Neustadt „Kroate-Bub“ zum Mitnehmen

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Deidesheim. Für Boris Stijelja ist heute ein großer Tag. Ein Tag, an dem sich für den 32-Jährigen ein Traum erfüllt. Im Boulevardtheater Deidesheim, seiner Heimatspielstätte, in der der Theaterleiter normalerweise mit dem Schauspielensemble auf der Bühne steht, feiert er die Premiere seines ersten eigenen Comedyprogramms „Cevapcici to go“. Darin macht er quasi einen Seelenstriptease, denn: Er berichtet schonungslos ehrlich, wenn auch leicht überspitzt, über sein Leben und seine Erfahrungen sowohl in seiner Heimat Kroatien als auch in seiner Wahlheimat Ludwigshafen.

Stijelja hat seine Show schon mehrmals in anderen Städten bei Auftritten getestet und trotzdem sei er sehr aufgeregt vor der ersten Vorstellung in seinem zweiten Wohnzimmer: dem Boulevardtheater Deidesheim. Hier begeisterte er sein Publikum im Solostück „Macho Man“ genauso wie in Boulevardkomödien wie „Meine dicke Freundin“ oder „Ein Käfig voller Deppen“. Auf der Bühne zu stehen ist für den 32-Jährigen nicht nur ein Job, sondern seine Leidenschaft. Dieser fügt er nun eine weitere Facette hinzu, denn in „Cevapcici to go“ verkörpert er keine Rolle. Vielmehr steht dieses Mal auf dem „Drehbuch“ unter der Rubrik Autor sein Name. „Das Programm habe ich entwickelt“, sagt Stijelja, der für die Regie einen bekannten Kollegen gewinnen konnte: Ole Lehmann ist selbst Comedian und die Stimme des Quatsch Comedy Clubs. Gemeinsam habe man fast ein Jahr an der abendfüllenden Show gefeilt. Wichtig sei ihm, dass alles „authentisch“ ist. „Das ist zu 100 Prozent autobiografisch, das ist quasi der Boris zum Mitnehmen“, sagt Stijelja lachend. Einer Aussage von Hans-Dieter Willisch, den Stijelja gerne als „Ziehvater“ bezeichnet, da er in seinen Anfangszeiten am Boulevardtheater Deidesheim von ihm viel gelernt habe, sei es zu verdanken, dass das eigene Leben nun die Grundlage für ein ganzes Comedystück bildet. „Er hat immer zu mir gesagt: ,Du bist am lustigsten, wenn du Privatgeschichten erzählst.’ Also habe ich einfach mal über mein Leben nachgedacht und alles, was mir eingefallen ist, aufgeschrieben“, erzählt der Wahlpfälzer. Sein Publikum darf sich daher nun auf ganz private Einblicke in sein Leben freuen. Stijelja gibt dabei auch Erfahrungen preis, die er während des Balkankriegs in einem Vorort von Split gemacht hat. „Das ist ein Ort mit nur einem Vokal, für den man bei Scrabble 450 Punkte bekommt“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. Selbst als er dann von seinen Erlebnissen im Schutzbunker berichtet, weicht das Lachen nicht aus seinem Gesicht. „Es war eine schwierige Zeit von 1991 bis 1993, aber wir haben es uns im Bunker schön gemacht. Wenn man drei Jahre lang mit Sirenengeheul lebt, dann gewöhnt man sich genauso daran wie an einen Pullover, der kratzt“, sagt er. Gleich darauf kommt er auf seine Oma zu sprechen. „Sie war mit 81 Jahren richtig flott gekleidet: Jeans, Pulli, Stiefel – bei Shopping Queen hätte sie perfekt zu dem Motto ,Du und Deine Klunker, mach Dich schick für den Bunker’ gepasst“, berichtet Stijelja, der es versteht, seine Erlebnisse auf humorvolle Art zu verpacken. Selbst wenn er manches aus dramaturgischen Gründen etwas überspitzt darstellt, so wirkt es doch nicht gekünstelt, sondern echt. Das ist ihm auch besonders wichtig. „Ich möchte die Leute unterhalten, aber dabei nicht einfach billige Gags aneinanderreihen, sondern ganz ich selbst sein und mich nicht verstellen“, meint Stijelja, der mit seinem ersten Soloprogramm auch noch etwas anderes zeigen möchte: „Das ist für mich auch die Möglichkeit zu zeigen, dass ich erwachsen geworden bin. Boulevardtheater ist eine völlig andere Sache, die mir auch sehr viel Spaß macht, aber das ist die Erfüllung meines Lebenstraums.“ Seine Eltern, die gerade aus Kroatien zu Besuch bei ihm in Ludwigshafen sind, hätten schon eine seiner Testshows besucht, „allerdings wollen sie lieber unerkannt bleiben, da ich ja auch viel Privates über sie erzähle“, sagt Stijelja. Sie hätten keine Probleme damit, dass er soviel von sich preisgibt. „In der Vorbereitung habe ich selbst viel über mich entdeckt. So sind mir Sachen wieder eingefallen, die ich längst vergessen hatte. Die Show ist für mich ein Seelenstriptease“, berichtet Stijelja. Die Zuschauer könnten daher ein „kleines Stück vom Kroate-Bub“ mit nach Hause nehmen. Das soll auch der Titel verdeutlichen: „Cevapcici steht sowohl symbolisch für meine Heimat, den Balkan, als auch für mich“, sagt er. Die Verpflegung bei der heutigen Premiere habe bei diesem Programmtitel natürlich auch schnell festgestanden: Cevapcici stehen auf dem Speiseplan. Termine Die Premiere am heutigen Samstag ist ausverkauft. Für morgen, 25. Oktober, sind noch wenige Restkarten vorhanden. Zusätzliche Vorstellungen: 7. und 26. November sowie 5. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es im Internet auf www.boulevard-deidesheim.de oder unter der Telefonnummer 0172/4008201.

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