Neustadt Lehrreicher Rückblick

Deidesheim. Vier Künstler, die seit Jahrzehnten intensiv zusammengearbeitet haben, vereint die Ausstellung „Lebensmensch“, die ab morgen, Sonntag, 12 Uhr, in der Galerie von Friederike Zeit Narum zu sehen ist. Anlass für Zeit, auch außerhalb des alljährlichen Künstlersymposions „Intonation“ Ende März wieder eine Ausstellung zu organisieren, war der Tod Klaus Lehmanns im vergangenen Jahr: Zu ihm verband sie eine lange Freundschaft und viel Inspiration für ihre künstlerische Arbeit – ebenso wie zu den anderen Protagonisten der Ausstellung, Pit Nicolas und Franz Josef Altenburg.
„Wir standen alle über 30 Jahre hinweg in intensivem Dialog“, sagt Zeit. Der Tod Lehmanns im Alter von 89 Jahren habe den Ausschlag dafür gegeben, das, was in den vergangenen Jahrzehnten aus dieser gegenseitigen Inspiration heraus entstanden sei, gemeinsam zu präsentieren. Die Besucher erwartet eine subjektive Auswahl des kreativen Schaffens von vier Plastikern, die über die Jahre hinweg immer wieder in Deidesheim zusammenkamen und gemeinsam arbeiteten und die Keramikkunst-Szene in Deutschland maßgeblich beeinflusst haben. Franz Josef Altenburg beispielsweise war zuletzt 2014 einer der Teilnehmer der Intonation, Klaus Lehmann und Pit Nicolas arbeiteten 2006 gemeinsam in der Zeit’schen Werkstatt im Deidesheimer Schloss. Die immerhin 70 Exponate umfassende Schau umfasst Arbeiten aus der Zeit von 1983 bis heute und lässt den Betrachter teilhaben an der künstlerischen Entwicklung der Teilnehmer. So zeigt sich bei den Arbeiten Lehmanns, wie er sich von der anfänglich strengen Architektur seiner Plastiken über die Jahrzehnte hinweg zu freier Gestaltung hingearbeitet hat, experimentierfreudiger wird, beispielsweise Keramik mit anderen Materialien kombiniert. „An manchen Objekten haben wir auch zusammen gearbeitet“, erklärt Zeit: Das zeige nicht zuletzt das ungeheure gegenseitige Vertrauen, das Lehmann und Zeit über die Jahre hinweg verbunden habe. Die Arbeiten von Pit Nicolas sind inspiriert von Natur und Landschaft und archaischer Architektur. Sie verströmen die Atmosphäre urzeitliche Gebilde, machen den Entstehungsprozess unmittelbar erfahrbar – beispielsweise wenn er darauf verzichtet, den „Schlicker“ – das Material, mit dem er die einzelnen Elemente seiner Plastiken zusammenhält – zu entfernen. So gewinnt sein Werk eine Individualität, die zugleich Ruhe und Konzentriertheit ausstrahlt. Architektur ist auch ein großes Thema im Schaffen des Österreichers Franz Josef Altenburg – auch er ein „alter Kämpe“ der Keramik-Szene: Sein vielfach variiertes Rahmenthema – mittlerweile sind weit über 300 Stück entstanden – lebt aus der Kombination einzelner Bauteile, er experimentiert mit Grundrissen und schafft so architektonische Plastiken, in deren Innerem mal Leere, mal Chaos herrscht. Die Hausherrin selbst stellt Arbeiten aus der gemeinsamen Schaffensperiode mit Klaus Lehmann aus, die von Raum und Bewegung bestimmt sind, aber auch zahlreiche aktuelle Arbeiten. Ihnen ist gemein, dass die strenge Komposition gleichwohl von einer gewissen Leichtigkeit geprägt ist. Die Plastiken und Wandarbeiten kommen mal bunt, oft aber in streng reduzierter Farbigkeit daher. Die durchaus empfehlenswerte Schau erweist sich nicht zuletzt durch die kenntnisreiche Auswahl der Exponate als lehrreicher Spaziergang durch die Keramikkunst der vergangenen vier Jahrzehnte und dürfte damit auch und gerade für all jene geeignet sein, die sich bis dato noch nicht allzu intensiv mit dem Sujet vertraut gemacht haben. Die Zeit’sche Werkstatt und Galerie im Deidesheimer Schloss wird nach dem Ende der Ausstellung „Lebensmensch“ schon bald wieder zum Zentrum der Keramik: Von 24. März bis 2. April arbeiten anlässlich der 13. Auflage der „Intonation“ wieder fünf Künstler aus aller Welt – in diesem Jahr Hasan Sahbaz, Svein Narum, Heidi Bach-Hentze, Simon Zsolt Josef und Johannes Nagel – mit der Hausherrin an einer sicher erneut spannenden Abschlussausstellung. Auf die ehemalige Synagoge müssen die Künstler wegen des Brandschadens in diesem Jahr verzichten, deshalb hat das benachbarte Kern’sche Anwesen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. „Die 14. Intonation findet aber hoffentlich wieder auch dort statt“, sagt Zeit. Die Ausstellung „Lebensmensch“, Eröffnung morgen, 12 Uhr in der Galerie Friederike Zeit, Schlossstraße 6, in Deidesheim. Die Ausstellung ist bis 12. März mittwochs bis samstags von 15 bis 18 Uhr zu sehen, außerdem nach Vereinbarung unter Telefon 06326/5967.