Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel „Konflikte mit der Gemeinde“: Warum die Leiterin der Musikschule gekündigt hat

Tatjana Geiger hat die Musikschule zehn Jahre lang geleitet.
Tatjana Geiger hat die Musikschule zehn Jahre lang geleitet.

Die Haßlocher Musikschule wird derzeit kommissarisch geleitet. Die bisherige Leiterin Tatjana Geiger hat gekündigt. Grund seien „Konflikte“ mit der Gemeinde, sagt sie.

Tatjana Geiger hat die Haßlocher Musikschule zehn Jahre lang geleitet. Jetzt hat sie gekündigt. Die Institution wird derzeit von Andreas Reichel als kommissarischem Leiter geführt. Zum 1. Oktober soll die Stelle neu besetzt werden.

Sie habe ihre Arbeit sehr gern gemacht und immer ein gutes Verhältnis zu Schülern, Eltern und ihren Kollegen gehabt, betont die 54-jährige Geiger. Mit der Leitung der Musikschule sei für sie ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Doch zuletzt habe es Konflikte mit der Gemeinde gegeben.

Zuständig für die Musikschule ist seit September Bürgermeister Tobias Meyer (CDU). Zuvor war das (ab 2021) der damalige Erste Beigeordnete Thomas Götz (CDU). „Wir waren auch nicht immer einer Meinung, doch wir haben miteinander gesprochen und eine Lösung gefunden“, erzählt Geiger. Sie betont, dass Götz sie immer unterstützt und sich für die Musikschule eingesetzt habe.

„Keine Unterstützung mehr“

Nachdem die Zuständigkeit an Meyer übergegangen ist, habe sie zunehmend gemerkt, dass sie keine Unterstützung mehr bekomme, sagt Geiger. Auch sei ihre Meinung nicht mehr gefragt gewesen, stattdessen seien ihr „Steine in den Weg“ gelegt worden.

Laut Meyer gab es „unterschiedliche Vorstellungen zu verschiedenen Aspekten der Tätigkeit der Leitung“. Er betont, dass es dabei nicht um pädagogische Fragen, sondern vielmehr um finanzielle Dinge und die Arbeitszeit der Lehrkräfte gegangen sei.

Nach Angaben Meyers entsteht bei der Musikschule jährlich ein Defizit von etwa 750.000 Euro. Über 90 Prozent der Ausgaben für die Musikschule seien Personalkosten. Bei einer Prüfung habe der Landesrechnungshof „einiges moniert“, berichtet der Bürgermeister. Zum Beispiel, dass die Lehrer der Musikschule zu wenige Stunden als Ausgleich für die Ferien arbeiteten. Die Schulferien sind deutlich länger als der Urlaub, der den Musikschullehrern zusteht. Das müssen sie durch Arbeitsstunden ausgleichen.

Geiger kennt die Kritik des Rechnungshofs. Obwohl sie diese teilweise nicht für gerechtfertigt halte, habe sie errechnet, wie dieser sogenannte Ferienüberhang ausgeglichen werden könne. Die Verwaltung habe darauf nicht reagiert.

Konflikte wegen Honorarkräften

Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft die Honorarkräfte. Seit einem Gerichtsurteil ist die Beschäftigung solcher Kräfte in Musikschulen nicht unproblematisch, weshalb die Haßlocher Musikschule davon absieht. Geiger moniert allerdings, dass die Verwaltung nicht nach Möglichkeiten für die Honorarkräfte gesucht habe. So gehe man nicht mit Menschen um, kritisiert sie. Es habe „kaum ein Thema gegeben“, das nicht zu Konflikten zwischen ihr und Meyer beziehungsweise der Verwaltung geführt habe. Meyer dagegen versichert, dass Geiger und die Verwaltung mit den Differenzen „professionell“ umgegangen seien, es habe keinen Streit gegeben.

Nach Meyers Angaben wurde mit mehreren der 19 Lehrer der Musikschule darüber gesprochen, ob sie die Leitung übernehmen wollen. Alle hätten aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Daraufhin sei die Stelle ausgeschrieben worden. „Es kamen fünf Bewerbungen, davon waren drei ernst zu nehmen“, so Meyer. Nach Gesprächen mit den Bewerbern habe man sich für Jan Epp entschieden. Dieser ist derzeit Geschäftsführer der Mainzer Domchöre und kann laut Meyer erst zum 30. September seinen Vertrag beenden.

Da Geiger noch Urlaubstage habe, sei sie seit Anfang Juni nicht mehr im Dienst. Eine so lange Vakanz sei nicht gut, besonders zu diesem Zeitpunkt, so Meyer. In dieser Zeit müssten die Weichen für das neue Schuljahr gestellt werden, so Meyer. Andreas Reichel, der seit 28 Jahren Lehrer an der Haßlocher Musikschule und seit 27 Jahren Fachgebietsleiter für Tasteninstrumente ist, habe sich schließlich bereiterklärt, die kommissarische Leitung zu übernehmen. Der 59-Jährige sagt, dass er die Arbeit gern für eine befristete Zeit übernehme, langfristig jedoch nicht. Reichel wohnt in der Nähe von Frankfurt, angesichts dieser Distanz sei es schwierig, eine Einrichtung zu leiten, erklärt er. Zudem möchte er seine anderen Tätigkeiten nicht aufgeben. Reichel ist Konzertpianist und Klavierlehrer an einem Schwerpunkt-Gymnasium für Musik in Frankfurt.

Laut Gemeindeverwaltung werden mit dem neuen Leiter 20 Lehrkräfte bei der Musikschule angestellt sein. Honorarkräfte würden nicht mehr beschäftigt. Etwa 800 Schüler würden an der Musikschule in 100 Kursen unterrichtet, davon seien 93 Erwachsene.

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