Neustadt Land und Leute:
Da war doch mal was. Im Herbst vorigen Jahres erlebten die Besucher und Mitarbeiter eines Discounters am Rande von Deidesheim eine ungewöhnliche Überraschung, als plötzlich zwei Schweine, die sich wohl verlaufen hatten, dort Zuflucht suchten. Ein Anruf bei der Polizei in Haßloch brachte bald Klarheit über die Herkunft der „Ausbrecher“. Denn die Beamten fragten bei Ulrich Eichberger nach, dem jungen örtlichen Schreinermeister mit einem Hang für die Haltung von Kleinvieh. In der Tat konnte der 30 Jahre alte Deidesheimer bestätigen, „dass die Schweine von uns sind“. Genau gesagt handelte es sich um jene zwei Borstentiere, die Eichberger zusammen mit acht Kumpels ihrem gemeinsamen Freund Jan Hock in dessen Hochzeitsnacht im Juni vergangenen Jahres auf dem Balkon hinterlassen hatten. Als Geschenk zum Junggesellenabschied. Doch auf dem Balkon konnten die Viecher, anfangs noch kleine Ferkel, auf Dauer nicht bleiben. Was also tun? Ab mit den Säuen auf die Weide, wo Eichberger sonst den Geißböcken, die alljährlich am Dienstag nach Pfingsten in Deidesheim versteigert werden, vorübergehend Unterkunft bietet. Von dort also büxten die beiden Schweine aus und liefen in eben jenen nicht weit entfernten Lebensmittel-Discounter gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus. Dort fing Eichberger zusammen mit Freunden und Mitarbeitern die Tiere schließlich wieder ein und brachte sie zurück auf die Weide. Ende gut, alles gut, hätte man sagen können. Bloß, dass das dicke Ende erst jetzt kam. Und zwar für die beiden Säue. Die nämlich sind jüngst von Eichberger und Co. geschlachtet und zu Wurst und Fleisch verarbeitet worden. Unter der fachlichen Anleitung von Metzgermeister Stähly passierte das im Weingut Margarethenhof in Forst. Das Fleisch und die Wurst wurden anschließend – wie es bei den Jungs so üblich ist – brüderlich geteilt. Bei der Gelegenheit ließen sie nach getaner Arbeit und bei Worschtsupp, Wellfleisch, frischer Hausmacher und einem guten Pfälzer Schoppen die Eheschließung von Jan Hock ein zweites Mal hochleben. (wij)