die „Ruhe der Komposition nur durch diese Kamera möglich ist, da man weitwinklig fotografieren kann, ohne zu verzerren“. Das in Deidesheim jetzt die Galerie „Backhaus“ von Christa Wessa eröffnet wird, ist für Müller dabei ein Glücksfall. „Zum einen weil die Galerie wunderschön geworden ist und es generell nicht allzu viele in der Region gibt. Und natürlich weil es mir die Möglichkeit gibt, meinen Landschaftsbildern, die im Kunsthaus Frankenthal zugunsten der Porträts im Hintergrund standen, einen größeren Rahmen zu geben.“ Die Ausstellung Die Ausstellung „Homelandscape“ ist von Samstag, 29. April, an bis 15. Juni in der Galerie „Backhaus“, Heumarktstraße 5, in Deidesheim zu sehen. Bei der Vernissage am Samstag um 18 Uhr führt Alice Anna Klaassen in Müllers Werk ein. Der Künstler selbst ist an diesem Tag sowie am Sonntag und am Mai-Feiertag ab 10 Uhr anwesend.