Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Leni Bohrmann kann endlich ihr Livehörspiel „Alice“ zur Uraufführung bringen

Schauspielerin Leni Bohrmann performt fast zwei Stunden lang.
Schauspielerin Leni Bohrmann performt fast zwei Stunden lang.

Alice fällt! Wie anders als so könnte ein Livehörspiel beginnen, das sich die berühmte Figur von Lewis Carroll vornimmt! Die Neustadter Schauspielerin Leni Bohrmann hat es während des Lockdowns geschaffen und nach wiederholten Verschiebungen am Sonntag im Hambacher „Theater in der Kurve“ endlich zur Uraufführung bringen können. Das durch die Corona-Regeln arg dezimierte Publikum erlebte eine große Feier der Phantasie, geschaffen aus Erzählung, Geräuschen und Klängen.

Wobei der Fall ins Kaninchenloch genau genommen gar nicht wirklich den Anfang bildet. Denn zuvor haucht Leni Bohrmann zunächst erst noch einfach den Namen ins Mikro: „Alice“. Der wird dann live mittels Loop-Station zum gänsehauterzeugenden Echo gesteigert, und man erkennt als Zuhörer a) dass man hier am Beginn einer magischen Reise steht, und b) mit was für beeindruckenden technischen Möglichkeiten dieser Theaterabend aufwartet. So einen nicht ganz billigen Tisch-Looper, wie Bohrmann ihn hier vor sich hat, setzen zum Beispiel auch Rapper gerne ein.

Dann geht es mitten hinein in die Handlung. Die orientiert sich in groben Zügen an „Alice im Wunderland“, nimmt aber auch einzelne Motive aus dem Nachfolgeband „Alice hinter den Spiegeln“ mit auf, die sprechenden Blumen zum Beispiel, die sich bei Bohrmann sogar zu einer ziemlich witzigen Chorprobe versammeln. Figuren wie der verrückte Hutmacher, die blaue Raupe, die Grinsekatze oder die Herzkönigin waren natürlich von vornherein gesetzt, und man begegnet vielen aus den Büchern (und den Filmen) bekannten Szenen: der Teegesellschaft des Hutmachers (allerdings ohne den Märzhasen), dem Croquetspiel mit den Flamingoschlägern am Königshof oder der Gerichtsverhandlung, bei der der Herzbube beschuldigt wird, die Törtchen der Königin gestohlen zu haben.

Vor allem die Sprache, Geräusche und Klänge tragen die Performance

Es beeindruckt dabei ungemein, wie Bohrmann all das mit recht schlichten Mitteln akustisch und darstellerisch auf der Bühne entwickelt. Vor allem die Akzente, Geräusche und Klänge tragen die Performance: die blubbernde Wasserpfeife der Raupe zum Beispiel, erzeugt einfach durch Wasserglas und Röhrchen, das weiße Kaninchen mit leichtem Lispeln, die Grinsekatze mit französischem Akzent, deren Erscheinen sich immer durch ein Xylophon ankündigt, der Hutmacher mit der charakteristischen Wiederholung des jeweils letzten Satzteils oder die Herzkönigin mit diabolischem Lachen und ihrem unvermeidlichen „Kopf ab!“.

Eine Klasse für sich sind die musikalischen Beiträge, die den Theaterabend fast zum Musical machen. Der Hutmacher zum Beispiel darf ein altfranzösisches Trinklied anstimmen. Auch deutsch- und englischsprachige Weisen klingen auf, wobei die auch hier direkt live am Loop-Pult erzeugten Kanoneffekte für großen Eindruck sorgen. Hier zahlten sich die Tontechnik-Erfahrungen aus, die sie durch ihre Podcast-Reihe Backstage in den vergangenen zwei Jahren gesammelt habe, erklärt die Schauspielerin am Rande. Die Gattung Livehörspiel erprobt sie hier aber erstmals.

Anfängerfehler unterlaufen ihr trotzdem keine. Im Gegenteil. Gerade manche Technikeffekte sorgen neben dem unbekümmerten Zugriff auf die literarische Vorlage für Lacher an diesem Abend. Fazit: eine liebevolle Produktion, der man gerne ein noch etwas größeres Publikum wünscht.

Noch Fragen?

Das Live-Hörspiel „Alice“ ist auch am Samstag, 10. Juli, um 13.15 Uhr beim Fest „Kultur in vier Altstadthöfen“ im Hof Hintergasse 19 in der Neustadter Altstadt zu erleben sowie ein weiteres Mal am Sonntag, 18. Juli, um 17 Uhr im „Theater in der Kurve“ in Hambach. Weitere Aufführungen an unterschiedlichen Orten sind im Herbst geplant. Ein Youtube-Video zum „Making of“ findet man unter https://youtu.be/8jjFuX6kMq4.

Die Mittel sind dabei erstaunlich schlicht: eine Loop-Station, ein Mikro, ein paar Elemente, die sich zur Klangerzeugung einsetz
Die Mittel sind dabei erstaunlich schlicht: eine Loop-Station, ein Mikro, ein paar Elemente, die sich zur Klangerzeugung einsetzen lassen, und drei Bilder, die Bohrmann während des Lockdowns im Winter selbst gemalt hat.
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