Neustadt Leitartikel: Dabei sein ist alles!

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„Querfälltein“ und Demokratiefest – manches hat funktioniert, manches nicht. Doch die Anliegen, der jungen Generation einen Platz in der Stadt zu sichern und ein Zeichen gegen Intoleranz zu setzen, sind richtig. Es ist vielleicht das

Grundproblem dieser Gesellschaft, dass jeder in seiner Blase lebt.

Kleine Dinge können viel bewegen, heißt es. Vielleicht gilt das auch für das „Demokratiefest“ auf dem Hambacher Schloss, obwohl man hier angesichts der enormen Summen, die das Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar investiert hat, eigentlich nicht von „klein“ sprechen möchte. Zehntausende wie beim Hambacher Fest 1832 sind am Wochenende jedenfalls nicht gekommen, aber das war aus verschiedenen Gründen auch nicht zu erwarten. Denn die Kunstangebote, die das Fest offerierte, waren, so qualitätvoll sie auch gewesen sein mochten, nicht massentauglich. Vielleicht hätte man ja tatsächlich mehr Menschen mobilisieren können, wenn man einen echten „Burner“ eingeladen hätte, eine bekannte Band oder auch prominente Politiker, die sich an den beiden öffentlichen Tagen des Festes übrigens erstaunlich rar gemacht haben. Oder wenn man vielleicht auf ein großes Doppelfestival zusammen mit „Querfälltein“ an einem Wochenende auf dem Schloss gesetzt hätte. Doch das ließ schon das Sicherheitskonzept nicht zu. 1832 kannte man eben den Begriff „Fluchtwegeplan“ noch nicht. Ein Zeichen für die Demokratie und für ein offenes Europa war das Fest aber trotzdem: bunt, international und engagiert, nicht zuletzt, was einige der kleinen Initiativen am Rande anbelangte. Und auch das Ziel, zumindest Teile der Jugend einzubinden, ist gelungen. Zu sehen, wie sich zum Beispiel die Studenten aus Mannheim und Landau einbrachten, macht Hoffnung. Dass man vielleicht nach der zweiten oder dritten Station keine Lust mehr hatte, seine Gedanken über die Demokratie oder das Wählen auf Fahnen oder Blackbox-Wände zu pinnen – geschenkt! Der Jugend eine Stimme zu geben, genau dies war in der Woche zuvor auch das Anliegen des Neustadter Jugendfestivals „Querfälltein“, das aber im Prinzip unter den gleichen Problemen litt wie das Fest auf dem Schloss: Es mangelte ein wenig an Konzentration, an Angeboten, die in der Lage sind, viele Menschen, zumal junge, in einer ganz normalen Arbeitswoche in die Innenstadt zu locken. Die vielen, schönen Initiativen gerade der Schulen am Markt- und Juliusplatz und im Michel’schen Hof gingen fast unter. Auch die abendlichen Angebote des Kulturabteilung im „Werkstattzelt“ kamen auf eher überschaubare Besucherzahlen. Wer allerdings das Kreischen der vielen Mädchen gehört hat, als Kulturabteilungsleiter Wolfgang Dinges am Freitagabend ankündigte, dass Nico Santos im Anschluss an das Konzert in der Wallgasse noch für Selfies zur Verfügung steht, weiß, dass hier die Herzen zumindest eines Teils der jungen Leute in der Stadt erreicht wurden. Und symptomatisch dafür, wie wichtig es ist, der Jugend auch einmal, ganz offiziell gewissermaßen, einen „verbrieften“ Platz in der Stadt einzuräumen, war der Rentner, der die Teilnehmer des von der Stadt veranstalteten Graffiti-Workshops (!) auf dem Marktplatz doch tatsächlich aufforderte, sofort mit dem Sprayen aufzuhören, weil das seiner Gesundheit schade. Das ist vielleicht das Grundproblem dieser Gesellschaft: dass jeder in seiner Blase lebt und nicht einmal mehr den Versuch unternimmt, einen Blick für das Ganze zu entwickeln.

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