Sportstypen
Laura Kellner: Zufällig zum Wurf gekommen
Eine junge Athletin aus Baden-Württemberg, die in Mannheim lebt und dort für den MTV Mannheim als Hammerwerferin startet, ist im April bei der Sportlerehrung des Landessportbundes als deutsche Meisterin ausgezeichnet worden. Sie wurde nicht etwa in der Pfalz eingebürgert, nein, Laura Kellner startet nur bei ausgewählten Wettkämpfen im Trikot der TSG Haßloch.
Und so holte sie auch 2023 ihren nationalen Titel – im Rasenkraftsport. „Rasenkraftsport“, das ist auf den ersten Blick eine exotische Sparte der Werfer. Geworfen wird hier nämlich ein „Gewicht“, das ist ein dem „Hammer“ ähnliches Gerät, nur mit einer kürzeren Kette. Und es ist auch etwas schwerer als der Hammer. Zum Rasenkraftsport zählt in der Regel ein „Dreikampf“ mit „Gewicht“, dem regulären Hammer sowie einem „Stein“. Der „Stein“ ist ein Metallquader. Die Athleten müssen je nach Altersklasse mit unterschiedlich schweren Geräten werfen. Und die Sportler selbst werden in Gewichtsklassen eingeteilt. So können auch Sportler mit wenig Körpermasse in ihrer jeweiligen Klasse erfolgreich sein. Anders etwa in der regulären Leichtathletik: Da müssen sich auch die leichten Athleten den Schwergewichten stellen.
Rasenkraftsport als Kraft- und Techniktraining
Für Laura Kellner, deren Spezialdisziplin Hammerwurf ist, dient der Rasenkraftsport als Abwechslung. Die Übungen sind aber auch sogleich Kraft- und Techniktraining. So ist das „Gewicht“ ein Kilogramm schwerer als der reguläre Hammer. Doch die Bewegungsabläufe sind ähnlich. Kellner macht in dieser Saison mit dem Hammer Jagd auf die Norm für die deutschen Meisterschaften. Altersbedingt ist sie jetzt auf den Vier-Kilo-Hammer umgestiegen. „Ich muss noch Stabilität reinbringen. Mittlerweile mache ich vier Umdrehungen, um weiter zu kommen“, erklärt sie. Und wenn der Hammer ins Netz donnere, dann liege es meist an der Technik. Wie ein Roboter müsse man immer die gleichen Drehungen absolvieren. Ein kleiner Fehler bei der ersten Drehung ziehe sich dann durch den ganzen Wurf, weiß Kellner. Sie trainiert fünfmal in der Woche bei Khalid Alquawati in Mannheim. Rasenkraftsport steht nur kurz vor einem Wettkampf auf dem Trainingsplan. Als sie die beiden nationalen Titel in Waiblingen holte, kam sie mit dem Hammer auf 44,31 Meter, das Gewicht wuchtete sie auf 16,37 Meter, und den Stein stieß sie auf 8,70 Meter. Sie ist 1,73 Meter groß und 73 Kilogramm schwer, startet daher in der Gewichtsklasse über 65 Kilogramm.
Vom Sprint zum Wurf
Zum Wurf kam sie zufällig in einem Trainingscamp, als die ehemalige Sprinterin auch einmal einen Hammer in die Hand nahm. Als der Sprinttrainer im Verein aufhörte und gleichzeitig die Wurftrainer ein Auge auf sie warfen, wechselte sie die Disziplin. Inzwischen liegt sie im vorderen Drittel ihrer Altersklasse in Deutschland.
Laura Kellner absolviert eine Ausbildung als Physiotherapeutin. Und kann so Hobby und Beruf gut kombinieren. „So lerne ich den Körper und die Muskeln besser kennen. Im Krafttraining verstehe ich durch das Anatomiewissen, wie die Muskeln reagieren“, betont sie. Inzwischen bleibt wenig Zeit für ihr zweites Hobby, ihr Pferd Alma. Das Kaltblut wird aber auch von ihrer Mutter bewegt. Kellner gesteht: „Wenn ich länger nicht geritten bin, gibt es schon Muskelkater. Aber es ist sehr entspannend auszureiten.“