Neustadt Lachen, bis die Polizei kommt

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Deidesheim. Die Wiederbelebung ist geglückt: Am Samstag ließ das Boulevardtheater Deidesheim erfolgreich „Die Leich im Rhoi“ auferstehen. Nach fünfjähriger Pause hat das Ensemble um Regisseur und Hauptdarsteller Andreas Burger das Stück, das erstmals 2001 in Deidesheim inszeniert worden war, liebevoll überarbeitet und sorgte mit viel Spielfreude dafür, dass das Premierenpublikum von der ersten bis zur letzten Minute aus dem Lachen nicht mehr herauskam.

In der Komödie von Ray Cooney dreht sich alles um „Money, Money, Money“, wie der „Abba“-Hit schon zu Beginn verrät. Während Uschi (Birgit Schwinn) auf ihren Mann, Geburtstagskind Hans-Dieter, wartet, ahnt sie noch nicht, welches Chaos gleich mit ihm in ihr trautes Heim einziehen wird. Denn: Hans-Dieter hat einen Aktenkoffer mit 1,5 Millionen Dollar gefunden – eine Verwechslung, die das beschauliche Leben der Pfefferbachs gehörig auf den Kopf stellt. Hans-Dieter, für den ein souverän agierender Andreas Burger in jeder Situation den richtigen Ton und Gesichtsausdruck parat hat, möchte mit dem Geld auswandern und zwar sofort. Er bucht lallend, da er im Restaurant Römer ob des plötzlichen Geldsegens zu viele Schnäpse getrunken hat, Flugtickets, hat jedoch nicht mit dem Widerstand seiner Frau gerechnet, die das Geld auf gar keinen Fall behalten will. Als plötzlich Kommissar Pfisterer (Jochen Tassler) vor der Tür steht, bekommt sie Panik. Doch der Gesetzeshüter, den Tassler cool und lässig und zudem mit einer leichten, aber sehr zur Figur passenden Spur Arroganz gibt, legt Hans-Dieter „nur“ „Anmache von Männern“ zur Last und verlangt Schweigegeld. Doch damit noch nicht genug: Taxifahrer Axel (Gregor Michmé), das befreundete Ehepaar Frank (Frank Lusiak) und Betty (Alexa Burger) und ein weiterer Kommissar von der Mordkommission (Swen Richter) sorgen im Hause Pfefferbach für zahlreiche Verwicklungen. Während Frank und Betty in die Existenz des Geldkoffers eingeweiht werden, gilt es diesen vor den anderen Gästen geheim zu halten – was zu allerlei komischen Situationen führt, denn es werden munter nicht existierende Familienmitglieder aus Australien erfunden, um den „Alles-ist-gut“-Anschein aufrechtzuerhalten. Hans-Dieter mutiert schließlich sogar zu seinem eigenen Bruder Archie, damit nicht auffliegt, dass die Leiche, die in Ludwigshafen aus dem Rhein gefischt wurde und bei der sein Aktenkoffer gefunden wurde, gar nicht er ist. Zudem stören immer wieder Anrufe eines ominösen „Mr. Big“, der etwas von einem „Oktokoff“ faselt, das ohnehin schon chaotische Durcheinander, in dem bald keiner mehr genau weiß, wer er eigentlich ist ... In dieser turbulenten Inszenierung geht es Schlag auf Schlag. Kein Wunder also, dass Uschi Pfefferbach nicht nur langsam dem Alkohol verfällt, sondern sich auch „in ein nervöses Frack“ verwandelt. Birgit Schwinn glänzt in dieser Rolle. Sie lässt sich Zeit, damit sich ihre Worte und Mimik entfalten können und gewinnt damit sofort die Sympathie des Publikums. Gregor Michmé sorgt als lispelnder und leicht vertrottelt wirkender Taxifahrer für so manch heitere Auflockerung und eine faustdicke Überraschung am Schluss. Swen Richter zeigt seine ganze emotionale Bandbreite und mutiert vom schüchternen Hauptkommissar Huber regelrecht zur Furie – ein Gefühlsausbruch, der die Lachmuskeln der Zuschauer ordentlich strapaziert. Diese werden auch bei den Szenen, die sich auf dem Sofa abspielen, ganz schön „gequält“. Irgendwann stecken alle mehr oder weniger unter einer Decke – und das wörtlich. Die oft wiederholte Anweisung „Fransen außen“ reicht schon aus, um schallendes Gelächter zu erzeugen. Alexa Burger verleiht ihrer Betty eine leichte Naivität und sorgt zudem mit ihrem Denglisch für ordentlich Spaß. Frank Lusiak überzeugt mit einem Minenspiel, das die Emotionen seiner Figur Frank treffend auf den Punkt bringt. Zu guter Letzt hat auch Rüdiger Willisch einen kurzen, aber entscheidenden Auftritt als ominöser Anrufer. „Ich bin mir sicher, dass unsere Inszenierung meinem Vater gefallen hätte“, meinte Willisch, dessen Vater Hans-Dieter im vergangenen Dezember verstorben war. Zehn Jahre lang hatte der Gründer des Boulevardtheaters die Hauptrolle in „Die Leich im Rhoi“ gespielt. Auch am Wochenende war er ein Stück weit dabei, denn ein Schwarz-Weiß-Foto von ihm gehört zum liebevoll gestalteten Bühnenbild. Damit zollt das Ensemble dem Mann Respekt, der das Stück in Deidesheim zu einem Dauerbrenner gemacht hat. Die Zuschauer dankten dem perfekt aufeinander abgestimmten Team mit langem Applaus und Standing Ovations für einen überaus unterhaltsamen Abend. Termine Die nächsten Vorstellungen, für die noch Karten zu haben sind, gibt es am 9. April und 13. Mai. Vorverkauf bei Brillen Bott in Deidesheim oder unter www.reservix.de.

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