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Leichtathletik: Vor 40 Jahren erster Frankfurt-Marathon – Läufer erinnern sich
Am 17. Mai 1981 fiel der Startschuss zum ersten Frankfurt-Marathon. Seitdem nutzten Jahr für Jahr tausende Langstreckenläufer die schnelle, flache Strecke durch die City am Main für die Jagd nach einer neuen Bestzeit über 42,195 Kilometer. Erst seit 1987 gibt es den Lauf im Herbst. Der Jubiläumsmarathon zum 40. Geburtstag ist für den 31. Oktober geplant. Läufer aus der Region erinnern sich an ihre Erlebnisse beim ältesten Citylauf Deutschlands. Die besondere Atmosphäre trug sie über die Strecke. Der letzte Kilometer war dann keine Qual, sondern ein Genuss. Viele wurden Wiederholungstäter.
So war es auch für Jens Laudage. Der 50-jährige Neustadter war immer auf der Jagd nach Bestzeiten. 2013 war es soweit: viele Laufkilometer in der Vorbereitung, zweimal Tempotraining in der Woche nach einem eisenharten Trainingsplan. Meist sonntags ein langer Lauf von 35 Kilometern. Es war eiskalt an diesem Sonntag im Oktober 2013. Aber Laudage hatte das Ziel „mit Bestzeit in die Festhalle einlaufen“. Denn dort, an der Ziellinie in der Halle, herrscht eine besondere Atmosphäre. Die Läufer fliegen über den roten Teppich. Die Halle ist dunkel – nur der Teppich und das Ziel werden mit Scheinwerfern beleuchtet. Und so machte auch Laudage die letzten Reserven frei und knackte in 2:36 Stunden seine bisherige Zeit um acht Minuten.
Stadtbummel vor dem Start
Vielleicht lag es an der üblichen Vorbereitung 24 Stunden vor dem Start? Laudage, der die Citymarathons liebt, reist mit seiner Frau immer einen Tag vorher an. Ein Bummel durch Städte wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München, verbunden mit einer üppigen Kaffeestunde und einem kräftigen Abendessen soll Energie für den Wettkampftag liefern. Ein besonderes Erlebnis sei am frühen Morgen das Frühstück im Hotel, erzählt er. Läufer aus vielen Nationen, darunter auch die Topläufer aus Afrika, stärkten sich am Buffet.
Laudage schwärmt von einem Marathon in Hamburg: „Tausende Zuschauer, die ,Aida’ lief gerade im Hafen ein, es war einfach ein Gänsehautfeeling an den Landungsbrücken.“ Und bei seiner Bestzeit in Frankfurt wurde alles überboten. „Ich hatte einen Kloß im Hals. Die letzten Meter auf der Mainzer Landstraße, dann der rote Teppich. Unbeschreiblich. Ich konnte kaum schlucken.“ Jetzt knabbert der Neustadter an den Corona-Beschränkungen. Seine Ziele sind weg. Er trainiert eingeschränkt, zumal sich inzwischen Kniebeschwerden einstellen. Doch einen Traum hat er noch: „Und wenn ich mit dem Rollator antreten muss, ich würde gerne mal den Marathon in Athen laufen.“
Siebenmal in Frankfurt
Siebenmal nahm Sonja Schwarzwälder in Frankfurt teil. Die 57-Jährige aus Maikammer hat ihren ersten Marathon 1999 in Hamburg geschafft. Erst neun Jahre zuvor hatte sie mit dem Lauftraining begonnen. „Ein Aushang im Maikammerer Kindergarten machte mich auf die Gruppe vom TV Maikammer aufmerksam. Nach drei Jahren lief ich meinen ersten Zehn-Kilometer-Volkslauf“, erzählt sie.
Ihr Marathondebüt in der Hansestadt verlief fantastisch. In 3:36 Stunden kam sie ins Ziel. „Ohne dass der Mann mit dem Hammer, vor dem mich alle gewarnt hatten, aufgetreten war. Ich war gut vorbereitet und bin den Lauf vorsichtig angegangen. Ich habe alles beachtet, was mein Trainer Alfons Blumenstiel mir gesagt hatte“, erinnert sie sich.
Ein Jahr später absolvierte sie den Frankfurt-Marathon in 3:30 Stunden. Für sie ist das ihr „Heimmarathon“. Die Skyline, der Zeitpunkt im Herbst passt gut in den Trainingsplan, die schnelle Strecke seien die Gründe. Sie könne nicht alles in Worte fassen. Und Schwarzwälder schielt auf den Terminplan. Momentan trainiert sie regelmäßig. Würde sich abzeichnen, dass tatsächlich, trotz Corona, der Lauf in Frankfurt gestartet wird, steigert sie ihr Training sofort.
Zieleinlauf auf rotem Teppich
2019 waren über die klassische Distanz rund 14.000 Läufer gestartet, 2020 fiel der Lauf wegen der Pandemie aus. Auch für Schwarzwälder ist der Zieleinlauf der Höhepunkt. „Es ist ein Nervenkitzel auf dem roten Teppich. Ich laufe ins Ziel und habe vollendet. Ein Glücksgefühl“, sagt sie.
Der Neustadter Michael Metzger war zweimal in Frankfurt am Start und hat insgesamt 25 Marathonläufe in den Knochen. Der 65-Jährige spürt den Verschleiß und ist inzwischen aufs Rennrad umgestiegen. „Aber ich habe das Laufen erlebt und genossen. Jetzt ist Radfahren über 50 bis 120 Kilometern eine gute Kompensation“, sagt er. Angefangen hat Metzger im Neustadter Lauftreff am Römerweg 1977. Dort war er quasi eines der Gründungsmitglieder. „Mein Ziel war damals, mein Gewicht zu reduzieren. Motivation, dann längere Strecken zu laufen, war unsere Gruppe. In den besten Zeiten waren wir 20 Läufer“, erinnert er sich.
Premiere in Kaiserslautern
Sein Marathondebüt zwei Jahre später im Trikot des TV Gimmeldingen war hart. Metzger absolvierte die Premiere in Kaiserslautern in 3:23 Minuten. „Alles hat geschmerzt, ich bin am Schluss eingebrochen. Mein Gedanke war, ich lauf niemals wieder“, gesteht Metzger. 1986 startete er dann in Frankfurt, als der Marathon zum fünften Mal stattfand. Er erinnert sich an ein besonderes Publikum, tolle Unterstützung, ein professionelles Umfeld. „Das hat mich hochgepusht – ich bin zu schnell angegangen“, erzählt er. Doch letztlich stand eine starke Zeit auf der Anzeige im Ziel. Doch er selbst war mit 2:31 Stunden gar nicht zufrieden. „Aber ich war eigentlich nie mit meiner jeweiligen Zeit einverstanden. Ich wollte immer noch schneller sein“, gibt er zu.
Mit dem Team des TV Gimmeldingen holte Michael Metzger mehrmals den Pfalzmeistertitel über diese Distanz. Was dabei besonders zählt, ist die Kameradschaft in der Mannschaft und über die Vereine hinaus. „Ich habe viele Freunde über das Laufen gewonnen“, betont er. Und er verschweigt auch nicht, dass er einmal nicht das Ziel erreicht hat. „Beim Marathon über 42 Kilometer kann viel passieren. Es war in Herxheim, da waren die ersten 25 Kilometer noch gut, dann ging einfach nichts mehr, und ich bin ausgestiegen“, verrät er.
Mit 49 zum Marathon
Auch der Haßlocher Robert Raquet war bei seinen 24 Marathonläufen viermal in Frankfurt. Der 65-Jährige hat erst mit 49 Jahren mit dem Marathontraining begonnen. Vorher lief er ohne Ambitionen privat längere Strecken. Nach einem Start beim Halbmarathon in Gimmeldingen 2005 packte ihn der Ehrgeiz. Er bereitete sich mit dem Haßlocher Stefan Schulle auf den Mittelrhein-Marathon 2006 vor. „Es war ein klassisches Training mit zweimal Tempoläufen und einem langem Lauf am Wochenende“, erzählt er. Mit 50 Jahren lief er bei seiner Premiere nach 3:24 Stunden ins Ziel. Das habe genau gepasst, denn man rechne die Zeit eines Halbmarathons mit dem Faktor 2,22. So habe er eine Zeit von 3:30 Stunden angepeilt.
Wobei seine GPS-Uhr in Frankfurt ihm regelmäßig den Dienst versagt. Die Häuserschluchten in der City versperrten den Kontakt zum Satelliten. „Das machte Probleme, den Lauf einzuteilen. Es wurde zwar die Zeit angezeigt, aber nicht die Zeit pro Kilometer“, erzählt er. Auch die Strecke auf der anderen Mainseite beim Rückweg war heikel. „Sieben Kilometer geradeaus, oft gab es noch Gegenwind. Wenn dann an der Station die Straßenbahn neben mir hielt, wäre ich gerne eingestiegen. Es war Kopfsache, diesen Moment zu überwinden.“
London kein Lauf für Rekorde
Robert Raquet hat Frankfurt trotz der Probleme einmal in 3:14 Stunden gefinisht. Dennoch schwärmt er von einem anderen Citymarathon als Höhepunkt seines Läuferlebens. „London 2012 war einfach mein schönster Marathon“, stellt er fest. Er schwärmt von der Stimmung im Bankenviertel, von dem er vorher erwartet hatte, da wäre „tote Hose“. Doch genau dort war der Bär los. Besonders emotional sei auch der Lauf über die Tower Bridge gewesen, sagt er. Dort standen die Zuschauer in Viererreihen. Es folgte die Strecke an der Themse entlang mit Blick auf Big Ben und das Riesenrad „London Eye“. Zum Ziel ging es am Buckingham-Palast vorbei und dann noch 400 Meter zur Mall hinter dem Gebäude.
London sei kein Lauf für die Rekordlisten. Viele Läufer seien in Kostümen unterwegs. Die meisten unterstützten einen guten Zweck als Sponsor. Die gesamte Sightseeing-Tour schloss er dennoch in einer super Zeit von 3:17 Stunden ab. Als Belohnung folgten noch einige Tage Erholung mit seiner Frau, bei dem die touristischen Höhepunkte noch einmal wesentlich gemütlicher passiert wurden.
Geschichten aus der Geschichte: Die Idee eines Pfälzers
Vor 125 Jahren, am 10. April 1896, wurde in Athen bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit der Marathonlauf ausgetragen. Dass es dazu kam, hat nicht zuletzt mit einem Pfälzer mit Pirmasenser Wurzeln zu tun.Michel Bréal gilt als der Ideengeber des ersten olympischen Marathonlaufs seit der Antike. Der 1832 im pfälzischen Landau geborene Altphilologe und Sprachforscher war der Sohn des jüdischen Rechtsanwalts August Bréal, der aus Pirmasens stammte und ursprünglich Abraham Machel (oder Magol) hieß. Michel Bréal hatte seit 1866 eine Professur für vergleichende Literaturwissenschaft am Collège de France. Seit 1875 gehörte er dem Institut de France an.
In einem Brief vom 15. September 1894 schlug er seinem Freund Pierre de Coubertin, der gerade das Internationale Olympische Komitee gegründet hatte, vor, einen Lauf von Marathon zum Pnyx, dem berühmten Versammlungsort der Athener, in das Wettbewerbsprogramm der Olympischen Spiele von Athen 1896 aufzunehmen, „um den antiken Charakter zu unterstreichen“. Am Ende des Briefs hieß es: „Für meine Person beanspruche ich die Ehre, den ,Marathon-Pokal’ zu stiften.“
40 Kilometer gelaufen
Bréal brauchte Coubertin von seiner Idee nicht lange überzeugen. Spyridon Louis gewann bei der Premiere in 2:58,50 Stunden. Gelaufen wurden nur 40 Kilometer, heute sind es 42,195. Louis war einer von 13 Griechen im nur 17-köpfigen Starterfeld. Ein weiterer Grieche, Spyridon Belokas, lief nach 3:06,30 Stunden als Dritter ein, wurde aber nach einem Protest des viertplatzierten Ungarn Gyula Kellner disqualifiziert, weil er einen Teil der Strecke in einer Kutsche mitgefahren war.
Eine von Christoph Rothschuh aus Neustadt angefertigte Bréal-Bronze-Büste steht im Pfälzischen Sportmuseum in Hauenstein. Der Holzsockel für die Büste kam vom 2019 verstorbenen Gerhard Auer, 1972 in München mit dem deutschen Vierer Olympiasieger im Rudern und Inhaber der Firma Wasa in Waldfischbach-Burgalben. Dass heute in Pirmasens, der Heimatstadt seines Vaters, alljährlich der Pfälzerwald-Marathon ausgetragen wird, hätte Michel Bréal gewiss gefreut.