Neustadt Lernen in der Natur

Die Waldklasse im Ordenswald: Volker Platz erklärt, welche Tiere in den heimischen Gewässern leben.
Die Waldklasse im Ordenswald: Volker Platz erklärt, welche Tiere in den heimischen Gewässern leben.

Eine Waldklasse ist eine prima Sache. Bei Wind und Wetter geht es raus. Seit dem vergangenen Schuljahr gilt das für die heutige 2a der Eichendorffschule. Ob es damit aber bis zum Ende ihrer Grundschulzeit klappt, ist offen.

Das Basislager ist an einem umzäunten Haus des Wasserwerks beim Soldatenweiher. Umweltexperte Volker Platz zeigt in den Himmel – Nilgänse fliegen gerade vorbei. Auch für die achtjährige Lena ist das ein besonderer Moment. Mit Freundinnen oder der Familie war sie noch nie hier, immer nur mit der Klasse. Diese Klasse ist die 2a der Eichendorffschule in Branchweiler. Ihre Mädchen und Jungen waren im vergangenen Schuljahr als erste „Waldklasse“ gestartet. Was konkret heißt, dass es bis zur vierten Klasse immer freitags in den Ordenswald gehen soll. Etwa zwei Kilometer liegt das Basislager von der Schule entfernt. Dort sind in einem alten Bauwagen Materialien untergebracht. Wenn’s regnet, schlüpfen die Kinder unter Plastikplanen. Geboren wurde die Idee von Klassenlehrerin Andrea Neufeld bereits vor einigen Jahren. Nicht zuletzt deshalb, weil das Land damals solche Projekte unterstützte. Bei Schulleiter Mathias Hartmann rannte sie damit offene Türen ein, in der Erzieherin Silke Umbach fand sie Unterstützung. Die Haßlocherin war lange im Waldkindergarten Wachenheim tätig, plant nun als Honorarkraft das Programm der Waldklasse und ist immer dabei – derzeit im Team mit Lehrerin Imke Aperdannier, die Neufeld während deren Sabbatjahrs vertritt. Die Kinder brauchen den Wald, ist Neufeld überzeugt. Der Wald fasziniere alle und helfe bei der Entwicklung. Klar ist: Es wird nicht nur gespielt, obwohl das Austoben auch zum Programm gehört. Doch wird zum Beispiel mit Eicheln gezählt und gerechnet, oder es werden Anfangsbuchstaben von Pflanzen gesucht, unterwegs wird gesungen. Auch die Sportstunde ist integriert: So kann die Holzleiter über den Zaun durchaus eine Herausforderung sein. Damit die Gruppe nicht so groß ist, wird sie an diesem Freitag geteilt. Neun Kinder untersuchen mit Bachpate Volker Platz das Leben im Teich, die anderen spielen „Banner“, ein Versteck- und Rennspiel. Volker Platz hat alles für die Zweitklässler vorbereitet. In flachen Schüsseln hat er Wasserschnecken, Libellenlarven, Wasserwanzen und sogar einen Stichling aus den nahen Teichen gefischt. „Es ist Laichzeit, wir dürfen die Gewässer nicht betreten“, mahnt er die Kinder. Sie testen im Soldatenweiher, wie wasserfest ihre Schuhe und Stiefel sind, bevor sie ihm konzentriert zuhören. Platz ist heute ehrenamtlich dabei, um jahreszeitlich passend das Teichleben vorzustellen. Aber auch das Thema Müll wurde schon behandelt. Lehrerin Aperdannier erzählt: „Wir haben auf dem Weg Müll gesammelt. Acht Säcke voll, dazu kamen Autoreifen. Außerdem haben wir einen ,Müllfriedhof’ angelegt.“ Dort sehen die Kinder regelmäßig nach, wie lange es dauert, bis Dinge verrotten. So sind dort Glas, normaler Kompost, Papier und sogar eine Socke vergraben. Jetzt hofft das Kollegium der Eichendorffschule, dass auch weiterhin Sponsorengelder fließen, um die Honorarkraft zu finanzieren. Derzeit übernimmt die Wohnungsbaugesellschaft die Hälfte des Honorars, im ersten Jahr hatte das Jugendamt die zweite Hälfte gezahlt, in diesem Jahr eine Privatperson. Der Schulförderverein hilft dabei, das Geld zu verwalten. Nach ihrem Sabbatjahr würde Andrea Neufeld die Waldklasse gern weiter durch die Jahreszeiten im Wald führen, dann als 3a beziehungsweise 4a. Am liebsten aber würde das Kollegium weitere Waldklassen bilden. Dazu aber fehlt die finanzielle Unterstützung – noch.

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