Neustadt „Leere Fieß“ und Wunschkonzert

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Deidesheim. Vornehmlich das gesetztere Alter fand sich am Freitag in die Deidesheimer Stadthalle ein, um dem vom Radiosender SWR4 her bekannten „Traumpaar“ Gerda und Walter beim Ehe-Alltag beizuwohnen. Das ist nicht weiter überraschend, schließlich spielen Schauspielerin Alice Hoffmann und Norbert Roth, der Büttenredner der Mainzer Fastnacht (der mit der roten Nase und den kaputten weißen Handschuhen), aus dessen Feder im Übrigen alle Dialoge stammten, ein Paar, das ebenfalls die Flitterwochen schon lange hinter sich hat.

„So isses“ heißt das Programm, und das bezieht sich meist auf Alltagsthemen wie zu heißen Kaffee, die Bresten des Alters oder den Besuch eines Klavierkonzerts, bei dem die Gerda den Holländer Ludwig van Beethoven in der ersten Reihe erkannt haben will. Die Rollenverteilung ist dabei klar: Die arg naiv gezeichnete Gerda ist eine Meisterin im Verdrehen von Fremd- und Sprichwörtern, wird von ihrem cholerischen Ehemann ständig verbessert und durch sein Gemecker und Gemoser fast in den Wahnsinn getrieben. Umgekehrt ist auch Walter ständig auf der Palme, weil Gerda kein Fettnäpfchen auslässt und manchmal einfach zu begriffsstutzig ist. Seine eigenen Charaktereigenschaften sind aber auch nicht besser: kleinkariert, pingelig, den Allwissenden gebend. Frank Golischewski steuert dazu die Klavierbegleitung bei, die so tut, als käme sie aus einem alten Röhrenradio, das dann wahlweise lauter, leiser oder ganz abgedreht werden kann. Überwiegend 20er-Jahre-Schlager und kleine Moderationen stimmen auf das Thema des nächsten Sketches ein, so dass der Zuhörer immer schon ahnen, wohin die Reise als nächstes gehen könnte. Die Bühnendekoration erinnert dabei an eine Wohnzimmereinrichtung aus dem Trödelladen. Auch Walter, im Schlapperbademantel mit Zeitung im Sessel, ist kein übermäßig schöner Anblick. So stolpert das Paar denn von einem Missverständnis ins nächste, von einer „Kabbelei“ zu anderen – etwa beim Versuch, anhand der Speisen, die man auf einem Fest zu sich genommen hat, die Bekannten auseinander zu halten. Manches ist da dann sogar richtig lustig, beispielsweise die Szene, in der Walter seine Füße zwecks gemütlichem Zeitunglesen auf den Frühstückstisch legt und Gerda über die Vererbung „vun leere Fieß“ sinniert. Walter, der kleine Hypochonder, wähnt sich da schon im Sarg und zieht dafür sicherheitshalber schon mal seinen schwarzen Anzug an. Witzig sind auch die Verkleidungen der Protagonisten, beispielsweise, als sie aus dem Urlaub aus Portugal zurückkehren, er in Shorts und Hawaiihemd, den Photoapparat um den Hals gehängt, sie – bunt gekleidet mit Sonnenhut und Sonnenbrille, und den Urlaub Revue passieren lassen. Ihm war natürlich wieder alles nicht recht – die Matratze nicht und auch das Essen nicht, während sie in schönen Erinnerungen schwelgen könnte, wenn, ja, wenn da nicht die Stützstrümpfe gewesen wären. Wer denkt bei Alice Hoffmann nicht an „′s Hilde“, die Mutter der Familie Heinz Becker? Als Gerda ist sie weitaus plakativer, aufgesetzter, eine Figur, wie man sie aus vielen Comedy-Serien kennt. Man vermisst die starke Persönlichkeit hinter der etwas dümmlich-doofen Gerda. Man vermisst die Vielseitigkeit der saarländisch-babbelnden Schauspielerin, die im Übrigen gar nicht aus dem Saarland stammt. Norbert Roth wiederum übertreibt es bei seinem Walter doch ein wenig mit dem der Rolle immanenten Nuscheln, so dass der ein oder andere Gag schlicht untergeht. Doch auch so geht es in Turbogeschwindigkeit von Thema zu Thema, wobei sich immer eine Gelegenheit zum Streiten findet. Da hat alles mit allem zu tun: eine Elefantenjagd in Kanada mit einem Besuch in einer Straußwirtschaft oder Handkees mit Musik mit Fotos von Kamelen. In puncto Treffsicherheit ist bei den Gags aber sicher noch Luft nach oben. Wirklich witzig aber war die Zugabe, bei der Walter bei einem Wunschkonzert im Radio mitmacht und nebenbei seiner Ehefrau Anweisungen gibt, wie das Ganze aufzunehmen sei. Und ein einziges Mal ist Gerda ihrem Gatten dann sogar überlegen, nämlich, als sie von ihrem lebenden „Xylophon“ (gemeint ist Lexikon) wissen will, was ein „Lucky Looser“ ist und er das – „Lucky kommt von Lack und Looser bedeutet Löser“ – mit Lacklöser, sprich Terpentin übersetzt.

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