Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Kommunale Wärmeplanung: Das Potenzial ist vorhanden

Das Interesse an dem Stand der Wärmeplanung für die Gemeinde Haßloch war groß.
Das Interesse an dem Stand der Wärmeplanung für die Gemeinde Haßloch war groß.

Haßloch plant eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Mehr als 70 Bürger informierten sich bei einer Veranstaltung über den Stand der Planungen und die kommenden Schritte.

Informiert wurden sie über die Perspektiven der kommunalen Wärmeplanung (KWP). Deren Ziel ist es, eine nachhaltige, effiziente und treibhausgasneutrale Wärmeversorgung in Haßloch zu gewährleisten. Die KWP soll mögliche Wege der Wärmeversorgung aufzeigen. Sie ist rechtlich unverbindlich.

Carsten Borck, Haßlochs Erster Beigeordneter, begrüßte die Anwesenden zur Auftaktveranstaltung und betonte, dass die Kommunale Wärmeplanung (KWP) ein laufender Prozess sei. Fabian Roth von MVV Regioplan Mannheim skizzierte die aktuelle Planungslage. Die Bestandsanalyse zeige, dass es notwendig sei, den Wärmebedarf zu senken, um den Bedarf aus regenerativen Energiequellen zu decken.

Eine zentrale Rolle komme dabei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands zu. Die Auswertung der erhobenen Daten zeige: Mehr als 80 Prozent aller Gebäude sind vor 1990 erbaut, rund 90 Prozent werden aktuell mit Gas und Öl beheizt. Etwa drei Prozent der Gebäude werden derzeit mit Wärmepumpen versorgt. Circa 60 Prozent aller Gasheizungen sind älter als 15 Jahre. Sie müssten in einem absehbaren Zeitraum erneuert werden.

Die Potenzialanalyse zeige die technologischen Lösungen für die Wärmeplanung in der Gemeinde auf: Wärmepumpen, Solarthermie, oberflächennahe Geothermie, Tiefengeothermie, industrielle Abwärme, Biomasse und Biogas. Im Bereich der Stromerzeugung seien es Photovoltaik und Windkraft. Als Zwischenergebnis sei festzustellen: Die Potenziale auf der eigenen Gemarkung sehen gut aus, resümiert Roth. Sowohl für Wärme als auch für Strom seien Möglichkeiten vorhanden, eine erneuerbare Wärmeversorgung auf der Gemarkung der Gemeinde Haßloch zu decken. Allerdings könne eine genaue Aussage darüber, ob die eigenen Potenziale den Wärmebedarf bis 2040 decken können, erst dann getroffen werden, wenn das Zielszenario im nächsten Schritt der Wärmeplanung erarbeitet worden sei. Dieses solle darstellen, wie eine klima- und treibhausgasneutrale Wärmeversorgung aussehen kann: Welche Teilgebiete in Haßloch eignen sich für Wärmenetze? Welche Gebiete werden dezentral versorgt?

Darauffolgend soll eine Umsetzungsstrategie mit Maßnahmenkatalog erarbeitet werden. Der Abschlussbericht soll gegen Ende des Jahres vorliegen. Der Gemeinderat wird dann die Entscheidungen treffen.

Faktor Wirtschaftlichkeit

In der anschließenden Diskussion wurden finanzielle Herausforderungen und Fragen zur Technologieoffenheit sowie mögliche Grenzen thematisiert. Auch der Netzausbau (Gas und insbesondere Strom) stand im Fokus. Udo Engel, Geschäftsführer der Gemeindewerke Haßloch (GWH), verwies auf den Faktor Wirtschaftlichkeit. Es seien die Optionen und die Potenziale zu prüfen, ob sie wirtschaftlich umzusetzen seien. Er verwies auf den Transformationsplan, den die GWH bis nächstes Jahr aufstellen wollen. „Wir rechnen verschiedene Szenarien“, sagte Engel. Wichtig sei, „das Stromnetz fit zu machen“ und auszubauen. Das oberste Ziel sei die Klimaneutralität. „Die Energieanbieter stehen vor extremen Herausforderungen“, betonte Engel. Weitere Stichworte seien Technologieoffenheit und Digitalisierung. Leider hinke die Gesetzgebung zur Wärmeplanung in Rheinland-Pfalz hinterher, bedauerte Engel, lobte aber, dass die Politik in Haßloch früh entschieden habe, das Thema anzugehen.

Ein Bürger mahnte an, dass jeder einen Beitrag leisten könne und müsse: „Mit Blick auf die Klimaerwärmung ist jeder gefordert.“ Auf die Frage zum Anschluss- und Benutzungszwang antwortete Borck, dies sei „ein schwieriges Instrument“, das man Stand heute per Satzung vermeiden wolle. Themen wie Bestandsschutz, Übergangs- oder Härtefallregelungen sollen ebenfalls in einer neuen Satzung verankert werden. Aber am Ende sei alles eine politische Entscheidung.

Info

Die Präsentation der MVV Regioplan zur Kommunalen Wärmeplanung ist nachzulesen auf der Gemeindehomepage www.hassloch.de

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