Neustadt Land und Leute:
Malade Puppen und lädierte Teddys haben Omas, Mütter und Mädchen in die Sprechstunde von Puppendoktor Günter Geier in der Deidesheimer Spitalklause der Stiftung Bürgerhospital gebracht. Dort hat „Doktor“ Geier mit seiner mobilen Notarztpraxis Station gemacht. Alle Puppenpatienten und Stofftiere konnten nach drei Tagen als geheilt entlassen werden. Nur ein Teddy, der sich die Pfoten arg verletzt hatte, musste mit auf Geiers Station in der Puppenklinik in Altendorf- Seußling. Der Plüschbär ist einer seiner letzten Patienten. Denn zum Jahresende gibt der 76-jährige Puppendoktor seine mobile Praxis und die Klinik nach 55 Jahren auf. Es waren somit auch die letzten Sprechstunden in Deidesheim. Seine Frau Ute hat ihm den Ruhestand verordnet: Eine bittere Pille, die er der Gesundheit wegen schluckt. Seine Approbation zum Puppendoktor erlangte Günter Geier, gelernter Schneider, nach einem „Studium“ bei seinem Puppendoktorvater. Seither reist er durch Deutschland und Österreich mit seiner Notarztpraxis. Es hatte sich herumgesprochen, dass er in Deidesheim zum letzten Mal praktizierte. Deshalb war der Andrang groß. Der Puppendoktor stand die halben Nächte am OP-Tisch für Trans- und Implantationen an betagten Puppendamen und Teddys. Mal restaurierte er Arme oder Beine an wertvollen Puppen, ersetzte ausgeleierte Schnüre, kittete Kopfwunden und Löcher mit selbst hergestellter Zelluloidsalbe, verpflanzte Haare. Oder er glättete Falten von „viel bespielten Puppen“, wie das Liebdrücken im Fachjargon heißt. Eine Puppen-Operation wird er jedoch nicht vergessen. „Sie hatte Glaswolle im Bauch“, sagt Günter Geier entsetzt über das gefährliche Füllmaterial. Dass heutzutage Puppen, die meistens in Asien gefertigt werden, aus Kunststoff sind, macht ihn traurig. Denn oft werden deren Wunden nicht versorgt, und sie landen nach Beschädigungen schlicht und einfach auf dem „Puppenfriedhof“. (awk)