Neustadt Langlebiges Kerlchen

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Kinder wie die Zeit vergeht: Große runde, blaue Augen, pausbäckiges Gesicht, so strahlt der „Brezelbu“ seit 50 Jahren von den Plakaten des Brezelfests. Natürlich dürfen ihm eine echte „Speyermer“ Brezel und ein kühles Getränk nicht fehlen. 1965 von Grafiker Wolfgang Witz aus der Wiege gehoben, steht er als Wahrzeichen für das Volksfest. Als Geburtstagsfeier zu seinen Ehren steigt es vom 9. bis 14. Juli.

2500 Personen in 101 Zugnummern werden dem Kerlchen am Brezelfest-Sonntag (12. Juli, ab 13.30 Uhr) mit „Tamtam und Juchu“ die Ehre geben. Trachten-, Volkstanz-, Theater- und historische Gruppen; alle möchten dabei sein, um ihre Glückwünsche zu übermitteln. Gesehen hat der Brezeljunge in seinen 50 Lebensjahren schon einiges. Ausschweifende Nächte, glückliche Kinder auf den Reitschulen – und immer war er dabei, hielt die Hand über das Brezelfest. Berichten könnte er nicht nur von Feuerwerken, sondern auch vom sportlichen Kräftemessen: Boxkämpfe und der Brezelfest-Lauf zogen und ziehen die Massen an. Und sogar besungen wurde er: gleich in seiner ersten Saison, mit einem ganz neuen Marschlied vom „Speyermer Brezelbub“. Vom damaligen Vorsitzenden des Verkehrsvereins Speyer, Hugo Rölle, wurde 1964 zu einer Pressekonferenz in den „Halbmond“ geladen. Hintergrund: Das alte Plakat hatte ausgedient, ein neues musste her. Wie Beiratsmitglied Frank Scheid berichtet, hat Kunstmaler Karl Graf damals zu bedenken gegeben, „dass das Brezelfest ein Volksfest sei und mit dem Plakat daher die Volksseele angesprochen werden müsse“. Bürgermeister Stefan Scherpf habe hinzugefügt, „dass auf dem Plakat die Freude und das Vergnügen zum Ausdruck kommen müsse und der Text kurzzuhalten wäre, da mit dem Brezelfestplakat eine Reihe von Jahren geworben werde“. Recht sollte er behalten: Erst 1996 gab es seitens des Verkehrsvereins erstmals Bestrebungen, den altbekannten „Brezelbu“ in Rente zu schicken. Der ausgerufene Plakatwettbewerb brachte jedoch keinen überzeugenden Neuentwurf, und so schwingt der Knirps noch heute seine Brezel. Das hätte sich sein Schöpfer Wolfgang Witz wohl auch nicht träumen lassen, hatte er doch beim Wettbewerb 1965 nur das Preisgeld für den Drittplatzierten in Empfang genommen. Wie er es dann, statt der zunächst vorgezogenen Entwürfe von Hein Albig und Roland Schmidt auf das Festplakat geschafft hat, könne leider auch in den ordentlich geführten Archiven des Verkehrsvereins nicht mehr nachvollzogen werden, so Geschäftsführer Claus Rehberger. Info Kein Brezelfest ohne offizielle Postkarte. Die Sparkasse Vorderpfalz gibt auch in diesem Jahr die Ansichtskarte heraus, die diesmal im Zeichen des 50. Geburtstags des „Brezelbu“ steht. Die 24. Brezelfest-Postkarte ist in limitierter Auflage von 3000 Stück in allen Sparkassen-Geschäftsstellen in Speyer erhältlich.

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