Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Lachen über den Tod: Die höchst vergnügliche Lesung des Schriftstellers Markus Orths in der Stadtbücherei

Markus Orths verbreitete mit seinem kleinen Roman „Tante Ernas letzter Tanz“ viel Freude in der Stadtbücherei.
Markus Orths verbreitete mit seinem kleinen Roman »Tante Ernas letzter Tanz« viel Freude in der Stadtbücherei.

So viel gelacht wurde noch selten bei Lesungen des „Literarischen Forums“ in der Neustadter Stadtbücherei: „Köstlich“ und „sehr unterhaltsam“ lauteten am Ende zwei repräsentative Kommentare des erfreulich zahlreich erschienenen Publikums, nachdem der Karlsruher Schriftsteller Markus Orths am Freitagabend den Buchdeckel von „Tante Ernas letzter Tanz“ endgültig zugeklappt und alle Fragen mit trockenem Humor beantwortet hatte.

Das kleine Büchlein ist eine schwarze Komödie über das Leben und den Tod voller Sprachwitz und Situationskomik und zugleich eine Hommage an die Menschen des Niederrheins, die Herkunftsregion Orths“, ihre Sprache und ihre Lebensart. Mit welcher traurigen Fröhlichkeit die mit dem Thema Sterben umgehen, verdeutlichte der Autor gleich zu Beginn mit einer nach eigener Aussage selbst erlebten Episode über den Tod seiner Großmutter, die im Kreis ihrer großen Familie verstarb – und zwar genau in dem Moment, in dem die ganze Sippe herzhaft lachte über einen Lese-Lapsus des Onkels beim „Herr, erbarme Dich“. Ähnlich skurril geht es auch im Buch zu, wo der Ich-Erzähler zu Besuch bei seinen 80-jährigen Eltern in Niederkrüchten weilt und die Nachbarin, „das Klärchen“, die eigene Tochter, die in München Karriere gemacht hat und sich weit seltener in die alte Heimat bequemt, mit der Nachricht vom Tod der Tante Erna herbeilockt. Die ist zwar schon 99, aber trotzdem noch sehr lebendig. „Ja, was denn jetzt?“, lässt Orths die Mutter des Ich-Erzählers ausrufen, als das Klärchen alle über ihre Fake-News in Kenntnis setzt. „Ist die jetzt tot oder lebt die noch? Beides zusammen geht ja nicht.“ „Doch“, sagt das Klärchen, „bei mir schon.“

Im Schnelldurchlauf von einem Gag zum nächsten

Man kann sich sicher gut vorstellen, wie gut solche auf Pointe gestrickten Dialoge bei den Zuhörern ankommen, zumal Markus Orths auch ein versierter Performer ist. So führt er sein Publikum mit viel Witz durch die rasante Handlung, wobei man etwa Zeuge wird, wie der Vater des Ich-Erzählers die verlorene Brille des Klärchens per Internet findet, denn „Die haben doch extra Suchmaschinen dafür!“, oder der real existierende Hanser-Verleger Jo Lendle indirekt bei der Menü-Auswahl im Sterne-Restaurant behilflich ist („Schweinelendchen haben wir auch“). Schluss macht er mit seinem vergnüglichen Schnelldurchlauf erst auf Seite 84, was für ein Buch, dessen Hauptteil nur 141 Seiten hat, schon eine beachtliche Quote darstellt.

Ein Anschlussband erscheint im Herbst

Zu wahrer Bestform läuft Orths dann beim Lesen des Schlussmonologs auf, einem Non-Stop-Redestrom der Mutter Irma, der sich bei der stillen Lektüre viel anstrengender ausnimmt, als jetzt beim mündlichen Vortrag. Bei Irmas Überlegungen dazu, wie Mönchengladbach zu seinem Namen kam, gibt es sogar Szenenapplaus. Dies sei recht eindeutig die Stimme seiner eigenen Großmutter, erklärt der Autor, der selbst unweit von Niederkrüchten, in Viersen, aufgewachsen ist und auch verrät, dass diese Monolog ursprünglich fürs ganze Buch geplant war. Man kann angesichts der spritzigen Dialoge, die man zuvor gehört hat, nur begrüßen, dass es letztlich anders kam.

Trotz der scheinbaren Leichtigkeit sei ihm das Schreiben des Buches wegen der vielen Bezügen zur eigenen Herkunft nicht leicht gefallen, berichtet Markus Orths auch noch. Und dass Band 2 der Niederkrüchten-Reihe vom Verlag bereits fest für diesen Herbst eingeplant wurde. „Er ist aber noch nicht geschrieben“, schließt der 53-Jährige darauf mit jungenhaftem Lächeln gleich an – und hat die Lacher einmal mehr auf seiner Seite.

Lesezeichen

Markus Orths: Ewig währt am längsten. Tante Ernas letzter Tanz. Roman. DTV, Hardcover, 156 Seiten, 10 Euro.

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