Neustadt Land und Leute:

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„Der Apfel war nicht gleich am Baum. Da war erst lauter Blüte. Da war erst lauter Blütenschaum. Da war erst lauter Frühlingstraum und lauter Lieb und Güte“, heißt es in der „Apfelkantate“ von Hermann Claudius. Ein Frühlingstraum ist derzeit auch die Meckenheimer Streuobstwiese an der Schleit, blüht derzeit dort doch nahezu alles, von den ganz jungen Bäumen – und den Pflanzpfählen – einmal abgesehen. Ganz in Weiß präsentieren sich Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen, weiß bis rosarot die Äpfel. In den Kronen der Obstbäume ist ein vielstimmiges Summen von blütenbestäubenden Wespen, Hummeln, Honig- und Wildbienen zu hören. Dazu gesellen sich als Blütengäste Schmetterlinge, Schwebfliegen und Wollschweber. Die reiche Blütenpracht lässt auf ein sehr gutes Obstjahr 2017 hoffen. Bereits ein Fruchtansatz von fünf bis zehn Prozent der Blüten reicht bei Äpfeln, Birnen und auch Quitten für einen Vollertrag aus. Lange vor den Zeiten des Gimmeldinger Mandelblütenfestes gab es in Deutschland schon sogenannte „Blustfahrten“, die naturentwöhnte Großstädter in der Zeit der Obstbaumblüte aufs Land brachten, etwa an die hessisch-badische Bergstraße oder ins Alte Land bei Hamburg. Die Meckenheimer haben es zu ihrem Naturparadies, wo sich erwiesenermaßen Hase, Feldsperling und Fasan gute Nacht sagen, etwas näher. Der Blütenschaum dürfte auch in den nächsten Tagen zu bewundern sein – und manche Blüte kommt erst noch. Japaner besuchen Deutschland gerne, und der Mittelrhein sowie Heidelberg sind touristische Attraktionen in Rheinland-Pfalz und der Kurpfalz, die zu ihren liebsten Zielen zählen. Auf den Tourismusrouten der Gäste aus Fernost liegt Deidesheim nicht unbedingt. Das kann sich aber ändern. Jedenfalls war der japanische Generalkonsul Takeshi Kamiyama zusammen mit seiner Gattin und dem emeritierten Professor Hanns Stephan Wüst zu Gast in Deidesheim. Und mit dem Stadtbürgermeister Manfred Dörr sowie dem Geschäftsführer der Tourist Service GmbH, Stefan Wemhoener, unterhielten sie sich auch über Tourismus. Der Generalkonsul werde gerne einmal wiederkommen und mit den Vertretern der Stadt über eine mögliche Zusammenarbeit im deutsch-japanischen Tourismus sprechen, berichtete Dörr. Einige Berührungspunkte zwischen Japan und Deidesheim gibt es ja bereits. So wurde das bekannte Deidesheimer Weingut Reichsrat von Buhl lange von einem Getränkehändler aus Japan gepachtet, Weine wurden von dort nach Fernost exportiert. Heute gibt es das japanische Restaurant Fumi im Kathrinenbild und das Weingut Biffar, das von der japanischen Oenologin Fumiko Tukuoka und ihrem Team geführt wird. Auch der Deidesheimer Geißbock spielt zwischen Japan und Deidesheim eine gewisse Rolle. Als nämlich der 1. FC Köln zum zweiten Mal mit einem Deidesheimer Geißbock als Maskottchen deutscher Fußballmeister geworden sei, habe mit Okudera erstmals auch ein japanischer Fußballer in der Bundesliga gespielt, weiß Dörr. Ein weiterer Kontakt bietet sich vielleicht an: Deidesheim gehört ja seit einigen Jahren zu Cittaslow, der „Vereinigung der lebenswerten Städte“. Diese hat die meisten Mitglieder in Italien, wo sie ihren Urspung hatte. 17 sind es bereits in Deutschland. Inzwischen hat Cittaslow sich weit über Europa hinaus verbreitet. Viele Städte aus Asien sind Mitglied, auch aus Südkorea und – man höre und staune – aus der Volksrepublik China. Mit Kesennuma ist erst eine aus Japan dabei. Vielleicht trägt ja Deidesheim über den Kontakt zum Generalkonsul dazu bei, die Ziele dieser traditionsbewussten und gastfreundlichen Städte auch in Japan weiterzutragen. |ain

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