Neustadt Kommentar: CDU abgewählt

Marc Weigel überzeugte die Wähler.
Die CDU hatte kein Konzept – weder inhaltlich noch personell.
Ein Freier Wähler als Oberbürgermeister einer kreisfreien Stadt ist eine Überraschung, seine Wahl im ersten Wahlgang eine Sensation – die sich angedeutet hatte. Die Bürger in allen Ortsteilen wollten einen Politikwechsel und haben ihn bekommen: weg von der CDU, die mit Hans Georg Löffler seit 2001 den Oberbürgermeister stellte, und damit auch weg von seinem Parteifreund Ingo Röthlingshöfer, der als Bürgermeister mit in der Haftung war. Es war für Kandidat und Partei nicht gerade ein Beispiel von Innovationsfreude, mit Röthlingshöfer jenen Mann zu nominieren, der im Jahr 2000 parteiintern an der Kandidatur gescheitert war. Die Stärke von Marc Weigel war auch die Schwäche von Ingo Röthlingshöfer. Der FWG-Mann mit einem klaren inhaltlichen Konzept, sein CDU-Konkurrent stets nur bemüht, sich krampfhaft abzusetzen. Während die Freien Wähler geschlossen hinter ihrem Kandidaten standen, war das bei der CDU nicht der Fall. Bei der Wahlwerbung wirkte Weigel staatstragend, Röthlingshöfer bieder. Hinzu kamen Fehler: die zaghaften – und schnell eingestellten – Versuche, den B 39-Tunnel wieder auszugraben. Oder seine Rückzugspläne für das Projekt der Wohnungsbaugesellschaft am Bahnhofsvorplatz, ohne den großen Wurf präsentieren zu können. Viel zu wenig distanzierte er sich von Hans Georg Löffler. Und zwar nicht im Wahlkampf, sondern in den 16 Jahren als Parteivorsitzender. Dass die Neustadter CDU nun am Boden liegt, muss sich auch Hans Georg Löffler ankreiden lassen. Ihm war die Partei nie wichtig. Die SPD hat mit Pascal Bender Profil gewonnen und könnte die Ernte dafür im Frühjahr 2019 bei der Kommunalwahl einfahren – vielleicht als Partner der Freien Wähler. Weigel muss die Aufbruchstimmung für sich nutzen, um sehr hohe Erwartungen zu erfüllen. Er ist jung, klug und kann reden – aber er wird auch Verbündete brauchen.