Hassloch
Leichtathletik: Jan Steinmüller vergleicht sich virtuell mit anderen Läufern
Der 24-jährige Steinmüller studiert in Mainz im sechsten Semester Sportwissenschaften und bereitet gerade seine Bachelor-Arbeit vor. Seit er in Mainz studiert, startet er für den TSV Schott Mainz. Vorher war Steinmüller beim LC Haßloch aktiv. Er konzentriert sich in Wettkämpfen auf die Distanz von 800 Metern. Seine Bestzeit liegt bei 1:56 Minuten über die doppelte Stadionrunde.
„Wir haben bei Schott Mainz ein starkes Team von Mittelstrecklern. Unser Saisonhöhepunkt sollten die deutschen Staffelmeisterschaften im Sommer sein. Vorher wären Anfang Mai die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften“, erzählt Steinmüller. Doch haben die verantwortlichen Gremien im Deutschen Leichtathletik-Verband entschieden, dass bis 19. Juli keine deutschen Meisterschaften der Leichtathleten stattfinden, darunter auch die nationalen Staffel-Titelkämpfe. Diese waren für 27./28. Juni in Wattenscheid vorgesehen. Abgesagt war auch das Trainingslager im März in Portugal. Dort wollte sich Steinmüller mit Teamkameraden auf die Freiluftsaison vorbereiten.
Der Start seines letzten Semesters wurde um eine Woche verschoben. Bis Mitte April war er deshalb auf Heimaturlaub in Haßloch und trainierte täglich, obwohl er momentan keine konkreten Saisonziele ansteuern kann. Gerade Leistungssportler können und wollen jedoch nicht komplett auf Bewegung verzichten.
Training mit anderen ausgefallen
„Das Training auf der Bahn mit Spikes ist bislang leider ausgefallen“, bedauert er. „Man konnte zwar auf der Straße auch Tempotraining machen, aber das ist nicht so effektiv. Auf der Bahn läuft man einfach ein höheres Tempo.“ Erst seit gestern ist es den Leichtathleten laut neuester Landesverordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wieder möglich, auf der Bahn zu trainieren. Vorausgesetzt, der Mindestabstand zu den Kollegen wird eingehalten. Doch hat Steinmüller auch vorher schon den Vergleich gesucht. Bisher sollten Sportler selbst Waldläufe alleine absolvieren. So hat sich der Haßlocher die App „Strava“ auf das Handy heruntergeladen. Strava ist nach eigenen Angaben ein soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten wie Radfahren, Joggen, Schwimmen, Skifahren oder Rudern. Nicht nur Läufer, sondern auch Radsportler messen sich hier mit ihren Leistungen. Strava informiert den Sportler zum Beispiel, ob er einen bestimmten Berg am schnellsten mit dem Rad hochgefahren ist. Oder ob ein anderer die Bestzeit dort unterboten hat. Die Athleten registrieren außerdem, ob ihre Zeiten auf bestimmten Strecken besser oder schlechter geworden sind.
Steinmüller: „Man kann selbst ein Segment erstellen, beispielsweise die Runde des Nikolauslaufes in Haßloch. Oder etwa einen Kilometer bei der Westrandstraße. Dann kann ich mich mit Haßlocher Läufern wie Emil Leibrock oder Marius Meyfarth virtuell messen.“ Diese Läufer können zu einem beliebigen Zeitpunkt die gleiche Strecke laufen und ihre Werte mit der App übermitteln. „Es gibt eine kostenlose Variante, die ich nutze. Die kostenpflichtige Variante bietet nicht wirklich viel mehr Funktionen, so dass sie nicht notwendig ist.“
Stadion in Neustadt geöffnet
Nach der Absage vieler Volksläufe fehlt dem Wahl-Mainzer jedoch der direkte Vergleich mit anderen Sportlern. Zwar läuft er in den Wettbewerben auf der Bahn lediglich 800 Meter, doch das Langstreckentraining und auch schnelle Läufe über größere Distanzen zählten bislang zur abwechslungsreichen Trainingsplanung. Für seine Familie stand beispielsweise jährlich der Mannheimer Marathon, bei dem auch eine Zehn-Kilometer-Distanz angeboten worden ist, im Terminkalender. Papa Dietmar, Mama Elke und seine 22-jährige Schwester Ina nahmen seit Jahren regelmäßig teil. Jetzt hoffen alle vier, dass es 2021 wieder weiter geht.
Immerhin ist das Neustadter Stadion wieder geöffnet. Laut Stadtverwaltung sind beim Training folgende Regeln zu beachten: Sämtliche im Stadion anwesenden Menschen müssen einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten. Trainingseinheiten mit direktem Kontakt sind untersagt. Trainingseinheiten dürfen ausschließlich alleine oder zu zweit erfolgen. Die Sanitäranlagen des Stadions bleiben geschlossen.