Neustadt
Landesgartenschau: Was würde eine Verschiebung bedeuten?
Eine Verschiebung der Neustadter Landesgartenschau ins Jahr 2028 „würde mich nicht glücklich machen“, sagt Oberbürgermeister Marc Weigel. Und sein Tonfall zeigt deutlich, dass er dies bewusst als Untertreibung formuliert hat. Und dennoch prüfen Land und Stadt genau das, die Verschiebung der Großveranstaltung um ein Jahr, wie am Dienstagmittag bekannt wurde. Weigel hält diesen Schritt auch für notwendig, ausgelöst durch Verzögerungen beim Bau.
Eine Gartenschau sei „mit gewissen Erwartungen verbunden“, betont der Oberbürgermeister, und es sei fraglich, ob diese unter den aktuellen Bedingungen erfüllt werden könnten, wenn man wie geplant im April 2027 die Tore öffne. Man könnte die Veranstaltung dann jedenfalls nur mit „erheblichen Qualitätseinbußen“ durchführen. Zwar sei man nur wenige Wochen in Verzug, aber bei Gartenschauen sei das Saisonale wichtig, der Frühling müsse genauso erlebt werden können wie Sommer und Herbst.
Doch der Frühling steht eben auf der Kippe, weil sich Baumaßnahmen verzögern, wie aus einer Mitteilung von Stadt, Land und LGS-Gesellschaft hervorgeht. Konkret geht es um den Sportpavillon, dessen Bau noch nicht beginnen konnte, weil die beauftragte Firma insolvent ist. Aber auch bei dem geplanten Trogbauwerk am Bahndamm gibt es Probleme. Es soll einen durchgehenden Rad- und Fußweg entlang des Speyerbachs ermöglichen. Die Verzögerungen strahlen den Veranstaltern zufolge auf die weiteren Arbeiten aus, auch auf die Aussaat. Stand jetzt könnte die LGS demnach erst zehn Wochen nach dem bisherigen Eröffnungstermin 15. April beginnen. Deswegen hat die LGS-Gesellschaft den Wunsch an Stadt und Land herangetragen, die Schau um ein Jahr zu verschieben.
Zusätzliche Kosten
Bei der Entscheidung darüber werde man auch die zusätzlichen Kosten betrachten, die eine Verschiebung mit sich brächten, heißt es in der am Dienstag verschickten Pressemitteilung. Wie hoch diese sein würden, ist demnach noch offen. Klar ist, dass das Personal ein Jahr lang weiter bezahlt werden müsste – und auch die Landschaftspflege würde sich verlängern. Andererseits würde auch ein späterer Eröffnungstermin im kommenden Jahr zu Einnahmeverlusten führen.
Wer die Mehrkosten tragen müsste, ist wohl auch noch nicht geklärt, zumindest wurde es nicht kommuniziert. In der Pressemitteilung heißt es, dass Stadt und Land in einem engen, offenen und vertrauensvollen Austausch seien. Über „die konkrete Ausgestaltung einer möglichen Unterstützung solle gemeinsam und partnerschaftlich gesprochen werden“. Zunächst müssten aber die Gremien entscheiden. Dazu zählt neben der Landesregierung auch der Neustadter Stadtrat, der sich wahrscheinlich Anfang Februar mit dem LGS-Termin befassen wird.
Der Wirtschaftsplan für die Landesgartenschau sah zuletzt Kosten in Höhe von rund 42 Millionen Euro vor, der Eigenanteil der Stadt lag demnach bei 13,7 Millionen Euro. Hinzu kommt der sogenannte Durchführungshaushalt für das Veranstaltungsjahr, in dem mit Ausgaben in Höhe von 19,7 Millionen Euro und Einnahmen von 15,5 Millionen Euro gerechnet werden.
Personal wäre länger an Bord
Was bedeutet der noch offene Termin für die Arbeit der LGS-Gesellschaft? Geschäftsführerin Anne Pieper sagte der RHEINPFALZ dazu, dass sie natürlich Verständnis dafür habe, dass Land und Stadt die Frage gründlich prüfen, bevor sie zu einer Entscheidung kommen. Doch wäre das LGS-Personal 2028 überhaupt noch an Bord? Schließlich dürften die Verträge der meisten Teammitglieder bisher 2027 enden. „Das sieht gut aus“, sagte Pieper. Sie habe dazu auch schon einige Gespräche geführt. Und das sei neben den baulichen Problemen auch in ihre Abwägung eingeflossen, bevor sie eine Verlegung angeregt habe. Zudem sei es so, dass die Belastung des Teams derzeit extrem hoch sei. Das könne man auf Dauer so nicht durchhalten.
Die mögliche Verschiebung der LGS war am Dienstag ein Paukenschlag, doch völlig geräuschlos ist das Projekt vorher auch nicht immer verlaufen. So trennte sich die Landesgartenschau-Gesellschaft im August 2025 nach mehr als dreieinhalb Jahren von ihrem Geschäftsführer Tobias Dreher. Die Trennung sei im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt, hieß es damals, Gründe wurden aber keine genannt. Nach RHEINPFALZ-Informationen sollen Unstimmigkeiten im LGS-Team die ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Dreher kehrte zur Projektgesellschaft Landesgartenschau zurück, von der er auch entsandt worden war. Die Projektgesellschaft, die von Gartenbauverbänden und Landschaftsarchitekten gebildet wird, ist neben der Stadt Gesellschafterin der LGS-Gesellschaft. Diese wird seither von Anne Pieper allein geführt, die zuvor eine Doppelspitze mit Dreher bildete.
Ursprünglich war übrigens als LGS-Termin sogar das Jahr 2026 vorgesehen. Aber im September 2021, etwa zwei Wochen vor Abgabefrist der Bewerbung, entschied sich das Landeskabinett, auf 2027 zu verschieben. Das federführende Wirtschaftsministerium begründete das damals damit, dass dies auch der Wunsch von Bewerbern gewesen sei. Neustadt setzte sich dann im März 2022 gegen fünf Konkurrenten durch.