Neustadt Lernerfolg zwischen den Rebzeilen

Mit Begeisterung an der Rebschere waren die Schüler der Weinbau-AG an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Deidesheim/Wachenheim, denn die durch den Winzerverein Deidesheim unterstützte Weinlese für ihren schuleigenen „Rigsling“ brachte allen viel Spaß und lehrreiche Stunden. Abgefüllt werden sollen am Ende wieder um die 1200 Flaschen Riesling.
Wie schon bei der Premiere des „Rigslings“, der seinen außergewöhnlichen Namen der Kombination des Schulnamens mit der traditionsreichen Weinsorte Riesling verdankt, waren die Schüler der Arbeitsgemeinschaft Weinbau und Lehrer Michael Molter mehr als gespannt, wie ertragreich die diesjährige Traubenlese ausfallen würde. Bei bestem Wetter war die AG, vertreten durch rund zehn Schüler der Stufen 7 bis 10, mit Rebscheren, Bütten und Eimern unterwegs, um nicht sehr weit weg von der Schule ihre elf Rebzeilen von vielen reifen Rieslingtrauben zu befreien. Da noch weitere Schüler Lust hatten, mitzuhelfen, waren letztlich 22 Jugendliche am Werk, erzählt Michael Molter. Wie im Vorjahr betreute er die AG und wurde dabei jede Woche von Gerald Niederberger, Geschäftsführer des Winzervereins Deidesheim, im „Wingert“ unterstützt. Der Wein wird außerdem vom Winzerverein ausgebaut, der zugleich Verkaufsstelle ist. Nach einem arbeitsreichen Vormittag freuten sich die Schüler, einen Teil der Trauben noch direkt vor Ort zu pressen. „Da gab es viel Stolz“, freut sich Lehrer Michael Molter. „Die Schüler haben das fantastisch gemacht, und auch unsere drei Mitschüler mit Down-Syndrom waren begeistert bei der Sache.“ Eine Förderlehrerin, Integrationshelfer und ein weiterer Winzer waren ebenfalls mit im Weinberg. Wie beim ersten Jahrgang des „Rigslings“, von dem gut die Hälfte der rund 1200 produzierten Flaschen inzwischen verkauft sei, erwarten die fleißigen Nachwuchswinzer für die 2016er Ausgabe einen vergleichbaren Erfolg. Fachmann Niederberger ist optimistisch: „Vom Mostgewicht her müssen wir noch abwarten, ob wir ihn dann als Qualitätswein oder mit Prädikat verkaufen können. Aber wir sind hier ja nicht auf eine Spätlese aus, sondern wollen sauberes und gesundes Lesegut.“ Als Kabinett-Wein müsste der Riesling dann aber trotzdem über 72 Grad Oechsle erreichen. Voll des Lobes ist der Winzerverein für Lehrer Michael Molter und seine Kollegen, „denn er hat jede Menge Arbeit neben seinem üblichen Schulalltag, und das hier ist wirklich echte Integration“, schwärmt Gerald Niederberger. Ihn selbst fasziniere, wie die Schüler die Entwicklung des Weins als Produkt verfolgten, das natürlichen Schwankungen unterliege und „nicht immer wie automatisiert“ heranwachse. Das immense Wachstum der Reben in der Vegetationsperiode habe die Kinder überrascht. Auch Arbeiten wie „Laub einstecken“ (erklärt in der Rubrik „Nils fragt“) hätten sie gerne erledigt und großes Interesse an der Arbeit des Winzers entwickelt. Der Verkaufserlös soll wiederholt für einen guten Zweck gespendet werden. Für welchen genau dies sein wird, dürfen die Schüler in Kürze selbst mitbestimmen. Ein Teil kommt ihnen durch den IGS-Förderverein wieder direkt selbst zugute. Vorgeschlagen bleibt außerdem erneut die „Water is Right Foundation“, die sich weltweit für sauberes Trinkwasser einsetzt. Deren Botschafter ist Musiker Rolf Stahlhofen, ehemals Mitglied der „Söhne Mannheims“. Bereits bei der diesjährigen Spendenübergabe hat er als Dankeschön Musik gemacht und seine Beteiligung auch für das Folgejahr wieder zugesagt. |stbe